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Vitos Haina investiert 75 Millionen Euro in zwei Klinikneubauten

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Von: Martina Biedenbach

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Vitos Haina hat Pläne für den Neubau der Klinik für forensische Psychiatrie vorgestellt.  Mehr als 60 Millionen Euro fließen in den Ersatzneubau  – hier in der Visualisierung dargestellt. Im Vordergrund der mehrgeschossige Neubau, im Hintergrund Altgebäude und die Hainaer Klosterkirche.
Vitos Haina hat Pläne für den Neubau der Klinik für forensische Psychiatrie vorgestellt. Mehr als 60 Millionen Euro fließen in den Ersatzneubau – hier in der Visualisierung dargestellt. © Visualisierung: GSP Gerlach Schneider Partner Architekten

Vitos Haina hat die Planungen der Neubauten für die Klinik für forensische Psychiatrie und die Erwachsenen-Psychiatrie vorgestellt, für die Investitionen von 75 Millionen Euro vorgesehen sind.

Haina/Kloster – Vor fast genau drei Jahren präsentierte Vitos Haina seine Ideen zur Runderneuerung des Psychiatriestandorts Haina. Details zu den Plänen für die beiden größten Baumaßnahmen dieser strategisch-baulichen Zielplanung – der Ersatzneubau der Klinik für forensische Psychiatrie und ein Teilneubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie – stellte Vitos Haina am Donnerstag der Öffentlichkeit in Form einer Infomesse im Rosengarten des Hainaer Klosterkomplexes vor.

Für beide Projekte zusammen sind Kosten von 75 Millionen Euro vorgesehen – der größte Teil, über 60 Millionen Euro, fließt in den Forensikneubau (siehe unten), über den bereits im Mai informiert wurde (HNA berichtete).

Erstmals öffentlich vorgestellt hat Vitos hingegen am Donnerstag „die weitgehend abgeschlossenen Pläne“ für den Neubau die Erwachsenen-Psychiatrie. „Der Bauantrag dafür wurde inzwischen eingereicht. Nach Genehmigung sollen die Arbeiten im Frühjahr 2023 starten“, sagt Matthias Müller, Geschäftsführer von Vitos Haina. Der Bezug ist für Ende 2024 geplant.

Neubau Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina: So soll das neue Gebäude für die Erwachsenen-Psychiatrie aussehen, das mit Haus I eine Einheit bilden soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2024 geplant.
Neubau Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina: So soll das neue Gebäude für die Erwachsenen-Psychiatrie aussehen, das mit Haus I eine Einheit bilden soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2024 geplant. © Visualisierung: WRL Architekten/nh

Laut Vitos schließt der Neubau direkt an Haus I in Richtung Königsteich an. Die neue Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie gliedert sich in zwei Einheiten: In Haus I und dem Neubau wird die Akutpsychiatrie mit Akutstation, den Stationen für sucht- und abhängigkeitserkrankte sowie für intelligenzgeminderte Patienten sowie die Gerontopsychiatrie organisiert. Nach Bezug folgt die Grundsanierung von Haus II (Altgebäude), das nach Abschluss der Arbeiten als psychotherapeutisches und psychosomatisches Zentrum betrieben werden soll. Es werde keine eigenständige psychosomatische Klinik geben. Stattdessen würden Psychotherapie und Psychosomatik auf zwei Stationen verzahnt. „Mit der Detailplanung der Grundsanierung von Haus II soll noch in diesem Jahr begonnen werden“, kündigte Müller an.

Direkter Anbau: An das bisherige Haus I soll links in Richtung Königssteich der Neubau für die Erwachsenen-Psychiatrie anschließen.
Direkter Anbau: An das bisherige Haus I soll links in Richtung Königssteich der Neubau für die Erwachsenen-Psychiatrie anschließen. © Stefan Betzler

Vitos-Bauprojekte: Nachhaltigkeit durch Freiflächen-Photovoltaikanlage

Entsprechend dem Leitbild des Unternehmens lege Vitos Wert darauf, „nachhaltig und ressourcenschonend zu handeln“, betont der Geschäftsführer. Deshalb sei für die beiden Bauprojekte ein 60 Maßnahmen umfassendes Umweltkonzept vereinbart worden – von der Mülltrennung bis zur Nutzung erneuerbarer Energien. Auf erneuerbare Energien setze Vitos Haina seit mehr als 20 Jahren mit der Wärmeversorgung auf dem Campus über eine Holzhackschnitzelanlage.

