Anfrage an LWV zur geplanten Wohra-Renaturierung

SPD Haina: „Wohrateiche bieten jammervolles Bild“

Ist das noch ein Naturschutzgebiet?, fragt die Hainaer SPD und kritisiert den Zustand der Wohrateiche, hier der obere Teich.
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Ist das noch ein Naturschutzgebiet?, fragt die Hainaer SPD und kritisiert den Zustand der Wohrateiche, hier der obere Teich.

Die Hainaer SPD-Fraktion kritisiert den „jammervollen“ Zustand der beiden Wohrateiche und fragt den Besitzer, den Landeswohlfahrtsverband Hessen, wie der Stand der geplanten Wohrateiche ist.

Haina/Kloster – „Die Wohrateiche bei Haina bieten ein jammervolles Bild“, kritisiert die Hainaer SPD-Fraktion. „Wann sollen die geplanten Renaturierungsmaßnahmen erfolgen?“, lautet eine Anfrage der Gemeinde Haina – veranlasst durch die Fraktion – an den Grundstückseigentümer Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV).

Wie berichtet, will der LWV in Absprache mit dem Regierungspräsidium Kassel (RP) die Teiche zurückbauen und die Wohra renaturieren. Ihre Begründung: Wegen des schlechten Zustands drohen die Deiche bei Starkregen zu brechen und ein Teil Hainas zu überschwemmen. Eine Sanierung der Deiche lehnt der LWV ab, weil dies höhre Kosten und Folgenkosten bedeute, als die Renaturierung der Wohra. Die Wohrateiche zu erhalten, fordern aber die Hainaer Gemeindevertreter ebenso wie die Bürgerinitiative Rettet die Wohrateiche.

Im Oktober 2019 war zum Hochwasserschutz bereits das Wasser in beiden Teichen abgelassen worden. In den Frühjahren 2020 und 2021 wurde der untere Teich aber wieder teilweise befüllt, damit dort insbesondere Fledermäuse weiter Nahrung finden. Über den Winter wurde beziehungsweise wird das Wasser wieder abgelassen.

Dieter Schütz, Beigeordneter LWV

In den vergangenen Jahren habe „die Natur Fakten geschaffen“, kritisiert die SPD. Die Teiche vergrasten zusehends. Die ursprüngliche Flora und Fauna ändere sich. Und das in einem Bereich, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen sei – und diesen Namen jetzt wohl nicht mehr verdiene. „Was soll weiter geschehen? Wann gibt es weitere Informationen?“, fragt die Hainaer SPD den LWV. Geplant sei, die Antragsunterlagen für den Rückbau der Teiche bei der Oberen Wasserbehörde des RP in diesem Herbst einzureichen, lautet die Antwort des LWV-Beigeordneten Dieter Schütz. Er erinnert daran, dass sich im „laufenden Verfahren mehrere Unwägbarkeiten“ ergeben hatten“. So mussten zum Beispiel Belange des Artenschutzes umfangreich geprüft werden. Wie berichtet, wurden unten anderem mehrere Fledermaus-Gutachten erstellt.

Wann die Renaturierungsarbeiten beginnen, das hänge dann vom Genehmigungsverfahren des RP ab, sagt Schütz. Die Öffentlichkeit werde nach Abschluss der Planungsarbeiten weiter informiert. Ein Zwischenergebnis mitzuteilen, sei nicht vorgesehen. » 

LWV und RP: „Hochwasserschutz war von Anfang Grund für Rückbau“

Gegner des Rückbaus der Hainaer Wohrateichen hatten bisher – anders als die Obere Wasserbehörde – keine Überschwemmungsgefahr für Haina bei Starkregen gesehen. Nach der Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland Mitte Juli schreibt die Bürgerinitiative Rettet die Wohrateiche (BI) nun auf ihrer Homepage: „Drohen infolge der ungebremsten Klimakrise Überflutungen auch im oberen Wohratal?“

Sie wirft dem LWV vor, neben seinem „naiven und längst an der Realität und dem Bundesnaturschutzgesetz gescheiterten Konzept einer Renaturierung“ keinerlei Überlegungen anzustellen, „die Teiche in ein Hochwasserschutzkonzept konstruktiv einzubeziehen“, während andernorts Rückhaltebecken angelegt würden. Dazu sagt der LWV auf HNA-Anfrage: „Der Hochwasserschutz war von Anfang an der Grund für den Rückbau der Stauteichanlage. Er stellt eine Möglichkeit der Gefahrenabwehr dar, wie es sowohl der LWV als auch das Regierungspräsidium immer betont haben. Mit der geplanten Renaturierung soll das Tal retentionsfähig gemacht werden, so dass Starkregen aufgenommen werden kann.“

Das RP Kassel als Obere Wasserbehörde sagt zu den Vorwürfen der BI: „Extreme Starkregen-Ereignisse und die damit einhergehenden potenziellen Versagensmechanismen der Dammbauwerke und Betriebseinrichtungen waren gerade Argumente für die zu betreibende endgültige Außergefahrsetzung der beiden Stauanlagen. Fakt ist, dass die Talsperrenaufsicht ihre Verantwortung wahrnimmt und die Gefahrenlage bei Starkregen/Extremhochwasser nie kleingeredet hat.“

Die beiden Stauteiche hätten keine Hochwasserschutzfunktion.

Unter dem Eindruck der Hochwasser-Katastrophe im Westdeutschland habe die Gemeinde Haina beim Land Fließpfadkarten bestellt, die aufzeigen, welche Straßen oder Plätze bei Starkregen besonders gefährdet sein können, teilte Bürgermeister Alexander Köhler kürzlich der Gemeindevertretung mit. Allerdings herrsche ein Run der Kommunen auf diese Karten, so dass die Gemeinde erst im Frühjahr mit dem Erhalt rechne. Von Martina Biedenbach

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