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Vitos baut Forensik-Klinik in Haina neu

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Von: Martina Biedenbach

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Der Standort: Im direkten Anschluss an das Klinikgebäude G2 (links) wird der Neubau errichtet, auf dem Areal rechts. Das derzeit noch genutzte Verwaltungsgebäude (rechts unten) wird im Frühsommer abgerissen.
Der Standort: Im direkten Anschluss an das Klinikgebäude G2 (links) wird der Neubau errichtet, auf dem Areal rechts. Das derzeit noch genutzte Verwaltungsgebäude (rechts unten) wird im Frühsommer abgerissen. © Vitos

Vitos Haina errichtet in den nächsten drei Jahren im Hoher-Lohr-Weg in Haina einen Ersatzneubau für die Klinik für forensische Psychiatrie – eine Investition im „hohen zweistelligen Millionenbereich“.

Haina/Kloster - Sieben Stationen mit Platz für 150 forensische Patienten, eine dreijährige Bauphase und eine Investitionssumme im hohen zweistelligen Millionenbereich: Dies sind die Eckdaten des von Vitos Haina geplanten Ersatzneubaus für die Klinik für forensische Psychiatrie.

„In Haina wird eines der modernsten Klinikgebäude Deutschlands für die Behandlung psychisch kranker Straftäter entstehen“, verspricht Geschäftsführer Matthias Müller. „Wir schaffen in dem neuen Gebäude ein Therapieumfeld, von dem die Patienten deutlich profitieren werden“, erklärt Ärztliche Direktorin Dr. Beate Eusterschulte.

Die genaue Summe der Kosten teilte Vitos nicht mit. In jedem Fall ist es das größte Einzelprojekt, das Vitos Haina in seiner 2019 vorgestellten strategisch-baulichen Zielplanung zur Modernisierung des Psychiatrie-Standorts Haina vorsieht. Zu dem Großprojekt teilt Vitos folgende Details mit:

Grund für den Neubau

„Die Vitos-Klinik für forensische Psychiatrie Haina mit ihrem Außenstandort in Gießen ist mit insgesamt 415 Behandlungsplätzen, davon rund 230 in Haina, die größte Maßregelvollzugseinrichtung in Hessen. In Haina sind die Stationen aktuell auf mehrere Gebäude verteilt, die zum Großteil unter Denkmalschutz stehen. „Die Struktur mit zum Teil Drei- oder sogar Vier-Bett-Zimmern entspricht nicht den heutigen Unterbringungsanforderungen“, erläutert die Ärztliche Direktorin. „Wenig funktionale Stationsräume verhindern die optimale Gestaltung der Abläufe.“

Der Neubau: Rechts der Neubaukomplex mit sieben Stationen und Sicherheitsbereich, links das Altbaugebäude G2.
Der Neubau: Rechts der Neubaukomplex mit sieben Stationen und Sicherheitsbereich, links das Altbaugebäude G2. © SP Gerlach Schneider Partner Architekten

Seit 2018 hat Vitos deshalb gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der Fachaufsicht des Maßregelvollzuges in Hessen und damit auch Kostenträger, die Modernisierung der Klinik geplant (wir berichteten). Weil mit einer Sanierung des Altbestandes die gewünschte Modernisierung nicht erreicht werde, sieht das Konzept einen Ersatzneubau in direkter Anbindung an das bestehende Klinikgebäude (G2) im Hoher-Lohr-Weg in Richtung Friedhof vor.

Pläne für den Neubau

Das fünfgeschossige Gebäude gliedert sich in sieben Stationen. In dem Komplex werden eine Sicherheitszentrale – eine Schleuse, in der alle hinein- und hinausgehenden Personen kontrolliert werden – , eine Sporthalle sowie Räume für Therapieangebote integriert. Die Nutzfläche des Neubaus beträgt rund 7000 Quadratmeter. Die Entwürfe sehen eine Bruttogeschossfläche, ohne Freianlagen, von mehr als 11 000 Quadratmetern vor. In die Planung sei auch der Denkmalschutz eingebunden. „Der Neubau mit klaren Formen wird sich harmonisch an den Altbestand mit dem Klinikgebäude G2 anfügen“, sagt Müller.

