Forensik Haina: 2016 ging nur ein Patient stiften

Blick von oben: Hier sind in der Hainaer Vitos-Klinik für forensische Psychiatrie psychisch kranke Rechtsbrecher untergebracht. Foto: Biedenbach

Haina/Kloster. 2016 gab es nur eine Entweichung aus der Hainaer Forensik. Die Zahl der Untergebrachten steigt wieder. Ein Grund sind Flüchtlinge.

Februar 2016 steigt die Zahl der psychisch kranken Rechtsbrecher wieder, die im Hessischen Maßregelvollzug untergebracht sind. „Zunehmend kommen auch Menschen, die erst seit 2015 in Deutschland sind, zur Aufnahme“, nennt Dr. Rüdiger Müller-Isberner einen Grund, warum in der Vitos- Klinik für forensische Psychiatrie Haina die Zahl der Untergebrachten von Februar 2016 bis jetzt von 330 auf 357 anstieg. Gemeint sind damit auch Flüchtlinge.

„Problematisch ist hier die Sprachbarriere, die - zusätzlich zur psychischen Erkrankung - die Risikoeinschätzung und Behandlung erschwert“, schilderte der Klinikleiter im Forensikbeirat.

Der Anstieg der Patienten führe bereits zu Engpässen im Bereich der gesicherten Einzelzimmerunterbringung.

30 Jahre lang war die Zahl der Untergebrachten in Hessen stetig gestiegen: Im Oktober 2013 hatte sie mit 513 in den drei hessischen forensischen Kliniken in Haina, Eltville und Riedstadt ihren Höchststand. Dann ging die Zahl bis Juli 2015 drastisch zurück. Jetzt liegt sie laut Müller-Isberner wieder bei knapp 500.

Die Klinik hat 2016 zudem weniger Patienten entlassen. „Wir hatten, auch aufgrund der geänderten Spruchpraxis der Gerichte, ab 2012 flott entlassen. Nach sieben Entweichungen im Jahr 2015, die meisten während des Entlassungsurlaubes, haben wir die Erprobungsphase wieder verlängert. Dies schlägt sich natürlich bei der Zahl der Entlassungen nieder.“

Seit 2012 werden, wie berichtet, von den Gerichten aus Verhältnismäßigkeitsgründen vermehrt langjährige Patienten entlassen, auch wenn die Klinik ihnen keine günstige Kriminalprognose stellt. 2012 und 2013 waren dies je drei Patienten, 2014 und 2015 je acht und 2016 sieben.

„Trotz anfänglicher Bedenken geht es erstaunlich gut. Es passiert kaum etwas“, sagte Müller-Isberner. Nur ein Patient, ein Sexualstraftäter, der 2012 entlassen und im Schwalm-Eder-Kreis für Aufsehen gesorgt hatte, weil er neben einem Kinderspielplatz wohnte, ist wieder zurück in der Forensik. Er hatte Anfang 2016 in einem Mehrfamilienhaus in Neukirchen Feuer gelegt und somit das Leben von 25 Bewohnern in Gefahr gebracht. Ihnen war glücklicherweise nichts passiert.

Im Vergleich zum Strafvollzug mit Rückfallquoten von 40 bis 80 Prozent sei der Anteil straffällig werdender entlassener Forensikpatienten verschwindend gering.

In den ersten drei Quartalen 2016 hatte die Klinik 14 Aufnahmen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Entweichungen gab es 2016 nur eine: Ein Patient verschwand im Entlassungsurlaub aus der Wohngruppe in Guxhagen. Er ist wieder in der Klinik. Über eventuelle Delikte ist nichts bekannt.

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