Nach 110 Jahren ist die Jagd vorbei

Oberholzhäuser verabschieden Familie Kimmeskamp als Pächter

Ende einer Ära: Nach 110 Jahren hat die Familie Kimmeskamp die Jagdpacht in Oberholzhausen aufgegeben. Im Bild: (von links) Jagdaufseher Konrad Vöhl, der bisherige Mitpächter Klaus Welling, Veronika Kimmeskamp, Monika Kimmeskamp, der scheidende Pächter Ernst Kimmeskamp, Hugo Kimmeskamp, der ehemalige Jagdvorsteher Heinz Hesse, der langjährige Jagdgast Gerd Messerschmidt und Jagdvorsteher Gerald Metz.
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Ende einer Ära: Nach 110 Jahren hat die Familie Kimmeskamp die Jagdpacht in Oberholzhausen aufgegeben. Im Bild: (von links) Jagdaufseher Konrad Vöhl, der bisherige Mitpächter Klaus Welling, Veronika Kimmeskamp, Monika Kimmeskamp, der scheidende Pächter Ernst Kimmeskamp, Hugo Kimmeskamp, der ehemalige Jagdvorsteher Heinz Hesse, der langjährige Jagdgast Gerd Messerschmidt und Jagdvorsteher Gerald Metz.

„Halali - die Jagd ist vorbei“ – mit einem Fest fürs ganze Dorf ist in Oberholzhausen eine Ära zu Ende gegangen.

Oberholzhausen – Nach mehreren Generationen und insgesamt 110 Jahren übergab Ernst Kimmeskamp die 260 Hektar große Jagdpacht im Revier Oberholzhausen an seine Nachfolger: Vater und Sohn Otto und Marc Woesthoff aus Welver bei Soest in Nordrhein-Westfalen.

Die Kimmeskamps stammen aus Essen, seit knapp 20 Jahren sind sie aber Bürger von Oberholzhausen. Wegen der „tollen Dorfgemeinschaft“ bauten sie sich im Hainaer Ortsteil 1990 zunächst ein „Jagdhaus“, dann ein Wohnhaus. Das Revier in Oberholzhausen kannte Ernst Kimmeskamp in- und auswendig. Das Revier war sein „grünes Zuhause“.

1910 hatte sein Großvater, Albert Kimmeskamp, die Jagd erstmals gepachtet. Es folgten Leo und Paul Kimmeskamp, 1952 übernahm Ernst Kimmeskamps Vater Hugo die Jagdpacht. Zusammen mit Helmut Becker übte der Vater die Jagdpacht bis ins hohe Alter aus, 1984 übernahmen sie dann die Brüder Ernst und Hugo Kimmeskamp, ab 1989 führte Ernst Kimmeskamp sie weiter, die meiste Zeit zusammen mit Klaus Welling. Aus Altersgründen gab Ernst Kimmeskamp die Jagd nun auf. Nach 31 Jahren als Mitpächter wurde auch Klaus Welling verabschiedet.

Die neuen Jagdpächter im Revier Oberholzhausen: (von links) Vater und Sohn Otto und Marc Woesthoff.

Die „Krönung“ der Pachtzeit hat Ernst Kimmeskamp am 2. August 2018 erlebt: Beim ersten Büchsenlicht am Morgen erlegt er einen 16-Ender-Kronenhirsch. „Seit Menschengedenken ist in Oberholzhausen noch nie ein so starker Hirsch erlegt worden“, sagt Jagdvorsteher Gerald Metz. In all den Jahren habe zwischen der Dorfbevölkerung und dem Jagdpächter ein „sehr gutes Einvernehmen“ bestanden, ließ Metz die vergangenen Jahre Revue passieren. Vor allem habe die Familie Kimmeskamp immer rege am Leben im Dorf teilgenommen. Nach 36 Jahren gebe Ernst Kimmeskamp die Jagd nun aus Altersgründen auf.

„Wir haben in Oberholzhausen viele nette Menschen kennengelernt und durften hier viele Freundschaften schließen“, bedankte sich Ernst Kimmeskamp.

Dankesworte richtete Jagdvorsteher Metz auch an Jagdaufseher Konrad Vöhl aus Gemünden und an Jagdgast Gerd Messerschmidt. „Unsere Jagd ist reich an Wild, und so konnte so mancher Hirsch und so manche Sau zur Strecke gebracht werden“, sagt er.

Musikalisch gestaltet wurde die Abschiedsfeier mit Jagdhornklängen von Erich Reitz und Gilbert Witt-Neuhoff. Die neuen Jagdpächter Otto und Marc Woesthoff wollen die Lücke der Familie Kimmeskamp langfristig ausfüllen. Eine neue Jagdhütte haben sie bereits gebaut.

Jagdpacht und Jagdgenossenschaft

In einer Jagdgenossenschaft sind die Grundeigentümer eines gemeinschaftlichen Jagdbezirks zusammengeschlossen. Meistens sind das Land- und Forstwirte. Theoretisch ist es möglich, dass die Jagdgenossenschaft in Eigenregie jagt. Praktisch wird das Jagdausübungsrecht an einen Jagdschein-Besitzer verpachtet. Möglich ist auch, dass mehrere Jäger gemeinsam ein Revier pachten. Der Pachtvertrag wird zwischen Jagdgenossenschaft und Pächter(n) geschlossen. Darin ist auch die Haftung für Wildschäden geregelt. Außerdem verpflichtet sich der Pächter, festgesetzte Abschussquoten einzuhalten.

(Gerhard Meiser)

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