Mountainbike-Projekt kostet 19 Mio. Euro

Grenztrail Waldeck-Frankenberg: Einigkeit im Kreistag, Lücke im Süden

Ein Mountainbiker auf einem Trail im Vogtland. In Waldeck-Frankenberg wird derzeit über die Schaffung eines Moutainbike-Trails diskutiert. Die Meinungen in den Kommunen und Verbänden sind kontrovers.
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Ein Mountainbiker auf einem Trail im Vogtland. In Waldeck-Frankenberg sollen Moutainbike-Trails innerhalb eines großen Grenztrails geschaffen werden.

Das Mountainbike-Großprojekt „Grenztrail Waldeck-Frankenberg“ hat die nächste Hürde genommen: Der Kreistag hat einstimmig dem Beitritt des Landkreises zum Zweckverband Grenztrail zugestimmt.

Waldeck-Frankenberg – Dem Zweckverband für den Grenztrail werden neben dem Landkreis 14 der 22 Städte und Gemeinden aus Waldeck-Frankenberg angehören. Die anderen acht Kommunen – alle aus dem Südkreis – machen (noch) nicht mit. Die Bau- und Planungskosten für das vor allem touristische Projekt werden auf 19,8 Millionen Euro geschätzt.

Die beteiligten Kommunen sind: Bad Arolsen, Bad Wildungen, Battenberg, Diemelsee, Diemelstadt, Edertal, Hatzfeld, Korbach, Lichtenfels, Twistetal, Vöhl, Volkmarsen, Waldeck und Willingen. Die anderen Kommunen haben sich gegen das Projekt entschieden, könnten aber noch einsteigen: Allendorf, Bromskirchen, Burgwald, Frankenberg, Gemünden, Rosenthal, Frankenau und Haina.

Ein Streckennetz über 400 Kilometer

Trail heißt auf Deutsch Pfad. In den teilnehmenden Kommunen sollen in der Natur und hauptsächlich in Wäldern Trailparks angelegt werden, also Strecken, auf den Moutainbiker fahren können. Diese Trailparks werden kreisweit über bestehende Wege miteinander verbunden, so dass eine 400 Kilometer lange Gesamtrunde entsteht; 200 Kilometer davon sind ausgebaute Trails. Der Grenztrail soll eine durchgehende Beschilderung bekommen, ein Navigations- und Informationssystem, Ladestationen und ein Marketingkonzept. „Ein europaweit einzigartiges Projekt“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage zum Kreistag.

Stand der Dinge ist, dass die Satzung für den Zweckverband genehmigungsfähig sei, sagt der Kreisausschuss. Flächen für Trails in den Kommunen wurden benannt, sie seien im Eigentum des Landes, der Kommune oder der Domanialverwaltung (Eigenbetrieb des Kreises). Für Ende dieses Jahres sei der Baubeginn der ersten Strecken geplant. Bei der Wahl der Flächen würden Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und Parkplätze berücksichtigt. Damit würden nicht nur tourismusstarke Orte gestärkt, wie Willingen, wo die Idee zum Grenztrail entstand, auch Gastronomie und Beherbergung in kleineren Orten könnten profitieren, sagt der Landkreis.

Die Kosten für Bau, weitere Planung, Unterhaltung und Vermarktung der Trails soll der Zweckverband tragen. Nach Abzug von Bundesfördermitteln blieben 5,8 Millionen Euro. Die Baukosten und die jährlichen Betriebskosten von rund einer Million Euro sollen durch eine Umlage über 40 Jahre finanziert werden: Der Anteil der Städte und Gemeinden wurde auf je 45.000 Euro im Jahr gedeckelt, der Landkreis zahlt 300.000 Euro. Der Zweckverband übernimmt Verkehrssicherung, Vermarktung, Pflege, Planung von Events und Refinanzierung.

Einigkeit im Kreistag

Im Kreistag herrscht Einigkeit zum Mountainbike-Projekt Grenztrail, unter den 22 Landkreis-Kommunen allerdings nicht: Während sich die Kreistagsmitglieder in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittag in Allendorf-Eder einstimmig für den Beitritt des Kreises zum Zweckverband des 19-Millionen-Euro-Projektes ausgesprochen haben, haben 8 der 22 Städte und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg das Projekt abgelehnt. Sie wollen nicht mitmachen, hatten ihre Parlamente in den vergangenen Monaten entschieden.

Lücke im Südkreis

Die acht Kommunen, die nicht beim Grenztrail mitmachen, liegen alle im Südkreis: Allendorf, Bromskirchen, Burgwald, Frankenberg, Gemünden, Rosenthal, Frankenau und Haina. Nur in Battenberg und Hatzfeld haben sich die Stadtverordneten dafür ausgesprochen, dass ihre Stadt dem Zweckverband des Grenztrails beitreten wird.

