„Zukunft mit der Gemeinde gestalten“

Marie-Christine Weidemeyer ist neue Pfarrerin für Gemünden und Schiffelbach

Vor der Altarbibel: Marie-Christine Weidemeyer (29) ist ab dem 1. November neue Pfarrerin für Gemünden und Schiffelbach.
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Vor der Altarbibel: Marie-Christine Weidemeyer (29) ist ab dem 1. November neue Pfarrerin für Gemünden und Schiffelbach.

„Glück und Hoffnung kann gefunden werden, selbst in den finstersten Zeiten, wenn nur einer daran denkt, ein Licht zu entzünden.“ Albus Dumbledore

Gemünden/Schiffelbach – Menschen stecken in Schwierigkeiten, stehen vor Herausforderungen oder erleiden Schicksalsschläge. Damit sie nicht daran zerbrechen, brauchen sie jemanden, der ihnen zur Seite steht und das „Prinzip Hoffnung“ nahebringt. Marie-Christine Weidemeyer hat sich dies auf ihre Fahnen geschrieben.

Für die künftige Pfarrerin der evangelischen Christinnen und Christen von Gemünden und Schiffelbach ist der eingangs zitierte Spruch des fiktiven Leiters der Zauberschule Hogwarts in der Harry-Potter-Serie ein Kernanliegen ihrer seelsorgerischen Tätigkeit: „Wir dürfen nie vergessen, dass es trotz dunkler Phasen immer ein Licht geben kann, das uns den Weg zum Guten erhellt – um uns herum, aber auch in uns selbst.“

Gerade das Licht in jedem Menschen stehe im Mittelpunkt der christlichen Botschaft: „Ich möchte den Menschen aufzeigen, dass es etwas in jedem gibt, das ihn im Leben trägt. Man muss aber auch bereit und motiviert sein, sich selbst auf den Weg aus dem Dunkel zu machen.“ Dabei möchte die 29-Jährige eine Begleiterin sein: „Ich kann dieses Prinzip Hoffnung den Menschen mitgeben, aber nicht aufzwingen.“

So legt sie gleich in ihrer ersten Pfarrstelle großen Wert auf enge, von gegenseitigem Respekt getragene Zusammenarbeit aller Gemeindeglieder. Sie möchte den künftigen Weg gemeinsam mit der Gemeinde gestalten. Nicht den alleinigen Taktstock schwingen. Ideen hören, diskutieren und umsetzen. „Die Menschen sind ein wichtiger Teil des Prozesses.“ Kein leichtes Unterfangen. In Gemünden und Schiffelbach sind rund 3000 Gemeindeglieder zu betreuen.

Aber Marie-Christine Weidemeyer ist zuversichtlich: „Ich weiß, dass in den Menschen ein großer Wunsch nach Veränderungen schlummert.“ Dass sie gehört werden wollen, respektiert und wertgeschätzt.

Letztlich habe die Pandemie gezeigt, welche Chancen sich auch der Kirche bieten, neue Wege zu gehen. Sie habe offenbart, wonach Menschen verlangen. Vieles, was vorher als undenkbar erschien, sei nun wie selbstverständlich möglich. Die neue Pfarrerin: „Corona hat, so absurd es im ersten Moment auch klingen mag, neue Chancen eröffnet, wie Kirche auch außerhalb der Kirchenmauern funktionieren kann. Corona ist ein Brennglas.“

Daher hofft die 29-Jährige, dass die Kirche nicht wieder in alte Verhaltensmuster verfällt. „Letztlich müssen wir mit neuen Konzepten den Austrittszahlen und zurückgehenden Gottesdienstbesuchen etwas entgegensetzen.“

Bei allem Elan mit frischen Ideen weiß die junge Geistliche auch um ihre Grenzen: „Ich will nichts übers Knie brechen. Ich will zunächst schauen, was in der Gemeinde gut läuft und was sie aufgebaut hat.“ Bei der Sakramentsverwaltung (Leitung des Abendmahls und Taufe), dem Konfirmandenunterricht und der Seelsorge möchte sie mit der Gemeinde dann aber schon über neue Formen nachdenken.

