Hallen wegen Corona seit März zu

Geschlossene DGHs in Waldeck-Frankenberg: Kosten, aber keine Einnahmen

"Sonst ist hier viel Trubel": Hausmeister Frank Wenig kann es kaum fassen - aber in die Großsporthalle in Ernsthausen ist seit knapp drei Monaten Stillstand eingekehrt. "Normal ist hier immer viel Trubel, in der Regel treiben hier etwa 2000 Menschen pro Woche ihren Sport", sagt Wenig. Foto: mjxGroßsporthalle in Ernsthausen geschlossen
+
Frank Wenig ist Hausmeister in der Großsporthalle in Ernsthausen. Die Halle ist seit fast drei Monaten ungenutzt, normalerweise trainieren hier etwa 70 Sportler am Tag.

Hallen und DGHs in Waldeck-Frankenberg sind wegen der Corona-Pandemie noch mindestens bis 6. Juli geschlossen. Mit finanziellen Konsequenzen für die Kommunen.

  • Hallen und DGH sind wegen Corona bis 6. Juli zu
  • Kommunen haben trotzdem Fixkosten
  • Vereine können sich nicht treffen

Weil Dorfgemeinschaftshäuser, Hallen und andere öffentliche Gebäude wegen der Corona-Verordnungen derzeit geschlossen sind, gehen den Städten und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg seit März Einnahmen verloren, die eigentlich durch Veranstaltungen und Vermietungen erzielt würden. 

Auf der anderen Seite verursachen auch die geschlossenen Gebäude Kosten – etwa für Strom, Gas, Wasser und Abwasser, für Versicherung, Reinigung und die Hausmeister.

Die 22 Städte und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg und der Landkreis hatten im Mai beschlossen, dass alle Sport- und Mehrzweckhallen, Vereins- und Sportlerheime sowie Gemeinschaftshäuser im Landkreis wegen der Corona-Pandemie bis mindestens 6. Juli geschlossen bleiben. Ob und wie lange die Schließungen verlängert werden, darüber werden sich Landkreis sowie Städte und Gemeinden in den kommenden Tagen abstimmen, teilte der Landkreis am Montag mit.

Kosten und Einnahmeverluste

Konkrete Zahlen für die Kosten und Einnahmeverluste seien schwer zu ermitteln, heißt es aus den Rathäusern. Die Stadt Korbach rechnet für die bisherigen drei Monate bei den geschlossenen Gebäuden mit einem Einnahmeverlust von rund 45.000 Euro, berichtet Ralf Buchloh, Leiter der Finanzabteilung der Kreisstadt. Und für die zwölf DGHs und Hallen der Stadt Bad Arolsen fallen – auf Basis der Vorjahre – monatlich durchschnittliche Kosten von rund 66.000 Euro an, sagt die Leiterin des Fachdienstes Finanzen, Birgit Dielschneider.

Hallen auf Sommerbetrieb

Um Kosten zu senken, haben die Städte und Gemeinden ihre DGHs und Hallen auf Sommerbetrieb umgestellt. „Die Hausmeister werden in der Regel auf Stundenbasis abgerechnet“, sagt Hainas Bürgermeister Alexander Köhler. Daher seien auch die Personalkosten gesunken.

„Insgesamt spielen die zweifelsfrei vorhandenen Einnahmeverluste durch fehlende Nutzungsgebühren im Gesamtkontext des Haushalts und der Auswirkungen der Corona-Pandemie aber eine untergeordnete Rolle“, sagt Köhler. „Die Einbußen, die wir durch fehlende Zuweisungen des Einkommenssteueranteils zu erwarten haben, werden uns deutlich stärker treffen.“

Vereine sind betroffen

Und sehr viel schwerer als die Einnahmeverluste wirke auch, „dass durch die Schließungen das Engagement unserer rund 240 aktiven Vereine in Korbach wesentlich erschwert wird“, sagt Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich. „Darunter leidet das sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben.“ Trotzdem hätten Vereine, Organisationen und andere Nutzer „großes Verständnis für die notwendigen Einschränkungen“, berichtet Friedrich.

Das bestätigt auch die Stadt Frankenberg: „Zu den Gebäuden gab es vereinzelte Nachfragen von Privatleuten und Veranstaltern, die Schließung wird aber grundsätzlich widerstandslos akzeptiert. Es finden landesweit keine Veranstaltungen statt, entsprechend verständnisvoll sind die Menschen auch hier vor Ort“, sagt Pressesprecher Florian Held. 

