HNA-Serie „Mit dem Förster durchs Jahr“

Löhlbacher helfen mit bei der Wiederbewaldung

Gemeinsam für den Hainaer Gemeindewald: Bei einem Termin an einer Aufforstungsstelle beim Sportplatz Löhlbach (von links) Kurt Hecker (Büroleiter Gemeinde Haina), Bürgermeister Alexander Köhler, Förster Jürgen Bachmann, Sandra Jakobi vom Heimat- und Kulturverein Löhlbach und Ortsvorsteher Sascha Brück.
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Gemeinsam für den Hainaer Gemeindewald: Bei einem Termin an einer Aufforstungsstelle beim Sportplatz Löhlbach (von links) Kurt Hecker (Büroleiter Gemeinde Haina), Bürgermeister Alexander Köhler, Förster Jürgen Bachmann, Sandra Jakobi vom Heimat- und Kulturverein Löhlbach und Ortsvorsteher Sascha Brück.

In der Serie „Mit dem Förster durchs Jahr“ stellt die HNA Arbeiten vor, die im Forstamt Frankenberg- Vöhl im Jahreszyklus anfallen. Im Dezember schildert Jürgen Bachmann, wie er mit Hilfe von freiwilligen Helfern Freiflächen bei Löhlbach bewalden will.

Haina/Kloster – Als Jürgen Bachmann vom Forstamt Frankenberg-Vöhl die Betreuung des Hainaer Gemeindewaldes in diesem Juli übernahm, fand er ihn in keinem guten Zustand. „Trockenheit, Windwurf und Borkenkäfer haben dem Wald, insbesondere im Bereich Löhlbach, heftig zugesetzt“, sagt der 58-Jährige. Das Gros der Fichten sei verloren oder werde sich in den nächsten Jahren verabschieden. Jetzt sei Wiederbewaldung angesagt. Und dabei darf er auf freiwillige Helfer aus Löhlbach setzen.

„Viele Bürger des Ortes sind bereit mitzumachen“, freut sich Bachmann. Das wurde ihm versichert, als er sein Vorhaben auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins Löhlbach Vereinsvertretern, Ortsvorsteher Sascha Brück und Maik Herbold von der örtlichen Waldjugend vorstellte. Bachmann ist begeistert von dem Hilfsangebot. Es unterstütze seine vielen Vorhaben in Haina.

Der Förster, der zuvor zwölf Jahre „sehr gerne“ für den Stadtwald Frankenau zuständig war, hat im Juli zunächst mit tatkräftiger Unterstützung des Kollegen Konrad Dreßler die Betreuung des Gemeindewalds Haina übernommen. Wie berichtet, darf Hessen-Forst aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr den Holzverkauf für Privat- und Kommunalwälder mit mehr als 100 Hektar übernehmen. Deshalb lässt die Stadt Frankenau, wie viele andere Kommunen, seit Juli ihren Wald von der neu gegründeten Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg betreuen.

330 Hektar Frankenauer Stadtwald fielen weg

Weil die 330 Hektar Frankenauer Stadtwald aus seinem Arbeitsfeld wegfielen, bekam der Förster die 90 Hektar Hainaer Gemeindewald sowie zwei Interessentenwälder bei Dörnholzhausen und Willersdorf hinzu. Zudem betreut er weiterhin 1650 Hektar Staatswald. Sein Vorgänger in Haina, Alfred Hucke, ist derzeit im Regierungspräsidium Darmstadt im Bereich „Forstliche Förderung“ tätig. Er war beim Forstamt Vöhl angestellt, das Anfang 2021 im Zuge der Umorganisation mit Frankenberg zum Forstamt Frankenberg-Vöhl zusammengeführt wurde.

Gut zehn der 90 Hektar im Hainaer Gemeindewald sind aufgrund der Schäden Freiflächen. „Sie sollen möglichst in den nächsten drei, vier Jahren wiederbewaldet werden“, sagt Bachmann. „Für die Gemeinde bedeutet das erhebliche Kosten ohne Aussicht auf Gewinne aus dem Forst in absehbarer Zeit“, macht er deutlich. „Dazu sind wir bereit“, sagte Bürgermeister Alexander Köhler. Der Gemeindewald habe nie hohe Gewinne eingebracht. Die angespannte Situation im Gemeindewald sei erst richtig ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt, als vor einigen Jahren am Kirchberg bei Löhlbach die kranken Buchen entnommen werden mussten und der Bereich seither weitgehend kahl liegt.

