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Vertragsunterzeichnung 1997: Hainaer Tischbeinhaus sollte Museum werden

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Von: Klaus Jungheim

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Bei der Vertragsunterzeichnung am 10. März 1997 für die Umwandlung des Hainaer Tischbeinhauses in ein Museum (vorne von rechts): der Erste Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Lutz Klein, Bürgermeister Ulrich Lang, der Erste Beigeordnete der Gemeinde Haina, Wilhelm Daume, zweite Reihe von rechts: Pfarrer Dr. Arnd Friedrich (Verein „Freunde des Klosters Haina“), Landrat Dr. Horst Bökemeier und Vereinsmitglied Wilhelm Helbig.
Bei der Vertragsunterzeichnung am 10. März 1997 für die Umwandlung des Hainaer Tischbeinhauses in ein Museum (vorne von rechts): der Erste Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Lutz Klein, Bürgermeister Ulrich Lang, der Erste Beigeordnete der Gemeinde Haina, Wilhelm Daume, zweite Reihe von rechts: Pfarrer Dr. Arnd Friedrich (Verein „Freunde des Klosters Haina“), Landrat Dr. Horst Bökemeier und Vereinsmitglied Wilhelm Helbig. © Helmut Hasler

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, sagt ein Sprichwort. Alte Zeitungen können aber noch sehr interessant sein. Das zeigen wir in unserer Serie „Vor 25 Jahren“: Wir schauen uns die HNA von damals an und erinnern in loser Folge an spannende, ernste und unterhaltsame Themen aus der Zeitung.

Haina/Kloster – Nicht nur Kunstfreunden ist dieses Bild gut bekannt: Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe entspannt als Reisender in der Campagna bei Rom, im Jahr 1786 gemalt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Dieses Gemälde wurde seinerzeit zum Inbegriff der Italien-Sehnsucht.

Dieser Johann Heinrich Wilhelm Tischbein war in Haina geboren worden. Sein Geburtshaus auf dem Gelände der örtlichen Klosteranlage sollte vor 25 Jahren in ein Museum verwandelt werden. Denn in Haina war man nicht nur auf den berühmten Goethe-Maler stolz, sondern auch auf weitere Mitglieder seiner Familie, die allesamt eine Maler-Dynastie bildeten.

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Umwandlung des Hainaer Tischbeinhauses in ein Museum wurden heute vor einem Vierteljahrhundert getroffen: In Anwesenheit von Landrat Dr. Horst Bökemeier unterzeichneten am 10. März 1997 der Erste Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Lutz Klein, und Bürgermeister Ulrich Lang sowie der Erste Beigeordnete der Gemeinde Haina, Wilhelm Daume, einen Nutzungsvertrag über die Dauer von 30 Jahren mit anschließender Verlängerungsmöglichkeit (Anmerkung: Der Landeswohlfahrtsverband ist Eigentümer der Klosteranlage. Vitos Haina betreibt als LWV-Tochter die psychiatrieschen Einrichtungen in Haina).

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Er malte Johann Wolfgang von Goethe als Reisender in der römischen Campagna.
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Er malte Johann Wolfgang von Goethe als Reisender in der römischen Campagna. © Elke Walford/nh

Unter der Überschrift „Ärmel werden aufgekrempelt“ berichtete die HNA vor 25 Jahren nicht nur über diese wegweisende Vertragsunterzeichnung, sondern auch über den an Ort und Stelle direkt im Anschluss geschlossenen Untervertrag zwischen der Gemeinde Haina und dem Förderverein „Freunde des Klosters Haina“. Neben dem eigentlichen Tischbeingebäude an der Klostermauer wurden auch Außenanlagen dem Verein zur Nutzung übergeben.

Die Unterschriften wurden im historischen Lesegang der Mönche des früheren Zisterzienserklosters geleistet. Eine große Stunde sei dies für Haina, würdigte LWV-Beigeordneter Klein seinerzeit die Verträge. Das Tischbeinmuseum sei ein „Sahnehäubchen“ auf die vorhandene Klosteranlage. Lutz Klein würdigte auch das dadurch erweiterte Angebot für den Fremdenverkehr: „Haina/Kloster ist eine Reise wert“, meinte der Beigeordnete.

Auch Bürgermeister Ulrich Lang unterstrich die Belebung des Fremdenverkehrs als willkommene Stütze für die strukturschwache Region.

An die lange Zeit der Vorbereitungen und Verhandlungen erinnerte Fördervereins-Vorsitzender und Hainas Pfarrer Dr. Arnd Friedrich. Nun sei die Zeit gekommen, die Ärmel aufzukrempeln, unterstrich er. Nach der Fertigstellung des Museums werde Haina ein dreiteiliges kulturelles Angebot zu bieten haben: Klosteranlage, Konzerte und Tischbeinmuseum.