Belegungsplan ist leer

In Rosenthal ist die Sport- und Kulturhalle seit dem 16. März geschlossen - zunächst bis 6. Juli. Der Belegungsplan für die Halle ist derzeit leer. „Für die Zukunft steht erst mal nichts drin. Die ganzen Gruppen können ja nichts machen“, sagt Erwin Peter von der Stadtverwaltung. 

Peter zählt auf, wer alles von der Schließung betroffen ist: „Normalerweise würde sich dort jeden Dienstag und Donnerstag die Landjugend Rosenthal treffen, der Sportverein nutzt die Halle sonst für Tischtennis und Gymnastik, und die Chorproben des MGV und der Rose Valley Singer fänden auch dort statt.“ 

Erwin Peter ist bei der Stadt Rosenthal für die Vermietung der Sport- und Kulturhalle zuständig. Der Belegungsplan ist wegen der Schließung aber derzeit leer.

Anfragen wegen Beerdigungen gebe es derzeit nicht. „Die buchen das erst gar nicht, weil das Kaffeetrinken im Moment ja auch nicht möglich ist.“ Auch geplante Hochzeiten und andere Familienfeiern seien abgesagt worden. 

„Als erste größere Veranstaltung wurde der Ostermarkt abgesagt, der wäre am 28. März gewesen“, erinnert sich Erwin Peter. Ausgefallen seien zudem ein Zirkusprojekt der Schule, eine Veranstaltung des Basarteams, ein Seniorennachmittag sowie Konfirmationsfeiern. „Auch das Rosenthaler Heimatfest vom 10. bis 13. Juli wurde schon abgesagt“, teilt Peter mit.

„Die finanziellen Einbußen sind das eine. Für finanzschwache Kommunen sind sie natürlich schmerzhaft", sagt Karsten Kalhöfer, der Bürgermeister von Vöhl. "Was aber ebenso zu betonen ist, ist die Tatsache, dass durch die Schließung unserer Gemeinschaftshäuser die Treffpunkte für die Menschen wegfallen. Das gesellschaftliche Leben leidet darunter. Allerdings sage ich auch nicht, dass die Gemeinschaftshäuser ab morgen wieder öffnen sollen. Wie es diesbezüglich weitergeht, muss im Zuge der Gesamtsituation bewertet werden.“

Politische Gremien tagen

Trotz der Schließungen für Vereinsaktivitäten und Veranstaltungen werden Hallen und Gemeinschaftshäuser derzeit für Sitzungen der politischen Gremien genutzt. So finden in Bad Arolsen zum Beispiel die Magistratssitzungen aktuell im kleinen Saal des Bürgerhauses statt. Die Stadtverordneten tagten Ende Mai in der Stadthalle in Mengeringhausen. Ortsbeiratssitzungen können in den Dorfgemeinschaftshäusern stattfinden. 

Besonders wichtige Termine wie Blutspenden oder die IHK-Prüfungen können ebenfalls stattfinden, teilt die Stadt Bad Arolsen mit. Für weitere Nutzungen stünden die Hallen derzeit aber nicht zur Verfügung. 

Auch in Battenberg hatten die Ausschüsse (Foto) und das Stadtparlament mit Corona-Regeln in der Burgberghalle getagt.

Die Stadt Waldeck geht derzeit für die bisher knapp drei Monate der Corona-Krise von Mindereinnahmen bei der Vermietung der DGHs und Stadthallen von rund 7000 Euro aus und von Minderausgaben für Strom, Heizung und Reinigung von rund 6500 Euro. 

Den Einnahmeverlust in den Bad Wildunger Gemeinschaftshäusern – ohne die beiden Wandelhallen – schätzt Udo Paul von der Stadtkämmerei auf rund 11 000 Euro – für den Zeitraum von Mitte März bis Ende August. Nach dem 14. März seien die Buchungen für Veranstaltungen komplett eingebrochen, und bis zum 31. August müssten die Bürger- und Gemeinschaftshäuser nach den Vorgaben des Landkreises noch geschlossen bleiben. 

Die Unterhaltungsmaßnahmen seien bis auf dringend Notwendiges auf Eis gelegt und der Energiebedarf sei gedrosselt worden, sagt Udo Paul. 

„Die Schließungen sind aus gesundheitlichen Gründen weiter nötig, das ist die einhellige Meinung der Verantwortlichen in Kommunen und Kreis“, sagt Florian Held, Pressesprecher der Stadt Frankenberg. In den Telefonkonferenzen wird das gemeinsame Vorgehen immer wieder neu bewertet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.