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BUND: Entwicklung der Hainaer Wohrateiche ein Schwerpunkt

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Von: Marise Moniac

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Der neu gewählte Vorstand des BUND-Ortsverbandes: (von links) Gertraude Wenz, Karl-Heinz Wenz und Petra Staude-Hansmann.
Der neu gewählte Vorstand des BUND-Ortsverbandes: (von links) Gertraude Wenz, Karl-Heinz Wenz und Petra Staude-Hansmann. © Marise Moniac

Die Entwicklung der Wohrateiche bei Haina soll ein Schwerpunkt in der Arbeit des BUND-Ortsverbands Haina sein, hieß es in der Jahreshauptversammlung.

Haina/Kloster – Die Entwicklung rund um die Hainaer Wohrateiche soll Schwerpunkt der Arbeit im Hainaer Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sein. Zudem wollen sich die Mitglieder dafür einsetzen, den Ohrberg zum Naturdenkmal zu ernennen.

Diese Ziele formulierte der Vorstand in seiner Ortsmitgliederversammlung. Es standen bei dieser Zusammenkunft auch Vorstandswahlen und der Rückblick auf die Aktivitäten der vergangenen Monate auf der Tagesordnung.

Die Wahlen bestätigten den bisherigen Vorstand. Vorsitzender bleibt Dr. Karl-Heinz Wenz, seine Stellvertreterinnen sind Gertraude Wenz und Petra Staude-Hansmann.

Der Ortsverband, der in regelmäßigem Austausch mit dem Nabu (Naturschutzbund) Kreisverband steht, wurde zu den Beratungen bezüglich der Birkenallee am Hainaer Friedhof und zum Forensik-Neubau hinzugezogen, teilte Staude-Hansmann in ihrem Tätigkeitsbericht mit. Die Entwicklung der Apfelbaumwege werde weiter beobachtet.

Empfohlen wurde, den Kontakt zu den Ortsbeiräten aufzunehmen. Auf diese Weise könne es zum Beispiel beim Thema Amphibienwanderung im Frühjahr zu einer Kooperation kommen. Positive Erfahrungen habe man bereits bei einem Vortrag über Amphibien in der Kita gemacht.

Wegen der hohen Nitratbelastung soll die Quelle Kirschgarten regelmäßig observiert werden. Angeregt wurde ein regelmäßiges Treffen der 21 Ortsvereins--Mitglieder der Großgemeinde, um Projekte miteinander abzustimmen.

Strengen Schutz des Trinkwassers forderte Henner Gonnermann, Forstdirektor i.R. aus Marburg und BUND-Experte im Bereich Wasser, Wald und Naturschutz, in einen Vortrag zum Thema „Die Zukunft unseres Wassers“, den er auf Einladung der BUND-Ortsgruppe Haina hielt.

Vortrag. „Grundwasser-Neubildung seit 1971 um 30 Prozent gesunken“

„Wasser ist Leben, jeder Tropfen zählt“, sagte er. Diese Kernthese sei zwar schon seit 40 Jahren bekannt, doch die Erfolge seien mager. Auch die Verbindung zum Klimawandel sei bis 2018 nicht richtig vorstellbar gewesen.

Anhand von Grafiken erläuterte der Experte die Entwicklung der Temperatur in den letzten 200 Jahren. Schon seit 1820 habe man gefordert, dass eine Erhöhung um 1,5 Grad Celsius das Maximum sein dürfe, doch dieses Ziel sei nicht erreicht worden. Im Frankfurter Raum etwa sei die Temperatur im Zeitraum von 1820 bis 2000 von neun auf über elf Grad gestiegen.

„Das ist eine bittere Perspektive“, sagte der Experte. Er zeigte Bilder des fast völlig ausgetrockneten Flusses Nidda im Vogelsberg. „Da ist kein Fisch mehr, gar nichts.“

„Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der Gegenwart“, sagte Gonnermann. Ein weiterer Temperaturanstieg um zwei Grad sei vermutlich nicht mehr zu ändern, das sei eine äußerst deprimierende Prognose. „Das Geschehen zieht einem den Grund unter den Füßen weg. Man meint, dass das überall zur Kenntnis genommen wird, aber das ist nicht der Fall.“

Gonnermann verwies auf Gutachten verschiedener Landesanstalten, nach denen die Grundwasserneubildung seit 1971 um 30 Prozent gesunken sei. Die Folgen für die Wälder: eine bundesweite krasse Verschlechterung. Bilder von abgestorbenen Fichten im Hochharz und vom Buchensterben im Nationalpark Hainich veranschaulichten seine Worte.

„Ein bisschen weiterdenken wäre manchmal nicht schlecht“, sagte er zum Beispiel im Hinblick auf die Folgen für das Baugewerbe. Dachstühle aus Fichtenholz, wie es heute üblich sei, gebe es dann nicht mehr, auch wenn es mit der Eiche, der Winterlinde und dem Spitzahorn eine „Palette von Baumarten“ gebe, die weniger gefährdet seien.

Beim Thema „Wasserkraftnutzung“ verwies Gonnermann auf reduzierte Mengen, die es früher so nicht gab. „Es wird weniger, und zwar strukturell.“ Die Reproduktionsaufgabe von Flüssen für Pflanzen und Fische könne bis auf einige positive Beispiele nicht mehr erfüllt werden. „Wir hantieren mit einem zum Teil völlig veralteten Instrumentarium“, kritisierte der Experte die gesetzlichen Bestimmungen der Hessischen Wasserpolitik. Es fehle eine homogene Strategie.

Trinkwasser sei das wichtigste Lebensmittel überhaupt, doch es werde häufig für andere Zwecke missbraucht. Es seien zwar genügend Vorschläge vorhanden, doch die würden missachtet, und viele Vorschriften seien nicht mehr zeitgemäß. Gonnermann forderte, dass die Landesregierung stringent anordnet, was gemacht werden müsse. „Zufallsentscheidungen bringen keinen Fortschritt.“ (Marise Moniac)

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