„Machen Sie mit“, ermunterte Sina Best (SPD) in der Kreistagssitzung am Donnerstag die übrigen Südkreis-Kommunen. „Aus Sicht der SPD sollte ein Einstieg in den Zweckverband auch später noch möglich sein.“

14 von 22 Kommunen – das seien gerade einmal gut 60 Prozent, sagte Jochen Rube (FDP). „Es ist deshalb nicht angemessen, von einem Erfolg zu sprechen“, sagte Rube, nachdem Timo Hartmann (CDU) zuvor genau dies getan hatte. Rube schlug vor, „koordiniert einen zweiten Anlauf“ bei den noch fehlenden Städten und Gemeinden zu machen, sie zu überzeugen, bei dem kreisweit angelegten Projekt mitzumachen, zu erklären, was der Grenztrail ist und wie er funktioniert. „Dann wäre es wirklich ein Erfolg“, sagte Rube.

(Anklicken für die ganze Grafik) Die Grafik zeigt, welche Kommunen beim Grenztrail mitmachen (grün) und welche nicht (rot).

Angedacht ist, die einzelnen Trailparks – das sind extra angelegte Mountainbike-Strecken – in den Kommunen über ein Wegenetz durch den Landkreis miteinander zu verbinden. Insgesamt 400 Kilometer. Nach derzeitigem Stand würde aber ein Loch zwischen den 12 Teilnehmern im Nordkreis sowie Battenberg und Hatzfeld im Südwesten klaffen (siehe Grafik).

Lob aus dem Kreistag

Die Redner am Donnerstag im Kreistag mussten nicht mehr vom Grenztrail überzeugt werden: „Dieses Leuchtturmprojekt wird Vorteile für unseren Landkreis bringen und positive Signale nicht nur für Touristen, sondern auch die eigenen Bürger“, sagte Timo Hartmann (CDU). „Das wird fantastisch, da wird für jeden was dabei sein“, schwärmte Sina Best (SPD). Das Projekt sei genau das, was sich ihre Generation in der Freizeit wünsche, sagte die 33-Jährige. „Das wird ein neuer Bestseller für unseren Landkreis.“

Der Grenztrail sei geradezu prädestiniert für Hessens flächengrößten Landkreis mit seiner wunderschönen Landschaft, sagte Hakola Dippel (AfD). Aus Volkmarsen könne er berichten, „dass die meisten trotz vieler Fragen und kritischer Stimmen von der positiven Wirkung überzeugt worden sind“.

„Natürlich gibt es Bedenken, aber die Vorteile liegen auf der Hand“, sagte Klaus Gier (Freie Wähler), Kreistagsmitglied und Bürgermeister von Edertal: Der Grenztrail werde den Tourismus voranbringen, Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, die Infrastruktur auch für die Bürger verbessern und einen Imagegewinn für den Kreis und die Kommunen bringen.

Gier erinnerte daran, dass die Idee zu dem Moutainbike-Projekt in Willingen entwickelt wurde. „Es ist löblich, dass man da groß denkt. Und ohne den Landkreis mit seinem Personal und den Fördermöglichkeiten wäre es nicht gegangen.“

Fragen und Bedenken

Jochen Rube (FDP) räumte ein, dass es zum Beispiel bei Waldbesitzern, Landwirten und Jägern noch berechtigte Bedenken gegen den Grenztrail gebe, etwa zu Fragen der Haftung und der gemeinsamen Wegenutzung. „Da muss dringend nachgearbeitet werden.“

Mountainbiken im Wald

Hakola Dippel (AfD), von Beruf Beamter bei Hessen-Forst, warb dafür, den Grenztrail „mit so geringen Eingriffen wie möglich“ umzusetzen: „Es darf auf keinen Fall passieren, dass wir unsere schöne Landschaft zu einem schmückenden Beiwerk einer neuen Sportarena machen.“

Auch Leonie Wilke (Grüne) rief dazu auf, bei der Umsetzung auf Abstände zu schützenswerten Tieren und Pflanzen zu achten. Bei der Planung der Trail-Strecken müssten auch Ehrenamtliche vor Ort einbezogen werden. „Wir haben uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht, aber die Pro-Argumente überwiegen“, sagte Wilke. „Wir stimmen zu, werden aber genau hinschauen.“

So geht es weiter

Die Abstimmung über den Beitritt des Landkreises zum Zweckverband des Grenztrails war am Donnerstag einstimmig. Nur Karin Krüger (Grüne) enthielt sich. Von den 14 beteiligten Kommunen sind Bad Arolsen, Diemelsee, Korbach, Twistetal, Vöhl, Waldeck und Willingen dem Zweckverband bereits beigetreten, in den anderen sieben, die dem Grenztrail schon grundsätzlich zugestimmt haben, wird das Parlament noch darüber entscheiden. Die Satzung des Zweckverbandes ist laut Kreisausschuss bereits mit der zuständigen Aufsichtsbehörde abgestimmt und genehmigungsfähig.

