Ziel: Werbeeffekt durch Malerdynastie

Parlament Haina setzt sich für Namenszusatz Tischbein-Gemeinde ein 

Goethe in der Campagna: Das Bild stammt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dem berühmtesten Maler der Hainaer Künstlerfamilie. Es hängt im Städel in Frankfurt/Main.
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Goethe in der Campagna: Das Bild stammt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dem berühmtesten Maler der Hainaer Künstlerfamilie.

Die Gemeinde Haina/Kloster soll Tischbein-Gemeinde werden. Eine knappe Mehrheit der Hainaer Gemeindevertretung hat sich am Donnerstagabend dafür ausgesprochen, beim Land Hessen den Namenszusatz Tischbein zu beantragen.

Haina/Kloster – Die Entscheidung fiel äußerst knapp aus: Mit elf Ja-, neun Neinstimmung und einer Enthaltung folgte die Hainaer Gemeindevertretung am Donnerstagabend dem Vorschlag der Freien Bürgerschaft Löhlbach (FBL), dass die Gemeinde Haina/Kloster beim Land Hessen den Zusatznamen Tischbein-Gemeinde beantragen soll.

Dabei sah es im Vorfeld nach einer Ablehnung aus. Denn sechs der acht Ortsbeiräte der Gemeinde Haina hatten sich gegen den Zusatznamen ausgesprochen. Nur der Ortsbeirat Löhlbach war dafür, Mohnhausen hatte sich enthalten.

Heinz Brück, Sprecher Freie Bürgerschaft Löhlbach

FBL-Sprecher Heinz Brück trat dennoch leidenschaftlich für den Antrag seiner Fraktion ein. Er dankte zunächst dem Verein der Freunde des Klosters Haina dafür, dass er die Bevölkerung, die Gemeindevertreter und Ortsbeiräte über die Bedeutung der Malerdynastie informiert hatte. Auch in der HNA hatte der Verein darauf hingewiesen, dass die aus Haina stammenden Tischbeins „eine der berühmtesten Künstlerfamilien der deutschen Kulturgeschichte“ seien. Der bekannteste Vertreter ist Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751 bis 1829), der „Goethe in der Campagna“ malte.

Und Brück ging auch auf einen Leserbrief des ehemaligen Hainaer Pfarrers Dr. Arnd Friedrich ein, in dem dieser beschreib, dass die Tischbeinfamilie auch in anderen Ortsteilen Spuren hinterlassen habe, wie es unter anderem mit dem Tischbein-Wanderweg von Haina nach Dodenhausen gewürdigt werde. „Leider kam für die meisten Ortsbeiräte diese Aufklärung zu spät“, sagte Brück.

Zwei der Tischbein-Maler gehörten zu den 50 bedeutendsten Persönlichkeiten Hessens, erläuterte der FBL-Sprecher weiter. In Nordhessen folgten sie in ihrer Bedeutung gleich hinter den Brüdern Grimm. „Hieran sieht man die kulturelle und internationale Anerkennung. Andere Kommunen in Hessen wären dankbar, wenn sie sich mit einer solchen Zusatzbezeichnung präsentieren könnten“, sagt Brück.

Der Zusatzname trage zu einer positiven Außendarstellung bei, könne für touristische und wirtschaftliche Zwecke und für die Gewinnung von Fördergeldern genutzt werden. Sollte 2027 die Gartenschau nach Frankenberg kommen, sei im Gespräch, dass Haina eine Außenstelle werde.

Brück ging auch auf die Gegenargumente aus den Ortsbeiräten ein:

. Kosten: „Wer pauschal mit Kosten argumentiert, sollte auch Zahlen vorlegen“, sagte er. Die Kosten seien nicht hoch, an den Ortstafeln könnten Folien oder kleine Tafel mit dem Zusatznamen angebracht werden. Die Briefköpfe in offiziellen Schreiben der Gemeinde könnten am Computer geändert werden.

. Zusatzbezeichnung Kloster: Dass Haina bereits den Zusatz Kloster trage, sei kein Hinderungsgrund. Kloster sei ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Orten Namens Haina, so wie Frankenberg/Eder sich durch den Zusatz des Flusses von anderen Frankenbergs unterscheide.

Für die Beantragung des Zusatznamens sprach sich auch die Bürgergemeinschaft Großgemeinde Haina aus. „Wir sollten die Werbekraft für die Gemeinde nicht unterschätzen“, sagte Frank Happel. Die Kosten beliefen sich nur auf einen mittleren vierstelligen Eurobetrag. Das Votum für eine Tischbeingemeinde sei auch Anerkennung für die Leistungen der Klosterfreude.

Freese (SPD): Blamage für Haina

SPD-Sprecher Roland Freese warnte hingegen vor einer Beantragung des Zusatznamens Tischbein-Gemeinde. Er sprach von „blauäugigem Vorgehen“. Mit dem Titel würden falsche Vorstellungen bei Besuchern geweckt. „Was wir ihnen bieten können sind leere Museen, denn wir haben hier keine Tischbein-Gemälde, eine Tischbeinstraße und ein Tischbeinwanderweg.“ Das werde eine Blamage. Man müsse Nutzen, Kosten und Risiken abwägen und sich vorher überlegen, was man mit dem Namen erreichen wolle.

Dem hielt Heinz Brück entgegen, dass man Ideen noch entwickeln könne.

Auch die Unabhängigen Bürger Dodenhausen stimmten gegen den Zusatznamen. Auf ihre Anregung hin waren die Ortsbeiräte befragt worden. „Wir halten uns an deren Votum“, sagte Stefan Hecker. Er dankte aber Heinz Brück, dass er mit dem Antrag die Bedeutung der Tischbeins für die Gemeinde in den Mittelpunkt gerückt habe. Identitätsstiftend für die Gesamtgemeinde seien die Tischbeins aber nicht, das sei das Zisterzienserkloster, sagte der UBD-Sprecher. Gegen den FBL-Antrag stimmten die UBD und die meisten Mitglieder der SPD-Fraktion. Von Martina Biedenbach

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