Marlene Schütte verabschiedet sich

13.000 Stunden in der Hainer Klosterkirche verbracht

Stricken und Kartenverkauf: Seit elf Jahren verkauft Marlene Schütte im Kassenhäuschen in der Hainaer Klosterkirche Eintrittskarten für die Klosteranlage. Nun soll das Häuschen im Kirchengebäude abgerissen werden. Fotos: Triesch

Haina-Kloster. Marlene Schütte verabschiedet sich nach elf Jahren von ihrer Tätigkeit im Kassenhäuschen in der Klosterkirche. Es hat wohl kein Mensch der Neuzeit so viel Zeit in der Hainaer Klosterkirche verbracht wie Marlene Schütte.

Seit elf Jahren arbeitet die 66-Jährige aus Frankenberg im Kassenhäuschen in der Kirche - sechs Stunden täglich, von März bis Oktober.

Das sind pro Jahr 204 Tage, und 1224 Stunden. Mehr als 13 000 Stunden kommen so zusammen. Als „Teilzeitnonne“ würde sich Marlene Schütte deshalb aber nicht bezeichnen.

Nach über einem Jahrzehnt naht nun der Abschied von ihrem geliebten „Kabuff“ am Kircheneingang, in dem sie für den Verein Freunde des Klosters Haina Eintrittskarten und Broschüren verkauft.

Der lange Aufenthalt in der frühgotischen Klosteranlage habe sie aber nicht näher an Gott heran gebracht: „Dazu braucht man kein Gebäude“, sagt Marlene Schütte.

Sie selbst sei zwar aus der Kirche ausgetreten, aber das habe nichts mit dem Glauben zu tun. Es sei aber schön zu sehen, dass das Kloster für andere ein Ort des Gebets und der Zuflucht ist: „Täglich kommen Patienten der Vitos-Einrichtungen zum Beten“, erzählt Marlene Schütte.

Da die Kirche mitten im Psychiatrie-Gelände von Vitos Haina steht, hat sie auch zu den Forensikern regen Kontakt: „Man wird zur Bezugsperson und wenn’s nur zum Quatschen ist.“ Und da viele Patienten auch für eine längere Zeit an diesen Ort gebunden sind, lerne man sich ganz gut kennen.

Aber auch für die rund 4000 Besucher jährlich, die die Kirche besichtigen, war Marlene Schütte in den vergangenen Jahren die erste Anlaufstelle: „Nach so vielen Jahren kennt man sich aus und kann fast jede Frage beantworten.“

Es könne aber auch sehr einsam sein in den alten Mauern, fügt sie hinzu. In den kalten Monaten während der Öffnungszeit der Klosteranlage - also vor allem März und Oktober - kommen nur wenige Besucher in die unbeheizte Kirche. „Dann halte ich es ohne meinen kleinen Heizkörper unterm Tisch kaum aus“.

Sogar das Wasser sei schonmal im Wasserkocher gefroren. Dennoch hat die gelernte Bürohilfe Freude an ihrem Job. Aber nun ist Schluss.

Der Eingang zur Klosterkirche und der Kassenbereich werden neu gestaltet, das Kassenhäuschen in der Kirche wird entfernt. „Würden sie meine Bude nicht abreißen, würd’ ich bleiben“, sagt sie. (mel)

Warum und wie der Zugang zur Klosterkirche umgestaltet wird, das lesen Sie in der gedruckten Samstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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