40.000 Euro für den Gemeindewald

Ausgaben von 40 000 Euro sind im Gemeindeetat 2022 für den Wald vorgesehen, ergänzt Kämmerer Kurt Hecker. Etwas abgepuffert werden diese Ausgaben durch die vom Förster Bachmann bereits im August 2021 beim RP in Darmstadt beantragten und genehmigten Fördergelder zur Wiederbewaldung. Die ehrenamtlichen Helfer können mit ihren Einsätzen zur Kostenreduktion beitragen. Neben diesem materiellen Wert sei aber auch der ideelle Beitrag wichtig, nämlich dass sich die Menschen mit ihrem Wald identifizieren, sagen sowohl der Förster als auch der Bürgermeister.

Köhler betont, dass die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren, gerade in Löhlbach sehr groß sei. Ortsvorsteher Sascha Brück ist ebenfalls zuversichtlich, dass die zugesagte Hilfe von der Bevölkerung geleistet werde. Sandra Jakobi, im Heimatverein für die Betreuung der Kindergruppe zuständig, will erreichen, dass auch dem Nachwuchs der Schutz des Waldes zur Herzensangelegenheit wird. Sie hat Samen verschiedener Baumarten in Blumentöpfe gesetzt und möchte, zumindest in kleinem Rahmen, mit den Kindern neue Bäume pflanzen.

Vereine als Paten für Schutzgatter gesucht

Die Vorbereitung für die Wiederbewaldungsmaßnahmen im Frühjahr 2022 von zunächst drei Hektar Freiflächen im Hainaer Gemeindewald bei Löhlbach hat Förster Jürgen Bachmann schon getroffen:

Im ortsnahen Bereich, in der Nähe der Hütte des Männergesangvereins, wurde eine von Brombeersträuchern und Holunder überwucherte Fläche komplett gemulcht. „Hier konnte sich keinerlei Naturverjüngung einstellen“, sagt Bachmann. Ein großer Traktor mit Mulchgerät hat Sträucher, Gebüsch und Kronenreste des Vorbestandes zerkleinert. Der Mulch bietet nun eine Nährstoffbasis für Neuanpflanzungen. Auf dem relativ kargen Boden dieser Fläche sollen überwiegend Eichen gesetzt werden.

Die Wiederbewaldung soll auch an zwei weiteren Flächen in der Gemarkung „Im heiligen Felde“ beim Löhlbacher Sportgelände erfolgen. Auch dort sind komplett verwilderte Teilflächen ohne Naturverjüngung gemulcht. Diese beiden Flächen sollen mit Buche, Weißtanne, Lärche und Douglasie bepflanzt werden. Durch Naturverjüngung sollen weitere Baumarten hinzukommen. Ziel ist laut Bachmann, „einen möglichst baumartenreichen Mischwald zu schaffen, um so eine hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wetterszenarien der Zukunft zu haben.“

Junge Pflanzen vor Wildverbiss schützen

„Die jungen Pflanzen können nur wachsen, wenn wir sie vor Wildverbiss schützen“, sagt er. Deshalb plant er den Bau von 1400 Metern Hordengatter, einem Schutzgatter aus Holzelementen, das die Pflanzen vor dem verbiss von Rehen schützt. Wo diese Gatter aufgestellt werden, sind vier Meter breite Streifen gemulcht worden. „Das ist nötig, damit wir den Zaun unten dicht bekommen und damit er nicht sofort zuwuchert“, sagt Bachmann.

Den Zaun wird ein Unternehmer aufstellen. Aber beim Überprüfen auf Dichtigkeit und beim Freischneiden einmal im Jahr sind dann die freiwilligen Helfer gefragt, erläutert der Förster. Das Pflanzen der Bäume, das ab Mitte/Ende Februar erfolgen soll, übernehmen Forstunternehmer. Die Helfer können vorher beim Aufstellen von Holzlatten helfen. Die Latten markieren die Pflanzreihen. Dies erleichtert später die Pflanz- und Pflegearbeiten. Auch bei den Pflegearbeiten, insbesondere beim Freischneiden der jungen Pflanzen, können die Löhlbacher mitanpacken.

Der Förster steht mit Ortsvorsteher und Vereinsgemeinschaft in enger Verbindung und teilt über eine Whats-App-Gruppe mit, welche Arbeiten in naher Zukunft anstehen. Für die Gatterkontrolle und -pflege schlägt er Zaunpatenschaften vor. Wenn Ehrenamtliche nicht alle drei Gatter kontrollieren und pflegen können, dann vielleicht zumindest ein oder zwei, sagt der Förster. „Den Rest organisiere ich mit Forstunternehmern.“

Wichtig sei, dass die Löhlbacher immer einen Blick auf den Zustand der Gatter haben und sofort melden, wenn sie Beschädigungen feststellen. So können Beschädigungen schneller repariert und Verbissschäden in den Gattern verhindert werden. Ein Großteil der Gatter liegt am Löhlbacher Rundwanderweg beim Sportplatz.

Von Martina Biedenbach

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