Polizei ermittelt

Haina: 22-Jähriger stirbt in psychiatrischer Klinik – Staatsanwaltschaft und Klinik äußern sich

Ein 22-jähriger Patient der Psychiatrischen Klinik in Haina wurde tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Beschuldigt wird ein anderer Patient.  (Symbolbild)
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Ein 22-jähriger Patient der Psychiatrischen Klinik in Haina wurde tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Beschuldigt wird ein anderer Patient. (Symbolbild)

Ein Patient der psychiatrischen Klinik in Haina (Waldeck-Frankenberg) wurde tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Erste Details von der Staatsanwaltschaft.

Update vom Donnerstag, 11.03.2021, 17.46 Uhr: Nach dem Tod eines 22-jährigen Patienten in der Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (KPP) laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, teilte Timo Ide von der Staatsanwaltschaft Marburg am Donnerstagnachmittag (11.03.2021) auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Wie berichtet, war der 22-jährige Patient leblos im Zimmer eines 25-jährigen Mitpatienten aufgefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten den 25-Jährigen wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes vorläufig festgenommen. Er wurde in eine Klinik für forensische Psychiatrie, die psychisch kranke Rechtsbrecher behandelt, untergebracht. Die KPP ist hingegen eine Allgemeinpsychiatrie, die psychisch kranke Erwachsene aus Waldeck-Frankenberg und einem Teil von Schwalm-Eder behandelt.

Tötungsdelikt in psychiatrischer Klinik in Haina – Umfangreiche Ermittlungen

„Die Ermittlungen gestalten sich umfangreich“, sagte Ide. Am Donnerstag wurde der 22-Jährige, ein Deutscher aus Waldeck-Frankenberg, obduziert. Über das Ergebnis werde der Staatsanwalt eventuell am morgigen Freitag (12.03.2021) informieren. Inwieweit der Beschuldigte – ein Syrer, der in Waldeck-Frankenberg lebte – und der Getötete sich kannten und was ein mögliches Tatmotiv sein könnte, dazu liefen die Ermittlungen noch.

Hat die Hainaer Klinik nicht ausreichend für den Schutz der Patienten gesorgt? Dazu sagte der Staatsanwalt: „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Klinik.“

Mutmaßliche Tötung in Haina: Fremdgefährdendes Verhalten sei nicht ersichtlich gewesen

Die Hainaer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sagt über den 25-jährigen Beschuldigten: „Während der ärztlichen Eingangsuntersuchung zeigte sich der Patient absprachefähig. Für das ärztliche und pflegerische Personal war nicht ersichtlich, dass von dem Patienten ein fremdgefährdendes Verhalten ausgehen könnte. Der Mann wurde in einem Einzelzimmer untergebracht, in dem er sich fortlaufend aufhielt“.

Wie Rouven Raatz, Pressesprecher von Vitos Haina, mitteilte, seien Klinikmitarbeiter generell im Erkennen von Krisen geschult und trainierten regelmäßig Deeskalationstechniken. Dennoch könne es aufgrund von besonderen Erregungs- und Ausnahmezuständen der Patienten zu verbalen und körperlichen Attacken gegenüber Mitpatienten und Personal kommen. „Dabei handelt es sich jedoch um Ausnahmen“, betont Raatz.

Haina: 22-jähriger Patient wird in psychiatrischer Klinik tot aufgefunden

Grundsätzlich werde seit geraumer Zeit eine Zunahme von Aggression gegenüber Hilfskräften, wie dem Rettungsdienst und der Polizei, festgestellt. Auch in Notaufnahmen von Allgemeinkrankenhäusern komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen, sagt der Kliniksprecher.

Nach Angaben der Hainaer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie habe es in den vergangenen 25 Jahren kein Tötungsdelikt in der Klinik gegeben. Im September 2013 hatte dort allerdings ein Patient im Wahn – er hielt sich für einen Erzengel – eine Patientin gewürgt. Klinikmitarbeiter hatten durch ihr Eingreifen verhindert, dass der Mann die Frau tötete.

Tötungsdelikt in Haina: „Aufrichtige Anteilnahme“ gelte den Angehöringen

Im aktuellen Fall macht die Klinik keine Angaben zu dem 22- und dem 25-jährigen Patienten und bezieht sich auf ihre ärztliche Schweigeplicht. Sie arbeite aber umfänglich mit den Ermittlungsbehörden zusammen. Intern werde der Sachverhalt umfassend aufgearbeitet.

„Das Ereignis hat die Mitarbeiter sehr betroffen gemacht. Die aufrichtige Anteilnahme gilt den Angehörigen des Verstorbenen“, sagt Sprecher Raatz.

Haina: 22-Jähriger stirbt in psychiatrischer Klinik – Verdacht auf Tötungsdelikt

Erstmeldung vom Mittwoch, 10.03.2021: Haina – In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Haina wurde offenbar am Dienstagabend (09.03.2021) ein 22-jähriger Mann getötet. Die Staatsanwaltschaft Marburg und die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg gaben in eienr gemeinsamen Pressemitteilung bekannt, dass der leblose Patient am späten Abend im Zimmer eines 25-jährigen Mitpatienten aufgefunden wurde.

Das Pflegepersonal und der Stationsarzt hätten sofort Reanimationsmaßnahmen eingeleitet – jedoch ohne Erfolg. Der alarmierte Notarzt habe nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen können.

Psychiatrische Klinik in Haina: 22-Jähriger wurde mutmaßlich von einem Mitpatienten getötet

Die Beamten der Polizeistation Frankenberg und die Kriminalpolizei Korbach haben laut der Mitteilung die Ermittlungen zu den näheren Todesumständen am mutmaßlichen Tatort aufgenommen.

Nach bisherigen Erkenntnissen kam der 22-Jährige demnach durch Gewalteinwirkung ums Leben. Der 25-jährige Mitpatient, in dessen Zimmer der 22-Jährige gefunden wurde, wurden wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes vorläufig festgenommen. Das Amtsgericht Marburg ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine einstweilige Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Erst kürzlich kam es in einer Lüneburger Psychiatrie zu einem tödlichen Gewaltverbrechen. (Sandra Böhm)

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