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Corona: Gratis-Bürgertests jetzt nur noch mit Nachweis

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Von: Philipp Daum, Martina Biedenbach

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Corona-Schnelltest: Wer sich gratis auf Corona testen lassen will, muss in den offiziellen Teststellen ab sofort Nachweise für eine Kostenbefreiung vorlegen.
Corona-Schnelltest: Wer sich gratis auf Corona testen lassen will, muss in den offiziellen Teststellen ab sofort Nachweise für eine Kostenbefreiung vorlegen. © Federico Gambarini/dpa

Drei Euro oder mehr: Corona-Bürgertests sind seit dem 30. Juni für viele Menschen nicht mehr kostenlos. Gratis-Tests erhalten nach neuer Verordnung des Bundes zum Beispiel nur noch Personen, die Angehörige in Krankenhäusern und Pflegeheimen besuchen.

Dort sind Corona-Tests weiter vorgeschrieben. Bieten die Einrichtungen selbst keine oder nur eingeschränkt Test-Möglichkeiten an, müssen die Besucher von Angehörigen ihren Corona-Test bei einer offiziellen Teststelle machen.

Die Neuregelung sorgt so letztlich auch für eine zusätzliche Belastung bei den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Der Grund: Die neue Verordnung sieht im Detail vor, dass der Besuch mittels eines Nachweises bei der offiziellen Teststelle „glaubhaft gemacht werden muss“.

Nicola Michailidis, Sprecherin der Asklepios-Kliniken Bad Wildungen, teilte dazu auf Anfrage mit: „Entsprechende Bestätigungen auszufüllen oder auszuhändigen, ist aus naheliegenden Gründen in unseren Kliniken leider nicht zusätzlich leistbar. Auch aus der Testverordnung ergibt sich kein Anspruch auf die Ausstellung von Besuchsbescheinigungen.“ Asklepios stehe aber „im engen Austausch und Kontakt mit dem Gesundheitsamt, um gemeinsam eine gute Lösung und Informationsbasis für die Bürger zu definieren.“

Das Kreiskrankenhaus Frankenberg hat hingegen beschlossen, solche Nachweise für Angehörige von Patienten auszustellen, sagt Pressesprecherin Julia Weiss. Diese Bescheinigung könne am Empfang abgeholt werden. „Leider ist diese neue Regelung wieder mit Mehraufwand und Papierkram für unsere Mitarbeiterinnen am Empfang verbunden. Wir bitten daher um Verständnis für eventuell längere Wartezeiten an der Rezeption.“ Beide Kliniksprecherinnen weisen darauf hin, dass während der gesamten Besuchszeit dauerhaft eine FFP2-Maske getragen werden muss. Die Inzidenz im Kreis sei für Juni 2022 unerwartet hoch. Es gelte, die Patienten und Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen.

Claudia Schneider, Sprecherin des Alten- und Pflegeheims „Haus am Nordwall“ in Korbach, sagte gestern: „Die in der neuen Testverordnung beschriebene Vorgehensweise bedeutet für die Pflegeeinrichtung einen erheblichen administrativen und zeitlichen Mehraufwand. Gleichzeitig verkompliziert sich die Testung für Besucher, was heute vor Ort bereits zu Unverständnis und Ärgernis geführt hat.“

Besuch im Pflegeheim „glaubhaft machen“

Wie genau die neue, bundesweit geltende Corona-Testverordnung umgesetzt wird, haben wir in den wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wie weise ich nach, dass ich Anspruch auf einen kostenlosen Bürgertest habe?

Hierfür muss man sich gegenüber der Teststelle ausweisen und dort einen Nachweis erbringen: Bei Kleinkindern ist das die Geburtsurkunde oder der Kinderreisepass, bei Schwangeren der Mutterpass. Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, muss ein ärztliches Zeugnis im Original über die medizinische Kontraindikation vorlegen. Teilnehmende an Impfwirksamkeitsstudien können sich von den Verantwortlichen der Studien einen Teilnahme-Nachweis ausstellen lassen. Wer sich freitesten will, legt den PCR-Test vor, gleiches gilt für Haushaltsangehörige von Infizierten, die auch einen Nachweis für die übereinstimmende Wohnanschrift benötigen.

Was für Nachweise benötigen Besucher von Angehörigen in Altenheimen und Krankenhäusern?

Bei Besuchen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern kann ein kostenloser Test vor Ort gemacht werden oder der Besuch wird der Teststelle gegenüber glaubhaft gemacht. Hierfür kann ein auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums eingestelltes PDF-Musterformular heruntergeladen und ausgedruckt werden. Nach Bestätigung durch das Pflegeheim oder des Krankenhauses kann das Formular zur Vorlage bei der Teststelle genutzt werden. Pflegende Angehörige müssen glaubhaft machen, dass sie einen pflegebedürftigen Angehörigen pflegen.

Wann müssen drei Euro für einen Corona-Bürgertest bezahlt werden?

Bei Veranstaltungen in Innenräumen, nach Risikokontakten, wenn die Corona-Warn-App eine rote Warnung anzeigt oder um gefährdete Gruppen zu schützen, ist es sinnvoll, sich testen zu lassen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Wer einen solchen Test braucht, wird nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums weiterhin vom Staat unterstützt. Er muss sich künftig aber mit drei Euro beteiligen.

Muss man auch einen Nachweis bringen, um den Drei-Euro-Bürgertest zu bekommen?

Ja. Das geht zum Beispiel mit der Eintrittskarte für eine Veranstaltung, dem Vorzeigen der Corona-Warn-App oder bei Kontakten mit Risikopatienten mit einer Selbstauskunft, die auf einem Formblatt oder im Rahmen eines digitalen Registrierungsvorgangs festgehalten wird. Besteht allerdings kein anlassbezogener Grund für einen Corona-Bürgertest, kann es sein, dass der Bürgertest komplett aus eigener Tasche – also ohne die staatliche Unterstützung – bezahlt werden muss. Bei vielen Teststellen ist das der Fall. Wie hoch der Preis für den Bürgertest dann ist, hängt von der jeweiligen Teststelle ab – nach ersten Recherchen unserer Zeitung am gestrigen Donnerstag liegt er zwischen zehn und 15 Euro.

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