Bei Tischbein-Ausstellung können Besucher sich kostümieren

Selfies in historischem Kleid im Kloster Haina

In eine andere Zeit schlüpfen: Diese Besucherin der Tischbein-Ausstellung im Kloster Haina hat für ein Foto eines der historischen Kleider aus der Zeit um 1800 übergezogen, ähnlich wie auf dem Porträt an der Wand.
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In eine andere Zeit schlüpfen: Diese Besucherin der Tischbein-Ausstellung im Kloster Haina hat für ein Foto eines der historischen Kleider aus der Zeit um 1800 übergezogen, ähnlich wie auf dem Porträt an der Wand.

Nach der Zwangspause wegen der Corona-Krise werden im Kloster Haina die frühgotische Klosterkirche und die alljährlich wechselnde Ausstellung über die Malerfamilie Tischbein wieder gut besucht.

Haina/Kloster - „Die Resonanz des Publikums ist stark, wir sind sehr zufrieden“, erklärte der Schatzmeister des Vereins der Freunde des Klosters Haina, Gerhard Döring. Seit der Eröffnung der Ausstellung, die auf den 20. Juni 2020 verschoben werden musste, hätten überdurchschnittlich viele Interessierte die mittelalterliche Anlage aufgesucht. „Es kamen mehr Leute als zu normalen Zeiten, offensichtlich gab es einen gewissen Nachholbedarf“, erklärte Gerhard Döring.

Die Ausstellung in einem Nebenraum des Kreuzganges ist, wie berichtet, in diesem Jahr dem Maler Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812) gewidmet, dem sogenannten Arolser Tischbein, der in der Zeit um 1800 ein in ganz Europa bekannter und gefragter Porträtist war.

Kleidungsstücke für historische Kostüme.

Die besondere Leistung des vorgestellten Johann Friedrich August Tischbein lag darin, dass er die porträtierten Persönlichkeiten nicht wie früher in steifer, repräsentativer Aufmachung zeigte, sondern in einer natürlichen, ungezwungenen Haltung, wie bei einem Schnappschuss. „Statt konventionelle Posen und charakteristische Attribute zu zeigen, konzentrierte sich Tischbein auf die Gesichter. Diese spiegelten Gefühle wider und entsprachen damit dem neuen Ideal der Empfindsamkeit“, sagt die Kasseler Kunsthistorikerin Caroline von der Osten-Sacken, die die Ausstellung kuratiert hat.

Wie die porträtierten Personen sich dabei gefühlt haben mögen, können die Besucher in der Ausstellung spielerisch nachempfinden. Caroline von der Osten-Sacken hat nach historischen Vorlagen eine Reihe typischer Kleider der Zeit um 1800 genäht und lädt dazu ein, diese Gewänder anzuziehen und in dieser historischen Kostümierung ein Selfie aufzunehmen oder ein Foto schießen zu lassen. Das Vorgehen ist mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. „Man merkt dabei, wie viele Entscheidungen ein Maler oder ein Fotograf treffen muss, um ein Porträt von einem Menschen zu schaffen, das diesem auch gerecht wird und ihn in seinem Wesen erfasst.“, sagt die Ausstellungsmacherin. (nh/mab)

Info

Die Ausstellung ist bis zum 1. November täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr in der Hainaer Klosteranlage geöffnet. Führungen durch die Klosteranlage finden bis 1. November an jedem Sonntag um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist jeweils am Klosterladen im Kreuzgang der Hainaer Anlage. Anmeldung ist nicht erforderlich. Bis Mund-Naschen-Schutz tragen und Abstand halten. klosterhaina.de

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