Zeichnen und Sägen um Gold

Löhlbacher Handwerksmeister trainiert die Nationalmannschaft der Zimmerer

Der Löhlbacher Trainer Sascha-Alexander Brück trainiert die Zimmerer-Nationalmannschaft.
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Der Löhlbacher Trainer Sascha-Alexander Brück trainiert die Zimmerer-Nationalmannschaft.

Zeichnen, Sägen, Schrauben – damit beschäftigen sich die sechs jungen Männer der Zimmerer-Nationalmannschaft von morgens bis abends.

Löhlbach/Kassel – Vier Tage am Stück trainierten sie im Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel für die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft. Alles unter den Augen von Trainer Sascha-Alexander Brück aus Löhlbach. „Dieses Jahr ist die EM aufgrund der Pandemie ausgefallen, deswegen wird sie nächstes Jahr im Frühjahr in Köln stattfinden“, sagt Sascha Alexander Brück. Die WM wird ebenfalls in 2022 in Shanghai stattfinden.

Der Weg in die Nationalmannschaft ist aber nicht so leicht, wie man denkt. „Wenn man bei seiner Gesellenprüfung sehr gut abschneidet, nimmt man am Kammerentscheid teil, danach geht es zum Landesentscheid und wenn man dann nochmal weiterkommt, ist man im Bundesentscheid“, erklärt Brück. Danach habe man die Chance, in die Nationalmannschaft zu kommen. Derzeit sind Benedikt Pfister, Lukas Baumann, Marco Schmidt, Philipp Kaiser, Jonas Lauhoff und Julius Bruder in der Mannschaft. „Es ist richtig gut, in der Nationalmannschaft zu sein, es war für mich immer ein Ansporn und in meiner Ausbildung war die Nationalmannschaft mein Vorbild“, sagt Philipp Kaiser.

Trainer der Zimmerer-Nationalmannschaft Sascha-Alexander Brück (rechts) hilft Philipp Kaiser bei seiner Zeichnung.

„Normalerweise bleiben die Teammitglieder dann drei Jahre in der Mannschaft“, sagt Brück. Die kurze Dauer sei damit zu begründen, dass die Teilnehmer sowieso jeweils nur einmal an einer EM und WM teilnehmen dürften. Hinzu komme noch, dass man bei der Teilnahme einer EM maximal 23 Jahre alt sein dürfte und bei einer WM 22 Jahre.

Sascha-Alexander Brück war selbst nie bei einer EM und WM. „Ich habe zwar an den Berufswettkämpfen teilgenommen, bin aber schnell ausgeschieden“, sagt Brück. Nun sei er aber seit fünf Jahren Trainer. „Wenn man Trainer werden möchte, sollte man auf jeden Fall mit Menschen umgehen können und vor allem das Schiften beherrschen“, sagt er. Das bedeute er muss sich die Bearbeitung einer fertigen Dachkonstruktion herleiten.

Die Zimmerer-Nationalmannschaft: (vorne von links) Benedikt Pfister und Lukas Baumann, (hinten von links) Philipp Kaiser, Marco Schmidt, Jonas Lauhoff und Julius Bruder.

Nun bereitet Brück sein Team auf die Meisterschaften vor. Das Team bekommt wie bei den Wettkämpfen eine Aufgabe, in der sie eine komplizierte Dachkonstruktion in einem kleineren Maßstab lösen müssen. „Im Wettkampf haben sie dafür 22 Stunden Zeit – im Training teilen wir die Stundenzahl auf vier Tage auf“, erklärt Brück. Die Zimmerer arbeiten ansonsten im Training wie im Wettbewerb: Zuerst zeichnen sie die Pläne auf eine große Holzplatte, so haben sie eine Art Schablone. Dann können sie die Holzbretter zum Abmessen auf die Schablone legen, zuschneiden und alles zusammen bauen. Brück helfe im Training dabei die Aufgabe zu lösen, Fehler zu analysieren und Probleme zu beheben. Die Beurteilung finde am Ende der Trainingseinheit gemeinsam statt. „Bei den Meisterschaften sind die wichtigsten Bewertungskriterien Sauberkeit und Genauigkeit“, sagt Brück. Es müsse dabei alles bis auf einen halben Millimeter stimmen. Jeder Teilnehmer bekomme die gleiche Aufgabe und die gleichen Werkzeuge. „Bei der EM wird nur mit Handwerkzeugen gearbeitet, aber bei der WM dürfen auch Elektrogeräte benutzt werden“, sagt er.

Sechsmal im Jahr trainiert die Mannschaft. Zweimal in Kassel mit Sascha-Alexander Brück und zweimal in Biberach (Baden-Württemberg) mit Trainer Michael Rieger. Normalerweise würden dann noch zwei öffentliche Trainingseinheiten auf Messen stattfinden, aber das falle aufgrund der Pandemie derzeit aus. „Den Rest muss das Team zuhause trainieren – da muss dann auch Freizeit geopfert werden“, sagt Brück. (Lea Beckmann)

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