Zweiter Verhandlungstag

Frau tötete Freundin des Ex: Nebenklage geht von Mord aus

Marburg. Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses gegen eine 27-Jährige, die im März in Marburg die neue Freundin ihres Ex-Freundes erstochen hat, hat die Nebenklage deutlich gemacht, dass sie von Mord ausgeht.

Zudem berichtete die beste Freundin des Opfers, dass deren Beziehung nicht so gut lief, wie der Mann zum Prozessauftakt behauptet hatte.

Die Staatsanwaltschaft geht laut Anklage von Totschlag aus. Im vorläufigen psychiatrischen Gutachten wird zudem von einer Affekttat ausgegangen, was zu einer Strafrahmenreduzierung führen würde. Den Sachverständigen hat die Nebenklage daher als befangen abgelehnt, da er belastende Aussagen nicht ausreichend gewürdigt habe (HNA berichtete).

Rechtsanwältin Elke Edelmann, die die Eltern der Getöteten vertritt, betonte, dass ihrer Ansicht nach zwei Mordmerkmale vorhanden seien, weshalb das Gericht einen rechtlichen Hinweis geben müsse. Die Täterin habe heimtückisch die Arg- und Wehrlosigkeit der 29-Jährigen ausgenutzt, diese habe mit dem Angriff nicht rechnen können. Zudem habe sie aus niederen Beweggründen gehandelt. Der Angeklagten sei es mit der Tat nur darum gegangen, ihren Freund wieder zu bekommen, so Edelmann.

Um dies zu beweisen, beantragte sie die Verlesung mehrerer Nachrichten, die die Frau dem 25-Jährigen im Vorfeld geschrieben hat. In ihnen heiße es unter anderem, die neue Freundin habe ihm das Gehirn gewaschen. Und dann „irgendwann bist du die Gehirnwäsche los“, das sei eine Ankündigung der Tat. Immer wieder habe sie nach der Trennung dem Mann nachgestellt und ein „Nein“ seinerseits nie akzeptiert.

Darüber hinaus beantragte Edelmann ein psychologisches Gutachten, mit dem gezeigt werden soll, dass von der Frau weiterhin eine Gefahr für andere – besonders für den Ex-Freund und eventuelle neue Beziehungen – ausgehe. „Sie zeigt keine Reue, die Sache ist für die Angeklagte noch nicht abgeschlossen.“ Über die Anträge will die Kammer unter Vorsitz von Carsten Paul später entscheiden.

Von massiver Gewalteinwirkung auf die 29-Jährige berichtete die rechtsmedizinische Sachverständige. Insgesamt 36 „Einwirkungen“ habe es gegeben. Obwohl die Frau zunächst noch gelebt habe und die Ärzte alles getan hätten, um ihr Leben zu retten, habe sie keine Chance gehabt. Bis zu 14 Zentimeter tief seien die Stiche gewesen, die mit zwei Messern ausgeführt wurden.

Zunächst habe die Täterin mehrfach in den Oberkörper durch die dicke Daunenjacke auf den Oberkörper eingestochen. „Das Durchdringen des festen Gewebes mit den Daunen darunter zeugt von heftiger Gewalt“. Verletzungen der Organe hätten zu massiven Blutungen geführtt.

Zahlreiche Abwehrverletzungen zeugten von einem heftigen Kampf. „Sie kämpfte auch am Boden liegend noch um ihr Leben“, sagte die Rechtsmedizinerin. Dort seien ihr weitere Stiche in den Rücken und die Beine zugefügt worden.

Was die beste Freundin des Opfers als Zeugin aussagte, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. (kse)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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