„Internationaler Tag der seelischen Gesundheit“

So kann man psychischen Erkrankungen vorbeugen

Die Kreativ-Aktiv-Gruppe der Vitos psychiatrischen Ambulanz Haina trifft sich regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen im Freien.
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Die Kreativ-Aktiv-Gruppe der Vitos psychiatrischen Ambulanz Haina trifft sich regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen im Freien.

Wie kann man psychischen Erkrankungen vorbeugen? Wie kann man sie erkennen? Antworten und Tipps rund um dieses Thema gibt die Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zum heutigen „Internationalen Tag der seelischen Gesundheit“.

Haina/Kloster – Der heutige „Internationale Tag der seelischen Gesundheit“ hat aufgrund der Corona-Pandemie eine besondere Relevanz. Denn die Sorge um Gesundheit und finanzielle Existenz sowie die soziale Isolierung stellen gleichermaßen für psychisch kranke wie gesunde Menschen aller Altersstufen eine große Herausforderung dar.

„Gerade in der Corona-Pandemie sind soziale Kontakte und Bewegung im Freien wichtig für die seelische Gesundheit“, sagt Dr. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina, im Interview.

Es gibt die unterschiedlichsten Vorsorgeuntersuchungen, etwa zur Früherkennung von Darm- oder Brustkrebs. Warum gibt es das nicht auch für seelische Gesundheit?
Die Frühwarnzeichen für psychische Erkrankungen sind wesentlich unspezifischer. Schlafstörungen können zum Beispiel ein Frühwarnzeichen für eine Depression oder aber auch eine normale Reaktion auf Stress sein. Blut im Stuhl als ein Warnsymptom für Darmkrebs zeigt viel früher, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Gibt es überhaupt Untersuchungsmethoden, mit denen sich psychische Erkrankung im Frühstadium diagnostizieren lassen?
Leider gibt es gerade für frühe bzw. leichte Stadien von psychischen Erkrankungen kaum einfach durchführbare Tests. Hierzu ist in der Regel ein ausführlicher Therapeutenkontakt bei einem Arzt oder Psychologen erforderlich. Zudem ist die Abfolge der Stadien nicht regelhaft, nicht wie zum Beispiel bei einer Krebserkrankung, bei der normalerweise nach einem leichten ein schwereres Stadium kommt.
Rechnerisch erleidet im Laufe eines Jahres fast jeder dritte Erwachsene eine psychische Erkrankung. Präventionskonzepte sind also erforderlicher als je zuvor.
Vollkommen richtig. Es wird in vielen Richtungen schon an Präventionskonzepten gearbeitet. Primäre Prävention bedeutet die Verhinderung der Entstehung der Erkrankung und wird unter anderem durch Aufklärung betrieben. Damit sollen Volkserkrankungen wie Depression, Angsterkrankungen oder Abhängigkeitserkrankungen vermieden werden.
Die meisten Krankenkassen bieten Kurse zur seelischen Gesundheit an, um das Wohlbefinden zu verbessern oder Beschwerden zu lindern. Sind diese Achtsamkeits- oder Stresstrainings sinnvoll?
Zur Prävention sind solche Kurse sinnvoll. Ist eine psychische Erkrankung bereits eingetreten, sind sie meistens aber nicht mehr ausreichend.
Die Corona-Pandemie erleben viele Menschen als psychisch sehr belastend. Ab welchem Punkt sollten sie sich Hilfe holen – und vor allem wie?
Wenn Symptome wie niedergeschlagene Stimmung, verminderter Antrieb oder über die individuelle Gewohnheit hinausgehende Angstsymptome länger als zwei Wochen andauern und sich in den Vordergrund drängen, ist es sinnvoll, sich Hilfe zu holen.
An Bedeutung gewinnen auch digitale Angebote. Welche Ansätze bieten Sie? Und für welche Art von Patient sind digitale Behandlungsformate sinnvoll?
Seit Beginn der Corona-Zeit haben auch wir verstärkt digitale Angebote. Vor allem ambulante psychotherapeutische Termine werden mittlerweile häufig als Videokonferenz wahrgenommen. Dies bietet sich insbesondere als Folgetermin für Patienten an, die bereits einen persönlichen Termin hatten. Aber auch eine digitale Behandlung von Anfang an ist in unserer Ambulanz möglich. Die Corona-Krise hat den Trend zur Digitalisierung in Psychiatrie und Psychotherapie deutlich beschleunigt. (mab)

Hintergrund: Tag der seelischen Gesundheit

Deutschlandweit erkranken jährlich rund 18 Millionen Erwachsene an der Psyche. Und doch wird über die seelische Gesundheit weit weniger und nicht so offen gesprochen wie zum Beispiel über Herz-Kreislauf-, Krebs- oder Muskelerkrankungen.

Die World Federation for Mental Health (WFMH) ruft deshalb seit 28 Jahren jeweils am 10. Oktober den Welttag der Seelischen Gesundheit aus. Er steht 2020 unter dem Motto „Mentale Hilfe für allle“, das die Notwendigkeit einer globalen Grundversorgung im Bereich der seelischen Gesundheit unterstreicht.

Das nationale Aktionsbündnis „Seelische Gesundheit“ nutzt die Aktionswoche unter dem Motto „Mit Kraft durch die Krise! Gesund bleiben – auch psychisch“ dazu, über die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise aufzuklären und Mut zu machen. nh/mab

aktionswoche.seelischegesundheit.net/

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