Patienten brauchen Geduld

Grippe in Waldeck-Frankenberg: Apotheken und Ärzte warten auf Impfstoff

Die Nachfrage nach Grippeschutzimpfungen ist im Jahr der Corona-Pandemie besonders groß. Bei der Versorgung kommt es vielerorts zu Engpässen.
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Die Nachfrage nach Grippeschutzimpfungen ist im Jahr der Corona-Pandemie besonders groß. Bei der Versorgung kommt es vielerorts zu Engpässen.

Wer eine Grippeschutzimpfung möchte, muss jetzt mit langen Wartezeiten rechnen. Der Impfstoff ist auch in Waldeck-Frankenberg Mangelware.

Waldeck-Frankenberg – „Wir führen eine Warteliste für Impfungen und mussten leider auch schon einige Menschen wieder wegschicken, weil wir keinen Impfstoff mehr haben“, sagt Stefanie Gimpel, die die Stern-Apotheke in Bad Wildungen leitet.

Ähnliches berichtet Heinz-Dieter Helfer von der Bären-Apotheke in Korbach: „Unsere Vorräte sind aufgebraucht und wir warten auf Nachschub.“ Dieser sei bereits seit mehr als zwei Wochen beim Großhändler geordert, „aber ich weiß nicht, ob wir überhaupt noch etwas bekommen“, sagt der Apotheker. Zu undurchsichtig sei der Verteilungsschlüssel.

Auch im Oberen Edertal gibt es einen Engpass beim Impfstoff, bestätigt Inhaberin Karin Burk für die Battenberger Bären-Apotheke. „Wir machen immer im Frühjahr eine Anfrage bei den Arztpraxen, dementsprechend bestellen wir die Impfdosen“, berichtet die Apothekerin. Ende August seien die rund 400 bestellten Impfdosen in der Bären-Apotheke eingetroffen, Anfang Oktober sei „nichts mehr lieferbar“ gewesen. Burk: „Wir haben hier noch eine Liste von etwa 20 Personen, die dringend geimpft werden möchten.“

Burk vermutet, dass sich Arztpraxen bei ihren Bestellungen am Bedarf der Vorjahre orientiert haben. Dass es in diesem Jahr eine erhöhte Nachfrage nach Grippeschutzimpfungen geben könnte, daran hat – so vermutet Karin Burk – „damals noch keiner gedacht“. Die Battenberger Apothekerin ist aber optimistisch, „dass noch was nachgeliefert wird“.

Wegen Corona viele Erst-Impflinge

„Durch die Corona-Pandemie gibt es viele Erst-Impflinge – besonders natürlich aus den Risikogruppen“, weiß Stefanie Gimpel. Aber auch jüngere Menschen möchten sich vermehrt impfen lassen. „Da wird teilweise bereits selektiert. Wer zur Risikogruppe gehört, hat die Impfung nötiger als kerngesunde Jugendliche“, sagt Heinz-Dieter Helfer. Einen Grund für die erhöhte Nachfrage sehen die Fachleute in der Annahme, dass die Grippeimpfung auch die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus verringern könnte.

Karin Burk, Apothekerin in Battenberg

Um dem Engpass entgegenzuwirken, hat das Bundesministerium für Gesundheit bereits Nachschub aus Frankreich importiert. Doch wann und ob davon noch etwas bei den heimischen Apotheken ankommt, ist ungewiss. „Die Wartelisten beim Großhändler bewegen sich mittlerweile im vierstelligen Bereich“, sagt Stefanie Gimpel.

„Selbst wenn die Nachbestellungen erst im Dezember oder Januar da sind, macht die Impfung noch Sinn“, erklärt Ute Liebach, Leiterin der Hof-Apotheke Bad Arolsen. Der Impfstoff ist etwa sechs Monate im Körper wirksam. Mit Blick darauf ist in diesem Jahr schon sehr früh geimpft worden. Bereits im September war vielerorts die Ware für das Winterhalbjahr verimpft – und das in einem sehr kurzen Zeitraum.

Dass man dem Engpass nicht entgegenwirken konnte, liegt vor allem am Ablauf der Bereitstellung der sogenannten Influenzavakzinen. Der Grippeimpfstoff enthält jedes Jahr eine andere Zusammensetzung, die sich nach den Erregerstämmen der Vorsaison richtet. In diesem Jahr ist es ein Vierfachimpfstoff, der somit vier verschiedene Stämme bekämpft. Die Bestellung der Impfstoffe erfolgt stets bis zum Ende des Vorjahres, diesmal war die Bestellperiode sogar noch bis ins Frühjahr verlängert. Dennoch waren zu dem Zeitpunkt die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie nicht abzusehen. (Von Jonas Bremmer und Thomas Hoffmeister)

Warum Grippe-Impfung jetzt wichtig ist

Wegen der Corona-Pandemie ist es in dieser Saison aus Sicht von Experten besonders wichtig, sich gegen Grippe impfen zu lassen und damit die Zahl der Erkrankungen niedrig zu halten. Gäbe es gleichzeitig zahlreiche Erkrankte durch Corona und Grippe, könnte das die Krankenhäuser überlasten.

Angesichts der großen Nachfrage nach Grippe-Impfstoff ruft die Kassenärztliche Bundesvereinigung dazu auf, älteren Menschen über 60 und solchen mit chronischen Erkrankungen den Vortritt zu lassen. Wenn dann noch Impfstoff übrig sei, könnten nachrangig andere geimpft werden, etwa Beschäftigte im Gesundheitswesen oder Erzieher, sagt der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister. „Gesunde Menschen sind nicht diejenigen, die sich jetzt primär gegen Influenza impfen lassen sollten. Das ist wie in jedem Jahr.“

Das Gesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Impfdosen bestellt – so viele wie nie. (dpa)

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