Gespräch mit Ärzten aus Frankenberg und Korbach

Viele Fragen zur Corona-Impfung in Waldeck-Frankenberg

Der Impfstart in Deutschland verlief bisher eher holprig: In den vergangenen Tagen war die Hotline 116 117 überlastet, über die in vielen Bundesländern die Impftermine vereinbart werden.
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Der Impfstart in Deutschland verlief bisher eher holprig: In den vergangenen Tagen war die Hotline 116 117 überlastet, über die in vielen Bundesländern die Impftermine vereinbart werden.

Erst seit einer Woche wird in Deutschland gegen Corona geimpft. Die Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienstes kämpft wohl schon jetzt mit Problemen. Und auch anderen Stellen holpert der Impfstart.

Waldeck-Frankenberg - Wer wird wann geimpft? Muss man sich anmelden? Wird man zur Impfung eingeladen? Viele haben Fragen, doch Antworten sind schwer zu bekommen: Die Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist überlastet.

Auch deshalb sehen sich Hausärzte vermehrt mit einem großen Informationsbedürfnis ihrer Patienten konfrontiert: „Das ist im Moment ein ganz großes Thema, besonders bei den älteren Patienten“, bestätigt Dr. Peter Koswig, Allgemeinmediziner in Korbach. „Sie tappen im Dunklen und haben viele Fragen: Muss ich anrufen, um einen Termin zu bekommen? Werde ich angeschrieben? Da besteht ein großes Informationsdefizit.“

Dr. Peter Koswig, Hausarzt in Korbach

Nicht das einzige Hindernis, das Koswig sieht. Vor allen Dingen stehe reichlich Bürokratie vor dem ersten Pieks, sagt er: „Das ist ein großes Problem. Ich hätte mir gewünscht, dass die Impfungen dezentral in die Hände der Hausärzte übergeben werden.“ Terminmanagement und Impfungen seien in den Praxen schließlich tägliches Geschäft, so der Hausarzt. Er hofft darauf, dass die Impfungen, wenn ausreichend Dosen zur Verfügung stehen, im Laufe des Jahres doch noch in die Praxen vor Ort verlagert werden.

Koswig teilt auch die Kritik an der Einkaufspolitik der Bundesregierung: Ausreichend Impfdosen hätten frühzeitig zur Verfügung stehen müssen, um das Gesundheitssystem schnell zu entlasten, erklärt der Hausarzt. „Die Regierung hat das den Sommer über verbaselt.“

Auch die Entscheidung, die Impfstoffproduktion in Marburg hochzufahren, sei zu spät getroffen worden. Denn: „Ohne Impfung kommen wir aus dem ganzen Schlamassel nicht raus.“

Warten auf Corona-Test

Die überlastete Hotline der kassenärztlichen Vereinigung hatte auch Folgen für eine Familie im Südkreis, in der mehrere Personen Corona-Symptome meldeten. Nach eigener Aussage erhielten sie am 30. Dezember vom Gesundheitsamt die Auskunft, dass vor dem Jahreswechsel keine Termine für Tests in Waldeck-Frankenberg mehr frei seien. Der Versuch, über die Hotline weiterzukommen, scheiterte.

Durch Kontakte gelangte die Familie in einem Fall an einen PCR-Test in Kassel, der ein positives Ergebnis brachte. Bei zwei weiteren Familienmitgliedern schlugen Schnelltests positiv an, doch auch der diensthabende Bereitschaftsarzt sah sich außerstande, einen PCR-Test durchzuführen, sodass die Familie erst am Montag über ihre Hausärzte einen Termin im Korbacher Testzentrum wahrnehmen konnte. su

Frankenberger Hausarzt hofft, dass „Kompetenz im Bereich der Hygiene“ erhalten bleibt

Wie sieht ein Frankenberger Hausarzt die bevorstehende Impfaktion gegen das Corona-Virus? Dazu haben wir den Internisten Stephan Eisfeld gefragt. Er schreibt für die Hausarztpraxis Eisfeld/Sarac:

„Die Impfung der Bevölkerung gegen SARS COV2 ist eine Herkulesaufgabe. Die Priorisierung ist angesichts der Impfstoffknappheit erforderlich. Unsere Hochachtung vor allen, die sich dieser Aufgabe verantwortlich stellen!

Die Anonymität von Behandlern und Patienten bei der ersten Impfung besorgt uns. Es erfüllt uns mit Sorge, auf welche Weise die Impfteams in den Stand versetzt werden können, den Willen der Schutzbefohlenen zu erfahren und zu berücksichtigen. Einige Institutionen haben im Vorfeld bei uns Informationen eingeholt, die zur Sicherheit bei der Durchführung der Impfungen beitragen. Wir haben diese Anfragen umgehend beantwortet. Wichtig ist, den Impfteams die Arbeit zu erleichtern.

Stephan Eisfeld, Hausarzt in Frankenberg

Die von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten organisierten Strukturen stehen für die Umsetzung der Impfstrategie zur Verfügung. So bald wie möglich sollten die Impfungen in den Arztpraxen erfolgen. Die Regularien sollten praktisch sein – ohne die üblichen Schikanen.

Unsere Gedanken sind bei den Schutzbedürftigen, den Erkrankten, den Kliniken und Einrichtungen, dem Deutschen Roten Kreuz: ihrer Angst, ihrer Überlastung und ihrer Einsamkeit in der Isolation. Wir gedenken der Opfer und ihren Familien.

Wir hoffen, dass unsere schwere, gefährliche Arbeit durch die Impfungen leichter wird. Täglich tragen wir ein hohes Risiko und Verantwortung für andere. Ich persönlich verspreche mir von dem gezielten Einsatz digitaler Hilfsmittel eine erhebliche Verbesserung.

Ich hoffe, dass nach der Krise nicht wieder alles, was wir gelernt haben, auf Null gesetzt wird. Ich hoffe, dass die neue Kompetenz im Bereich der Hygiene erhalten bleibt. Ich hoffe, dass der Fortschritt im Gesundheitswesen zum Vorteil von Patientinnen und Patienten und sowie den im Gesundheitswesen Tätigen endlich Fahrt aufnimmt.“

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