Schäden für Wald und Tiere befürchtet

Grenztrail Waldeck-Frankenberg: NABU und Jäger kritisieren Mountainbike-Projekt

Der Grenztrail Waldeck-Frankenberg hat das Ziel, dass künftig tausende Mountainbiker – wie auf diesem Symbolbild – durch die Wälder in Waldeck-Frankenberg fahren. Naturschützer und Jäger haben Bedenken.
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Der Grenztrail Waldeck-Frankenberg hat das Ziel, dass künftig tausende Mountainbiker – wie auf diesem Symbolbild – durch die Wälder in Waldeck-Frankenberg fahren. Naturschützer und Jäger haben Bedenken.

Der Naturschutzbund NABU und die Kreisjagdvereine haben sich kritisch zum geplanten Mountainbike-Projekt Grenztrail in Waldeck-Frankenberg geäußert. Sie warnen vor Naturzerstörung und Beunruhigung im Wald.

Waldeck-Frankenberg – Wie berichtet, plant der Landkreis den Grenztrail zusammen mit 14 Städten und Gemeinden: In den beteiligten Kommunen – vor allem im Nordkreis – sollen überwiegend in Waldgebieten Trailparks mit Strecken von insgesamt 200 Kilometern Länge angelegt werden, die durch weitere 200 Kilometer bestehende Wege verbunden werden.

Dass es im Landkreis nicht nur Zustimmung für das ehrgeizige Projekt gibt, ist bekannt. Acht der 22 Städte und Gemeinden aus Waldeck-Frankenberg wollen sich bislang nicht an dem 20-Millionen-Euro-Projekt beteiligen. Im Südkreis machen mit Battenberg und Hatzfeld nur zwei Städte mit.

Als die Planer den Grenztrail in den vergangenen Wochen und Monaten in den beteiligten Stadt- und Gemeindeparlamenten vorgestellt hatten, klang das alles sehr positiv. Man sei in Gesprächen mit anderen Interessensgruppen wie Landwirten, Förstern, Jägern und Naturschützern, hieß es. Aus dieser Richtung kommt nun aber Kritik an dem Projekt.

In einer Pressemitteilung von Donnerstag, 19. August 2021, sorgen sich der Naturschutzbund NABU und die Jägervereinigungen Waldeck und Frankenberg um den Wald und die Tiere, wenn künftig zigtausend Mountainbiker durch die heimischen Wälder fahren – zum Teil abseits derzeit bestehender Wege. „Da unsere wiederkäuenden Wildarten wie Rotwild und Rehwild einen festen Nahrungsaufnahme-Rhythmus haben, der bei vier bis acht Stunden liegt, sind die gestörten Flächen nicht mehr verfügbar“, sagt zum Beispiel Heinrich Engelhard, Vorsitzender der Jägervereinigung Frankenberg.

NABU: „Lebensräume in Gefahr“

„Bei Inanspruchnahme von größeren Waldgebieten sehen wir die Lebensräume von Wildkatze, Schwarzstorch und Greifvögeln in Gefahr“, sagen NABU und die Jägervereinigungen in ihrer Pressemitteilung. „Durch die permanente Nutzung der Wege – die Initiatoren rechnen mit 80.000 Radlern jährlich – würde auch das Wild dauerhaft beunruhigt, was die Jagd erschwere und zu mehr Verbissschäden an den jungen Bäumen führe.“

Zwar sollen keine Trassen quer durch den Nationalpark führen, aber durch die Nutzung des Radweges an der Edersee-Südseite würden auch Wanderer auf der Bloßenberg-Route beeinträchtigt. Die Verbände fordern, alle Naturschutzgebiete und Naturdenkmale, besonders die FFH-Schutzgebiete und EU-Vogelschutzgebiete, bei der Trassenplanung auszusparen. „In diesen Flächen gilt nach EU-Recht ein absolutes Verschlechterungsverbot, jeder Eingriff hat zu unterbleiben“, sagt die Vorsitzende der Waldeckischen Jägerschaft, Sandra Bergmann.

