Mit Haaren und Windeln gegen Wildschweine im Maisfeld

Gegen Wildschäden: Jagdaufseher Peter Engel tränkt ein Stück Stoff vor einem Maisfeld in Willersdorf mit einem „Verstänkerungsmittel“. Rund um das Feld verläuft ein Elektrozaun. Fotos: Hoffmeister

Waldeck/Frankenberg. Bis zu drei Meter hoch wachsen die Pflanzen auf den Feldern: Der Mais steht in der Region kurz vor der Ernte - ein gefundenes Fressen für Wildschweine.

Die HNA hat beim Kreisbauernverband nachgefragt, wie sich die Landwirte in Waldeck-Frankenberg gegen Schäden schützen, die ganze Rotten von Wildschweinen in den Maisbeständen anrichten können.

„Kein Landwirt hätte etwas dagegen, wenn sich ein Wildschwein mal ab und zu einen Maiskolben holt“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. Die Realität sei jedoch eine andere: „Wildschweine fressen einen Teil der Ernte und machen wahnsinnige Löcher.“

Für den Geschäftsführer des Frankenberger Kreisbauernverbandes - auch begeisterter Jäger - ist die Sache klar: „Die leckerste Art der Wildschwein-Verhütung ist das Gewehr. Wenn man ein Stück aus einer Rotte herausschießt, dann merken sich das die anderen eine ganze Zeit“, versichert Eckel.

Mit 5500 Hektar sei die Fläche, auf der im Landkreis Mais angebaut wird, in den vergangenen Jahren in etwa gleich geblieben; allerdings hätten sich Verschiebungen ergeben. „Auch in Hatzfeld und Reddighausen wurde früher Mais angebaut. Heute nicht mehr“, erklärt Matthias Eckel. Die einzelnen Maisfelder seien größer geworden - im Schnitt sei ein Maisfeld heute zwischen zwei und fünf Hektar groß. Grund: Große Felder sind besser zu bearbeiten.

Nicht eingetreten sei der Maisanbau im großen Stil, den viele nach dem Bau von Biogasanlagen erwartet hätten. „Etwa in gleichem Maße, wie der Energiemais zugenommen hat, ist die Bullenmast in Waldeck-Frankenberg zurückgegangen“, sagt Eckel. Etwa 80 Prozent der Maisernte werde verfüttert, nur 20 Prozent als Energielieferant in Biogasanlagen vergoren.

5500 Hektar Mais stellt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes eine „Jahresstrecke“ von 4000 bis 6000 Wildschweinen gegenüber. „Der Bestand an Wildschweinen ist viel zu hoch, eine Reduktion unerlässlich“, betont Eckel.

Noch in den 1950er-Jahren hätten die Kinder in Geismar „schulfrei bekommen, wenn der Förster ein Wildschwein geschossen hatte“. Eckel: „Heute schießen wir in Waldeck-Frankenberg mehr Wildschweine als in den 1970er-Jahren in ganz Hessen.“

Sammeln die Haare von Kunden für Landwirte, die diese Haare auf ihren Maisfeldern zur Abschreckung gegen Wildschweine verwenden: Julia Vial (links) und Nina Happel vom Frankenberger Haarstudio „Iller Look“.

Mit Blink-Lampen und Radios sei Wildschweinen nicht beizukommen. „Das wurde alles schon probiert“, winkt Matthias Eckel ab. Als probates Mittel sieht er das Einzäunen eines Maisfeldes mit Elektrozaun. „Da muss aber ordentlich Saft drauf sein.“

Wildschweine seien Nasentiere. Vor menschlichem Geruch scheuten sie zurück. Deshalb würden teilweise auch menschliche Haare und benutzte Babywindeln in Maisfeldern ausgelegt. Auch chemische „Verstänkerungsmittel“ kommen gegen die Wildschweine zum Einsatz.

„Das stinkt wie die Sau“, kommentierte Matthias Eckel, wirke aber nur eine bestimmte Zeit. Spätestens nach zwei Wochen hätten sich die Wildschweine an den Geruch der menschlichen Haare, Windeln oder Chemikalie gewöhnt.

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