Die ersten Trails sollen Ende 2021 gebaut werden, der gesamte Grenztrail soll 2025 fertig sein. Allein die Baukosten liegen bei 16,6 Millionen Euro. Weitere 3,2 Millionen Euro sind Planungskosten, die zum Teil schon investiert wurden. Die Kosten werden durch die beteiligen Kommunen und den Kreis getragen, es gibt aber auch Fördermittel von Bund und EU. Der laufende Betrieb soll jährlich rund eine Million Euro kosten – finanziert über den Zweckverband, in den Kommunen und Kreis einzahlen.

Und wie werden nun die Verbindungen von den Trails in den Nordkreis-Kommunen nach Battenberg und Hatzfeld geschaffen? „Wenn die Trailparks in den Kommunen nach und nach gebaut werden, müssen die Mountainbiker zunächst durch die Kommunen fahren, die aktuell nicht an dem Projekt teilnehmen“, steht dazu im Handout des Landkreises. „Hinterher ist es geplant, dass die NRW-Kommunen die Verbindung zwischen dem Nord- und Südkreis bilden.“ Nach Informationen unserer Zeitung, sollen Winterberg und Hallenberg Interesse haben, sich am Grenztrail zu beteiligen.

Kaum Interesse im Südkreis

Aber warum beteiligt sich der Südkreis – abgesehen von Battenberg und Hatzfeld – nicht am Grenztrail? In einem Handout über das Projekt heißt es dazu: „Im Jahr 2019, als wir die öffentlich-rechtliche Vereinbarung für die Machbarkeitsstudie geschlossen haben, hat sich der südliche Landkreis dazu entschlossen, sich bei diesem Projekt nicht zu beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir auch noch nicht so viel präsentieren wie heute. Allerdings können diese Kommunen immer noch, gegen einen gewissen Beitrag für die bereits erbrachten Leistungen, dem Zweckverband beitreten.“

Frankenberg: „Erhebliche Kosten“

In Frankenberg wurde zum Beispiel mehrfach in den politischen Ausschüssen über die Teilnahme der Stadt am Grenztrail beraten, ehe sich die Stadtverordnetenversammlung im März 2019 dagegen entschied. Gründe waren „die erheblichen und langfristigen Kosten und die dafür nötigen Eingriffe in die Natur“, teilte Stadt-Pressesprecher Florian Held gestern auf unsere Nachfrage mit.

„Als Stadt haben wir uns dann auf den Weg gemacht, die Nahmobilität zu stärken, das Radfahren im Alltag und auf den touristischen Wegen zu fördern und die Fahrrad-anbindung an die Stadtteile zu realisieren“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. „Mit der Region Burgwald-Ederbergland wollen wir für Einheimische und Gäste außerdem das Wandermärchen mit seinen Premiumwegen nach vorne bringen.“

Allendorf: „Zahlreiche Konflikte“

Auch Allendorf-Eder gehört zu den Südkreis-Kommunen, die nicht beim Grenztrail mitmachen: „Nach Kenntnisnahme der Präsentation zum Grenztrail und der Teilnahme an der Info-Veranstaltung im Kreishaus, hat sich der Gemeindevorstand Ende 2019 einstimmig gegen einen Beitritt zum Zweckverband entschieden“, sagte Allendorfs Bürgermeister Claus Junghenn gestern.

„Touristische Aspekte, die natürlich in den Edersee-, Twiste- und Diemelseeregionen sowie Willingen eine prioritäre Rolle spielen, sind in Allendorf eher zweitrangig. Es gibt kein einziges Hotel in unserer Gemeinde“, erklärte Junghenn. „Und der Neubau eines Mountainbike-Trails in der Waldgemarkung birgt zahlreiche Konflikte, insbesondere mit traditionellen Nutzern. Auch der Eingriff in die Natur, wenn auch moderat prognostiziert, wird stattfinden.

„Im Ergebnis der Abwägung von Nutzen und Konsequenzen haben wir uns gegen den Grenztrail entschieden.“ Trotzdem habe sich Allendorf immer an der Optimierung und Instandhaltung des Radwegnetzes beteiligt, sagte Junghenn und nannte den Bau des Linspherradweges und die Eder-Radweg-Kooperation.

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