Gerade die Seelsorge ist für Marie-Christine Weidemeyer ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Eine Art Steckenpferd. „Dies ist ein unglaublich wichtiges Feld. Dabei kann man viel für die Menschen erreichen – wenn die Seelsorge gut ausgeführt wird.“ Zuhören, hineinversetzen, Realitäten anerkennen, darauf reagieren und Lösungen anbieten seien hierbei das Grundgerüst.

Die Seelsorge sei aber auch wichtig für die Kirche selbst, um ihren Stellenwert zu untermauern. Letztlich habe der christliche Glaube eine bedeutende und wesentliche Grundbotschaft, „aber nicht die alleinige Weisheit. Schließlich befinden wir uns in einer immer stärker werdenden Konkurrenz mit anderen Glaubensrichtungen und spirituellen Gruppierungen. Deswegen muss sich die evangelische Kirche weiter den Menschen öffnen und ihre Botschaft sinnvoll mit der Gegenwart verknüpfen.“

In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft sei es für die Kirche immens wichtig, den Menschen die Bedeutung des Christentums zu dokumentieren – aber nicht von oben herab: „Die Zeiten sind vorbei, als Pfarrer quasi im Alleingang die Geschicke einer Kirchengemeinde bestimmten. Dies geht heute nur zusammen mit den Menschen – mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Ansprüchen. Sie müssen sich vollwertig fühlen. Das garantiert eine lebendige Gemeinde.“

In Kürze wird Marie-Christine Weidemeyer in ihrem eigenen Berufsumfeld in Gemünden und Schiffelbach damit beginnen. Am 1. November ist ihr erster Arbeitstag.

Ein Reifeprozess

Marie-Christine Weidemeyer ist Nachfolgerin von Pfarrer Hermann Noll. Er war vor einem Jahr in Ruhestand gegangen. Die 29-Jährige ist sehr früh mit diesem Beruf in Berührung gekommen: Ihre Mutter war Pfarrerin. Trotz dieses Einflusses und obwohl Marie-Christine Weidemeyer sich bereits als junges Mädchen in kirchlich/kommunaler Jugendarbeit engagiert hatte, hegte sie damals noch keinen Gedanken, einmal diesen Beruf zu ergreifen.

Dafür gab es einen Reifeprozess. Durch den Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe und während des anschließenden theoretisch-wissenschaftlichen Theologie-Studiums, durch ein Gemeindepraktikum und das Vikariat kam sie auf den Geschmack, ihren beruflichen Weg als Pfarrerin zu gehen.

Der Einführungsgottesdienst ist am Sonntag, 14. November, ab 16 Uhr in der Gemündener Kirche. Dekanin Petra Hegmann wird teilnehmen.

Zur Person

Marie-Christine Weidemeyer wurde am 2. September 1992 in Schwalmstadt geboren und wuchs in Neukirchen (Knüll) auf. Sie hat drei ältere Geschwister (zwei Brüder und eine Schwester) und ist fünffache Tante (drei Nichten und zwei Neffen).

Nach dem Abitur an der Melanchthon-Schule in Steinatal folgte ein Theologie-Studium in Marburg. Schwerpunkt: Seelsorge in ihrer vielfältigen Weise. Praktika: Gefängnis- und Polizeiseelsorge sowie ehrenamtliche Küsterin im Krankenhaus in Ziegenhain. Ihr Vikariat leistete sie in Homberg bei Pfarrerin Anke Zimmermann ab.

Zu ihren Hobbys zählen unter anderem Treffen mit ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden, Handlettering (moderne Form der Schönschrift), wandern und lange Spaziergänge, lesen und Städtetrips. 

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