„Das Medieninteresse ist verrückt“

Wie der Gemündener Aerosolexperte Gerhard Scheuch mit seiner plötzlichen Berühmtheit umgeht

Forschung zur Corona-Pandemie: Dr. Gerhard Scheuch, Aerosolexperte aus Gemünden, hat mittels des neuentwickelten Resp-Aer-Meter auch bei sich selbst ermittelt, wie viel Aerosolteilchen er beim Ausatmen abgibt. Scheuch vor dme Gerät mit dem Mundstück in der Hand.
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Dr. Gerhard Scheuch, Aerosolexperte aus Gemünden, warnt in vielen Interviews vor der Verbreitung des Coronavirus über die Atemluft. Hier ist er mit dem neuentwickelten Resp-Aer-Meter zu sehen. Ein Gerät, das ermittelt, wie viel Aerosolteilchen man beim Ausatmen abgibt. Je mehr es sind, je höher ist seiner Meinung nach die Gefahr, andere anzustecken.

Ob Zeitungen, Hörfunk oder Fernsehen – der Gemündener Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch kann sich derzeit vor Interviews kaum retten. Was das für bedeutet, erklärt er im Interview.

Gemünden - Er gehörte zu den ersten Forschern in Deutschland, die darauf hinwiesen, dass sich Coronaviren in Innenräumen über die Luft verbreiten und im Freien die Ansteckungsgefahr gegen null geht. Dazu wird der Experte Dr. Gerhard Scheuch derzeit fast täglich in Talkshows und TV-Sendungen, von Zeitungen und Hörfunk befragt. Wie er mit der plötzlichen Bekanntheit umgeht, schildert er im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Scheuch, Sie sind in den Medien als Interviewpartner sehr begehrt.

Ja, es ist verrückt. Derzeit gebe ich fast täglich ein oder mehrere Interviews. Nächste Woche werde ich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz sein. Das ARD-Morgenmagazin hat eine halbe Stunde mein Wohnzimmer für Fernseh-Aufnahmen umgeräumt. Die Phoenix-Runde ist auch bei mir zuhause aufgezeichnet worden. RTL war schon vier Mal mit einem Team hier. Für die Talkrunde von Stern TV bin ich nach Köln gefahren. Zeitungen wie Die Welt und Pravda (Bratislava) haben mich befragt. Auf meine Frage, warum sie immer mich interviewen, bekam ich zur Antwort: „Weil Sie das so gut erklären ohne Fremdwörter und Fachbegriffe.“

Wie zufrieden sind Sie mit den Interviews? Im TV haben Sie nicht viel Redezeit.

Die Zeit ist knapp. Zum Beispiel blieben mir bei einem Interview für vier Fragen 2,5 Minuten. Ich habe vor der Sendung mit der Moderatorin einen Probelauf gemacht. Es hat geklappt. Aber lieber sind mit längere Interviews, in denen ich die Thematik genauer darstellen kann. Das geht bei Podcasts sehr gut.

Wie geht es Ihnen mit Ihrer plötzlichen Berühmtheit?

Ich freue mich, dass ich durch diese Bekanntheit die einmalige Chance habe, meinen Beitrag zur Aufklärung und zum Schutz vor Corona leisten zu können. Außerdem habe ich schon immer gerne Menschen wissenschaftliche Zusammenhänge erklärt. Vorm ersten TV-Auftritte war ich noch nervös, das hat sich gelegt. Ich vertrete klar und offen meine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Botschaft: Leute, geht raus! Draußen liegt die Ansteckungsgefahr fast bei Null. Die Ansteckung erfolgt in Innenräumen! Da ist höchste Vorsicht geboten!

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Medienauftritte?

Ich bekomme sehr viel positive Rückmeldung und es melden sich viele Menschen, die noch mehr Informationen haben wollen – zum Beispiel, zum Schutz in Innenräumen durch Luftfilter. Drohungen von Verschwörungstheoretikern habe ich nicht erhalten. Allerdings lese ich auch keine Internet-Kommentare. Die Stern-TV-Runde mit dem SPD-Experten Karl Lauterbach und Virologen Alexander Kekulé ist zum Beispiel auf Facebook über eine Million Mal geklickt worden und es gibt dazu über 8500 Kommentare. Die kann und will ich nicht alle lesen.

Von Martina Biedenbach

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