Pläne für das Altgebäude

Im Altbestand wird es zu Umstrukturierungen kommen, einzelne Gebäude werden aufgegeben. 80 der 230 Forensikpatienten bleiben in bestehenden Gebäuden.

Der Bauzeitenplan

Der Neubau erfordert eine Änderung des Bebauungsplanes. Aktuell läuft das Bauleitverfahren. Die Träger öffentlicher Belange wurden angehört. „Noch im Laufe des Frühjahrs werden wir den Bauantrag einreichen“, erklärt Geschäftsführer Müller. Baubeginn sei für Herbst 2022 vorgesehen, Abschluss der Rohbauarbeiten im Winter 2023, Fertigstellung und Inbetriebnahme des Ersatzneubaus im Frühjahr 2025.

Die ersten vorbereitenden Maßnahmen auf dem Baufeld sollen nächste Woche beginnen. Dazu zählen unter anderem die Freimachung des Areals. In dem Bereich stehen auch alte Apfelbäume, deren Fällung Naturschutzvertreter kritisiert hatten (wir berichteten). Die Untere Naturschutzbehörde hat laut Vitos der Räumung des Areals zugestimmt. Vitos Haina sei zu Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet.

Dem Neubau steht auch ein Gebäude im Weg, in dem aktuell Teile der Verwaltung von Vitos Haina untergebracht sind. Der Abriss ist für den Frühsommer terminiert. Die Abteilungen werden im Frühjahr eine andere Immobilie auf dem Campus beziehen.

Hainas Bürgermeister Alexander Köhler sagt auf Anfrage, dass die Bauleitplanung eventuell in der Gemeindevertretersitzung im März auf der Tagesordnung stehe. Er betont: „Wie bei jeder Neubaumaßnahme im gewerblichen und privaten Bereich ist damit ein Eingriff in Landschaft und Ortsbild verbunden. Sie sichert aber langfristig viele Arbeitsplätze am Standort Haina und ist somit für die Substanz unserer Gemeinde existenziell.“

Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina

Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina ist die größte Maßregelvollzugseinrichtung in Hessen und eine der größten Einrichtungen in Westeuropa. An den Klinikstandorten in Haina und Gießen stehen insgesamt 415 Behandlungsplätze für psychisch kranke Menschen, die eine Straftat begangen haben, zur Verfügung.

Geleitet wird die Klinik von der Ärztlichen Direktorin Dr. Beate Eusterschulte. Pflegedirektorin ist Gudrun Gaertner. Die Klinik besteht seit 1977 und ist weltweit vernetzt. Mit internationaler Kooperation betreiben die Mitarbeitenden auch wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie.

Weitere Projekte von Vitos Haina

Vitos Haina plant eine Runderneuerung des Psychiatriestandorts Haina. Neben dem oben vorgestellten Forensik-Neubau ist auch ein Teilneubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Allgemeinpsychiatrie) geplant. „Aktuell befinden wir uns in der Detailplanung. Der Baubeginn ist spätestens für das Jahr 2023 vorgesehen“, sagt Geschäftsführer Matthias Müller.

Die Allgemeinpsychiatrie weitet auch die gemeindenahe psychiatrische Versorgung aus. Der Neubau der Tagesklinik mit Ambulanz in Bad Wildungen soll diesen Herbst bezogen werden. Noch in diesem Jahr soll auch eine psychiatrische Ambulanz in Frankenberg eröffnet werden. Dazu will Vitos in Kürze Näheres bekanntgeben, hieß es am Freitag auf Anfrage.

Erweitert wird auch der Bereich begleitende Dienste (BPD). Auf dem Campus in Haina entsteht ein Apartmenthaus. In Gemünden ist ein Neubau für Betreutes Wohnen geplant. Vorgesehen sind weitere Neubauten in Nordhessen. Wie berichtet, hat Haina vor kurzem die BPD-Betriebsstätte Kurhessen übernommen.

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