Therapie mit Blumen

Wie die Gärtnerei von Vitos Haina Forensik-Patienten auf ihre Entlassung vorbereitet

Garten- und Therapiearbeit: Sabine und Jörg Winkler präsentieren Blumen, die sie mit Patienten der Hainaer Forensik angesät und aufgezogen haben.
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Garten- und Therapiearbeit: Sabine und Jörg Winkler präsentieren Blumen, die sie mit Patienten der Hainaer Forensik angesät und aufgezogen haben.

Wie Gärtnerarbeiten helfen können, psychisch kranke Straftäter auf ihre Entlassung vorzubereiten, das schildern Mitarbeiter von Vitos Haina.

Haina/Kloster – Unter den Kuppeln der Gewächshäuser in der Dr.-Otto-Kahm-Straße sind alle Weichen auf Frühling gestellt: Die Mitarbeiter der Gärtnerei der Klinik für forensische Psychiatrie Haina bereiten sich seit Wochen auf das Osterfest und die wärmere Jahreszeit vor. Auf dem weitläufigen Gelände hinter dem DGH gedeihen Frühlingsblumen und saisonale Gemüsesorten.

Jörg Winkler ist Gärtnermeister bei Vitos Haina, kümmert sich schon seit gut 20 Jahren um die Bewirtschaftung von 800 Quadratmetern Nutzfläche und betreut Patienten, die sich im Maßregelvollzug befinden. Auf ihrem Weg in ein straffreies Leben durchlaufen sie mehrere Lockerungsstufen. Rückt die Entlassung näher, haben die psychisch kranken Menschen unter anderem die Möglichkeit, als Teil der Ergotherapie in der Gärtnerei zu arbeiten.

„Die Therapie steht klar im Vordergrund. Der eigentliche Verkauf selbstgezogener Jungpflanzen ist Mittel zum Zweck. Teamarbeit, eigene Grenzen kennenlernen, Kritikfähigkeit und Kontaktfähigkeit sind einige der wesentlichen primären Lernfelder“, schildert Winkler den Arbeitsschwerpunkt. Das Angebot in der Hainaer Gärtnerei sei zwar vergleichsweise klein, aber dafür werde alles selbst hergestellt. Die Aufgaben der Patienten sind vielfältig: Neben dem Aussäen, Eintopfen, Gießen, Unkrautjäten und dem Mischen von Substraten müssen das Gelände sauber gehalten und der Rasen gemäht werden.

Jeder wird den eigenen Fähigkeiten entsprechend mit einer Aufgabe betraut und die Einarbeitung erfolgt nach Belastungserprobung Stück für Stück. Bis zu 18 Patienten gehen in der Gärtnerei einem strukturierten Arbeitstag nach. „Doch was für andere Alltag ist, hat für die psychisch kranken Frauen und Männer eine ganz andere Bedeutung: Einer Tätigkeit verlässlich nachzugehen, ist für sie ein Schritt in Richtung Entlassung aus dem Maßregelvollzug und hinein in ein selbstständiges Leben“, sagt Winkler.

Der Gärtnermeister wird unterstützt von den Ergotherapeuten Evelyn Isgen und Michael Daub sowie seiner Ehefrau Sabine, ebenfalls Gärtnermeisterin. Ihr Bereich ist das Ladengeschäft. Der Laden ist ein Berührungspunkt von Psychiatrie und alltäglicher Lebenswelt – gelebte Inklusion.

Die positiven Rückmeldungen der Kunden seien wichtig für die Patienten und bedeute Wertschätzung für das, was sie hergestellt haben“, berichtet Sabine Winkler. „Menschen zahlen Geld für Kreationen der Patienten. Das stärkt die positive Selbstwahrnehmung.“ Das gelte ebenso für die von Patienten – auch in der Beschäftigungstherapie sowie in Schreinerei und Malerei – geschaffenen Dekoartikel.

Von Martina Biedenbach

Service

Der Laden ist montags bis freitags von 8 bis 11 Uhr und 13 bis 15 Uhr geöffnet; samstags und sonntags geschlossen, Tel. 0 64 56/91 242

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