Hainas Bürgermeister: „Bleiben Sie zu Hause!“

Schnee in Battenhausen: Rodler freuen sich, Landwirte ärgern sich, Gemeinde ist besorgt

Rodeln in Battenhausen: Am Montagmittag waren dort etliche Familien unterwegs, aber der erforderliche Abstand konnte gewahrt werden.
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Rodeln in Battenhausen: Am Montagmittag waren dort etliche Familien unterwegs, aber der erforderliche Abstand konnte gewahrt werden.

Auch im Kellerwaldort Battenhausen lockt der Schnee Rodelfans an. Sorgen, dass der „Schneetourismus“ überhand nimmt, macht sich Hainas Bürgermeister Alexander Köhler. Er behält sich vor, Zufahrtsstraßen zu sperren.

Battenhausen – Für den sechsjährigen Max und seinen gleichaltrigen Freund Lonus aus Fritzlar war am Montag der bisher schönste Tag der Winterferien. Mit ihren Müttern und Geschwistern fuhren sie in Battenhausen im Kellerwald Schlitten. Rund 80 Rodelfans, fast ausschließlich Familien, nutzen gegen Mittag die ehemalige Skipiste an der Jausenstation zum Schlittenfahren.

Die Mütter hatten extra bis Montag gewartet, um einem größeren Menschenauflauf zu entgehen und den aufgrund von Corona gebotenen Abstand einhalten zu können. Der Andrang war laut Ortslandwirt Bernd Ibelshäuser an den ersten drei Januartagen tatsächlich groß. Er schätzt, dass rund 100 Autos an den Wegrändern standen. „Der Boden ist nicht gefroren. Sie haben die Grasnarbe zerstört“, ärgert sich der Landwirt, der an der Piste eine Wiese gepachtet hat. Nun müsse er im Frühling wieder Gras ansäen. Wenn das Frühjahr so trocken werde wie in den vergangenen Jahren, blieben die Stellen kahl. „Das Futter ist wegen der Trockenheit sowieso schon knapp.“

Ein anderer Wiesenbesitzer hat Anzeige bei der Polizei erstattet, weil ein Autofahrer auf seiner Wiese im Kreis gedriftet ist, informierte Polizeisprecher Jörg Dämmer. Der Landwirt schätze den Schaden auf 25 Euro in den nächsten fünf Jahren: fünf Euro pro Jahr. Laut Dämmer hat die Polizei in den vergangenen Tagen mehrfach vor Ort kontrolliert, ob die Rodler corona-konformen Abstand hielten. Es seien, anders als in Willingen und Winterberg, keine Verstöße erkennbar gewesen.

Der Pächter der Schlittenpiste sagte der HNA, er wolle den Familien den Spaß am Rodeln nicht verderben. Er habe aber Sorge vor größerem Andrang: „Sollte das hier zu viel werden, werden wir die Piste sperren.“

Verständnis für die Sehnsucht der Familien, gerade in der Coronazeit etwas Spaß beim Rodeln in Freien zu haben, hat auch Hainas Bürgermeister Alexander Köhler. Das sagte er gestern der HNA

Doch die Sorge, dass auch in Battenhausen der „Schneetourismus“ überhand nehme, überwiege – insbesondere weil weiterer Schneefall angekündigt ist. Köhler appelliert an die Schneefans: „Bleiben Sie zu Hause!“ Auf der Homepage der Gemeinde Haina weist er darauf hin, „dass der Skilift in Battenhausen bereits seit mehreren Jahren nicht mehr in Betrieb ist“. Die Gemeinde werde die Zufahrtsstraßen sperren, wenn ein erhöhtes Besucheraufkommen festgestellt werde und die Einhaltung der Corona-Regeln oder die Sicherheit des Verkehrs gefährdet sein sollten. „Ersparen Sie sich bitte den Weg und uns den Aufwand!“, so Köhlers Aufruf.

Und weiter: „Gerne werden wir unsere Gäste nach überstandener Corona-Pandemie wieder in unserer wunderschönen, erholsamen Landschaft rund um das Hohe Lohr begrüßen. Zum jetzigen Zeitpunkt verweisen wir aber sehr deutlich auf die Kampagne der Bundes- und Landesregierungen ‘Wir bleiben zu Hause!’“

Von Martina Biedenbach

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