Gutachten nicht eindeutig

Zeuge belastet angeklagten Polizisten: "Mit Schlagstock geschlagen"

Frankenberger Land. Hat der Polizist mit dem Schlagstock zugeschlagen? Konnte der Zeuge das überhaupt sehen?

Am Donnerstag wurde die Verhandlung gegen einen Polizeibeamten wegen vermeintlicher Körperverletzung im Amt fortgesetzt. Vor dem Frankenberger Amtsgericht sagte das letzte Mitglied der Jugendclique aus und belastete den angeklagten Polizisten schwer: „Ich konnte alles genau beobachten“, sagte der inzwischen 18-Jährige vor Gericht. „Er hat ihn mit einem Schlagstock geschlagen.“

Die Verteidigung stellte nach der Vernehmung des Zeugen den Antrag, den Tatort zu besichtigen - sie bezweifelt, dass der Zeuge den Schlagstock in der Dunkelheit gesehen haben kann.

Am Montag hatten die anderen Jugendlichen oft behauptet, sich nicht erinnern zu können. Der junge Mann aber gab nun klare Antworten - auch wenn er sich nicht mehr an alle Details erinnern konnte.

Insgesamt bestätigte er seine frühere, protokollierte Aussage: Er habe gesehen, wie der vermeintlich Geschädigte zu Boden gegangen sei, ein Polizist sein Bein auf dessen Rücken gestellt und dann zugeschlagen habe. „Ich glaube, es waren zwei Schläge“, sagte er auf Nachfrage von Richterin Andrea Hülshorst. Er selbst sei auf die Polizisten zugegangen, um ihnen zu sagen, dass das vermeintliche Opfer sein Asthmaspray benötige, erklärte er weiter. Dabei habe er auch die Schreie des vermeintlichen Opfers gehört. Weiterhin bekräftigte er, dass ein Polizist ihn mit Pfefferspray angegriffen habe. Entgegen früherer Aussagen habe er aber nur etwas auf die Jacke bekommen und nicht auf die Wange.

Gutachten nicht eindeutig 

Die Tatwaffe, der Teleskop-Schlagstock des angeklagten Polizisten, wurde von einem Forensiker auf DNA-Spuren untersucht. Blut habe man keines gefunden, dafür aber Hautabrieb an mehreren Stellen am Schlagstock - auch am Griff, mit dem der Polizist zugeschlagen haben könnte. Ein eindeutiges Urteil lässt die Analyse nach Ansicht des Sachverständigen aber nicht zu, die Rückstände seien nicht eindeutig. Er könne lediglich „nicht ausschließen, dass die Spuren von der Person stammen“, so der Experte vor Gericht. Ob der Schlagstock vorher gereinigt worden sei, konnte er nicht sagen - das sei nicht untersucht worden.

Keine neuen Erkenntnisse brachten die Befragungen der beiden Ärzte, die den Jugendlichen nach dem Vorfall im Krankenhaus behandelt hatten. Der Arzt, der die Platzwunde genäht hatte, sagte aus: „Er hat gesagt, dass er von der Polizei geschlagen wurde. Das hat er von sich aus erzählt.“ Nachgefragt habe er nicht.

Die Verhandlung soll kommenden Dienstag fortgesetzt werden. (bdi)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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