Das Tischbeinhaus an einer Mauer der Hainaer Klosteranlage. Dort ist der Ursprung der berühmten Maler-Dynastie.
Das Tischbeinhaus an einer Mauer der Hainaer Klosteranlage. Dort ist der Ursprung der berühmten Maler-Dynastie. © Martina Biedenbach

Der Waldeck-Frankenberger Landrat Dr. Horst Bökemeier würdigte den Hainaer Pfarrer und Historiker Dr. Friedrich als Vater des Museums. Kulturelle Glanzlichter und intakte Natur seien wichtige Voraussetzungen für funktionierenden Fremdenverkehr, unterstrich Dr. Bökemeier am 10. März 1997.

Die Mittel für die Gesamtfinanzierung von rund 425 000 Mark, die über den Haushalt der Gemeinde abgerechnet werden sollten, standen bereit und waren Ende Januar 1997 von der Gemeindevertretung freigegeben worden.

Inzwischen war auch die Planung für die Ausbauarbeiten begonnen worden, so dass vor 25 Jahren mit dem baldigen Arbeitsbeginn gerechnet wurde.

Zielsetzung damals: Im Jahr 2001 sollte das Museum fertig sein – aus Anlass des 250. Geburtstags des Goethe-Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829).

Dieses Ziel wurde schließlich auch erreicht. Im Jahr 2001 war das Tischbeinmuseum im Geburtshaus des berühmten Künstlers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein eröffnet worden. Es zeigte eine Dauerausstellung im Obergeschoss. Im Untergeschoss war der Klosterladen. Zuvor hatte das Tischbeinhaus nur als Unterstellplatz gedient. Lediglich ein Schild an der Hauswand hatte auf die berühmten Bewohner hingewiesen.

Alle Künstler der Familie Tischbein stammen vom Hainaer Hospitalbäcker Johann Heinrich Tischbein (1682– 1764) ab. In drei Generationen brachte die Sippe zwei Dutzend namhafte Maler und Malerinnen hervor. Bei den Tischbeins handelte es sich um eine der berühmtesten Künstler-Familien der deutschen Kulturgeschichte. Mehrere Maler, die aus dieser Familie hervorgegangen sind, haben an wichtigen Höfen und in großen Städten in ganz Europa gewirkt.

Nach zunächst gutem Zuspruch gingen in den Folgejahren im Museum die Besucherzahlen immer mehr zurück. 2014 zog der Verein „Freunde des Klosters Haina“ schließlich die Reißleine: Das Haus wurde geschlossen.

2014 war Schluss – Präsentation geht aber weiter

Mit Ende der Besichtigungssaison 2014 gab der Förderverein „Freunde des Klosters Haina“ die Schlüssel für das Tischbeinhaus an den Eigentümer, den Landeswohlfahrtsverband (LWV), zurück. „Es kamen zu wenige Besucher“, sagte Kassierer Wilhelm Helbig am 19. Dezember 2014 gegenüber der HNA.

Der Verein könne sich den Weiterbetrieb nicht mehr leisten, schilderte Helbig damals. Das Ziel, die Wurzeln des Goethe-Malers und die Maler-Dynastie Tischbein bekannter zu machen, sei nur bedingt gelungen. „Viele kennen zwar das Bild ,Goethe in der Campagna’. Aber mit dem Namen Tischbein können die meisten nichts anfangen“, bedauerte Helbig.

Die Beschäftigung einer Kraft an der Kasse und die Unterhaltungskosten für das Museum habe der Verein nicht mehr länger tragen können, erläuterte er. Alle Bemühungen, Besucher in das Haus zu locken, seien gescheitert. „Immer wieder haben wir bei Führungen erlebt, dass Touristen sich zwar gerne die Klosterkirche ansehen, ihnen aber die wenigen hundert Meter bis zum Tischbeinhaus zu weit sind“, erläuterte Helbig.

Mit der Schließung des Tischbeinmuseums fiel aber nicht zugleich die Darstellung der Tischbeingeschichte weg. Im Gegenteil: Der Förderverein richtete im Kreuzgang einen Tischbeinraum ein und stellt seit 2015 Jahr um Jahr das Schaffen der weitverzweigten Maler-Familie unter wechselnden Aspekten dar – zusammen mit der Kasseler Kunsthochschule sowie der Kasseler Kunsthistorikerin Caroline von der Osten-Sacken, die schon mehrere anspruchsvolle Schauen als Kuratorin betreut hat.

Ab dem 20. März wird das Wirken von Johann Heinrich Tischbein der Ältere zu dessen 300. Geburtstag im Oktober dargestellt. Er nimmt in der bekannten Maler-Familie eine Schlüsselstellung ein.  

Öffnungszeiten: Die Klosteranlage in Haina ist ab dem 19. März bis zum 30. Oktober täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro und ist im Klosterlädchen – Zugang über die Klosterpforte – zu entrichten. Ab Sonntag, 20. März, werden ab 14 Uhr die sonntäglichen Führungen wieder aufgenommen. Anmeldung von Gruppen ist möglich bei Wilhelm Helbig, Tel. 0 64 56/245.

Homepage: klosterhaina.de

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