Straße nach Bauarbeiten wieder frei

Auf Landesstraße Gemünden-Wohra sieben Tunnel für Kröten gebaut - Ärger über Vollsperrung

Amphibien-Schutzeinrichtung: Bei der Vorstellung der Anlage an der Landesstraße zwischen Gemünden und Wohra: (vorne von links) Monika Fett (Landkreis Marburg-Biedenkopf), Hiltrud Runde (Hessen-Mobil), Harald Homberger (BUND) sowie (hinten von links): Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit, Dirk Wind (Firma Rohde), Markus Schwarz und Eugen Reichwein (beide Hessen-Mobil).
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Amphibien-Schutzeinrichtung: Bei der Vorstellung der Anlage an der Landesstraße zwischen Gemünden und Wohra: (vorne von links) Monika Fett (Landkreis Marburg-Biedenkopf), Hiltrud Runde (Hessen-Mobil), Harald Homberger (BUND) sowie (hinten von links): Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit, Dirk Wind (Firma Rohde), Markus Schwarz und Eugen Reichwein (beide Hessen-Mobil).

Nach vierwöchiger Vollsperrung ist die Landesstraße 3073 zwischen Gemünden und Wohra am heutigen Freitag wieder geöffnet worden. Autofahrer hatten über die langen Umwege geschimpft, die sie während der Bauarbeiten in Kauf nehmen mussten.

Gemünden/Wohra. Die 215 000 Euro teuren Arbeiten für eine 300 Meter lange Schutzeinrichtung für Amphibien und die Erneuerung der Fahrbahndecke auf der vielbefahrenen Verbindungsstrecke zwischen Gemünden und Wohra sind beendet.

Am Donnerstagnachmittag stellten Mitarbeiter von Hessen-Mobil Westhessen die Anlage vor. Dabei griffen die Verantwortlichen auch den Unmut von Kritikern darüber auf, dass wegen des Schutzes von Kröten und Fröschen die Verbindungsstraße gesperrt war.

In Leserbriefen machten sie ihrem Ärger Luft, aber auch durch Anrufe im Rathaus in Wohra, wie Bürgermeister Heiko Dawedeit berichtete. Den Unmut bekam auch Harald Homberger, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Wohratal, ab. „Manche haben mich persönlich für das Projekt verantwortlich gemacht“, schilderte er.

Homberger hatte 26 Jahre lang im Frühjahr an der Landesstraße bei den Heimbachteichen, wohin es Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche aus der Aue auf der anderen Straßenseite zum Laichen zieht, Schutzzäune aufgestellt und die Tiere in Eimern über die Straße gebracht. In der Anfangszeit wurde er von etlichen BUND-Mitgliedern unterstützt, in jüngster Zeit hat er die Rettungsaktion nur mit seinen vier Kindern durchgezogen.

Der Bau der Schutzeinrichtung geht aber nicht auf den örtlichen BUND-Vorsitzenden zurück, sondern auf ein im Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen vereinbartes Sonderprogramm des Landes Hessen. Es hat das Ziel, vorhandene Amphibien-Schutzeinrichtungen wie die zwischen Wohra und Gemünden zu ertüchtigen und zu optimieren. Wie Hiltrud Runde von Hessen-Mobil Westhessen, die als Biologin das Projekt betreute, erläuterte, sind aus diesem Programm auch die 215 000 Euro für die Schutzanlage bei den Heimbachteichen finanziert worden. „Damit soll auch das Ehrenamt entlastet werden“, sagte sie.

Monika Fett vom Fachdienst Umwelt des Landkreises Marburg-Biedenkopf betonte die Bedeutung des Amphibienschutzes. „Alle reden von Insektensterben, aber die Amphibien sind ebenso gefährdet“, sagte sie auf HNA-Anfrage.

An beiden Straßenseiten wurden Leitelemente aus Metall angebracht, die verhindern, dass die Kröten auf die Fahrbahn gelangen. Wenn die Tiere an den Schienen entlanggehen, kommen sie an Tunnel, durch die sie die Straße unterqueren können. Es wurden dafür sieben Betonelemente in U-Form unter der Straße eingebaut. Sie sind nach unten offen, denn der Bodenbereich muss natürliche Erde enthalten. Auch müssen die Tunnel groß genug sein, damit Licht der anderen Seite durchscheint. Nur dann nutzen die Tiere die Unterquerung.

„Es ist ein richtiges und wichtiges Projekt, auch wenn es Beschwerden gab“, sagte der Wohrataler Bürgermeister Dawedeit.

Von Martina Biedenbach

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