Jäger: „Natur stellt nur die Kulisse dar“

„Wir Jäger haben bisher bei der Ausweisung von Rad- und Wanderwegen immer konstruktiv mitgearbeitet, um die Interessen des Wildes und die Bedürfnisse der Erholung suchenden Bevölkerung vereinbaren zu können“, sagen Bergmann und ihr Frankenberger Kollege Heinrich Engelhard. „Wir haben jedoch kein Verständnis für ein Großprojekt wie den Grenztrail, bei dem die Natur nur noch die Kulisse darstellen soll und ohne Rücksicht auf die Folgen vermarktet wird.“

NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider bezeichnet die Trails durch Wälder und Felder als gravierenden Landschaftseingriff. Der NABU habe bei ersten Informationsveranstaltungen zum Grenztrail große Bedenken angemeldet. „Wir fordern eine Halbierung der geplanten Strecken-Neuanlage und eine stärkere Einbeziehung vorhandener Waldwege“, so Schneider. Nicht jede Kommune benötige eine eigene Trailstrecke. Er schlägt gemeinsame Trails durch die Gemarkungen von zwei oder drei Kommunen vor.

Die Naturschützer fordern außerdem eine möglichst frühzeitige Einbindung der Naturkenner vor Ort, um Konflikte mit Horst-Standorten von Vögeln oder Vorkommen botanischer Besonderheiten zu vermeiden.

Das sagt der Landkreis zu den Bedenken

Wir haben den Landkreis, der den Grenztrail federführend plant, gefragt, was er zu diesen Bedenken sagt. Hier die Antworten der Pressestelle:

Mit welchen Interessensgruppen haben die Planer des Grenztrails bereits gesprochen. Welche Ergebnisse, Anregungen und Kritik gab es dabei?

Landkreis: „Die Einbindung der Interessengruppen beim Projekt Grenztrail ist allen beteiligten Städten und Gemeinden, dem Landkreis wie auch dem Projektbüro sehr wichtig. Aus diesem Grund werden die Förster, Waldbesitzer, Jäger und weitere Interessengruppen stetig am Projekt beteiligt und eingebunden, dies geschieht in erster Linie auf der kommunalen Ebene.

Im vergangenen Monat gab es eine Veranstaltung, bei der Vertreter des NABU, der Waldbesitzer, der Landwirte und auch der Jäger eingeladen waren, über den Grenztrail informiert und Fragen beantwortet wurden. Weitere Veranstaltungen rund um dieses Thema befinden sich aktuell in der Planung. Bevor das Projektbüro die Streckenverläufe plant, werden die zuständigen Förster und die kommunalen Vertreter eingebunden. So können sie auf Bedenken frühzeitig reagieren und kritische Bereiche bei der Planung berücksichtigen.“

Der NABU fordert eine Halbierung der geplanten Strecken-Neuanlage und eine stärkere Einbeziehung vorhandener Waldwege. Ist das aus Sicht der Planer realistisch und sinnvoll für das Projekt?

Landkreis: „Der aktuelle Fahrradmarkt verzeichnet ein enormes Wachstum. Gerade E-Mountainbikes werden dabei sehr stark nachgefragt. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass mehr Mountainbiker als früher den Wald nutzen und somit der Nutzungsdruck auf die Natur steigt. Viele von ihnen fahren zudem abseits der Wege und mit dem E-Motor, kleinere Hindernisse und Steigungen stellen dabei kaum noch ein Problem dar. Auf Wild, Jagd und den Wald wird in der Regel kaum Rücksicht genommen.

Das Projekt Grenztrail bietet die Möglichkeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Mountainbiker auf Trails zu kanalisieren, die naturschutzrechtlich genehmigt und naturverträglich angelegt wurden. Um die gewünschte Akzeptanz der Strecken bei den Nutzern zu erreichen, müssen die Trails attraktiv sein und pro Kommune eine gewisse Länge (ca. 10 bis 20 Kilometer) vorweisen. Dies wäre mit insgesamt 200 Kilometern neu gebauten Trails und 200 Kilometern vorhandenen Wegen im gesamten Landkreis erreicht.“

Wie ist der aktuelle Stand der Planung des Grenztrails? Wie geht es weiter?

Landkreis: „Begonnen hat das Projektbüro mit der Stadt Korbach als Pilotkommune. Die Planung für die Trails am Eisenberg liegt der unteren Naturschutzbehörde aktuell zur Genehmigung vor. Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres soll dort mit dem Bau begonnen werden. In den anderen Kommunen besichtigt das Projektbüro gemeinsam mit den zuständigen Förstern und den Projektbeteiligten aus den Kommunen die Potenzialräume, in denen hinterher die Streckenverläufe festgelegt werden sollen.

Bevor die Trails festgelegt werden, werden die Kommune und die betroffenen Interessengruppen einbezogen. Im Jahr 2021 werden weitere Streckenverläufe zur naturschutzrechtlichen Genehmigung eingereicht. Bis 2025 sollen in allen Kommunen die Trails fertig sein.“

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