Neben der grundlegenden Optimierung der Wärmeversorgung soll laut Müller künftig auch Grüner Strom erzeugt werden. In Richtung Herbelhausen soll eine Freiflächen-Photovoltaikanlage errichtet werden. „Unser Ziel ist es, den Einsatz fossiler Energien größtmöglich zu reduzieren“, sagt Müller.

Im Zuge der Genehmigung der Bauanträge seien diverse Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe in die Natur festgeschrieben. So sei unter anderem die Neuanlage der Streuobstwiese geplant, darüber hinaus seien auch Flächenstilllegungen vereinbart.

Ersatzneubau für Forensik: „Eines der modernsten Klinikgebäude Deutschlands“

Spätestens im Oktober sollen die Bauarbeiten für den Forensikneubau am Hoher-Lohr-Weg in Haina beginnen. „In den nächsten drei Jahren wird eines der modernsten Klinikgebäude Deutschlands für die Behandlung psychisch kranker Straftäter entstehen“, verspricht Matthias Müller, Geschäftsführer von Vitos Haina. „Wir schaffen in dem neuen Gebäude ein Therapieumfeld, von dem die Patientinnen und Patienten deutlich profitieren werden.“

Ersatzneubau Forensik: Der neue Gebäudekomplex (rechts) schließt sich an die Schleuse zu den bisherigen Forensikgebäuden an. Der fünfstöcke Gebäudeteil enthält die Stationen, der Flachbau die Sicherheitszentrale und Sporthalle.
Ersatzneubau Forensik: Der neue Gebäudekomplex (rechts) schließt sich an die Schleuse zu den bisherigen Forensikgebäuden an. Der fünfstöcke Gebäudeteil enthält die Stationen, der Flachbau die Sicherheitszentrale und Sporthalle. © Visualisierung: GSP Gerlach Schneider Partner Architekten

Den Grund für den Ersatzneubau erläutert er so: Die Vitos-Klinik für forensische Psychiatrie Haina mit ihrem Standort in Gießen ist mit insgesamt 415 Behandlungsplätzen die größte Maßregelvollzugseinrichtung in Hessen. In Haina sind die Stationen aktuell auf mehrere Gebäude verteilt, die zum Großteil unter Denkmalschutz stehen. Die Struktur mit zum Teil Drei- oder sogar Vier-Bett-Zimmern entspricht nicht den heutigen Unterbringungsanforderungen. Wenig funktionale Stationsräume verhindern die optimale Gestaltung der Abläufe.

Aktuell werden am Standort Haina mehr als 230 psychisch kranke Menschen, die eine Straftat begangen haben, behandelt. Das Raumkonzept des Neubaus sieht sieben Stationen mit jeweils 18 Betten und Funktionsreserven vor. In Summe sind dies rund 150 Behandlungsplätze. Hinzu kommen Räume für Therapieangebote.

Die Nutzfläche des Neubaus beträgt rund 7000 Quadratmeter. Die Planungen sehen eine Bruttogeschossfläche, ohne Freianlagen, von mehr als 11 000 Quadratmetern vor. Der Bau ist fünfstöckig mit nach vorne liegender, einstöckiger Sicherheitszentrale und Sporthalle. „In die Planung ist der Denkmalschutz eingebunden. Der moderne Neubau mit klaren Formen wird sich harmonisch an den Altbestand anfügen“, sagt Müller.

Neubau für Forensik: Keine Erweiterung der Behandlungskapazitäten

Der Altbestand wird nach dem Bezug des Neubaus in Teilen stillgelegt. Um auf Belegungsspitzen reagieren zu können, soll ein Gebäude mit zwei Stationen als Notfallreserve vorgehalten werden. Eine Erweiterung der Behandlungskapazitäten ist nicht geplant. „Limitierender Faktor für eine mögliche Nutzung ist das Personal“, erläutert der Geschäftsführer.

Wie berichtete, hatte Vitos – in Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden – bereits Anfang des Jahres mit der Vorbereitung des Baufeldes im Hoher-Lohr-Weg begonnen. „Da nun die Teilbaugenehmigung vorliegt, beginnen spätestens Anfang Oktober die eigentlichen Erdarbeiten“, sagt Müller. Ein Teil der Erde werde später wieder verbaut, der Großteil müsse jedoch entsorgt werden, so sähen es die Auflagen der Genehmigungsbehörden vor. „In Anbetracht des Volumens ist in den nächsten Wochen mit erheblichem Baustellenverkehr zu rechnen“, kündigt Müller an.

„Weder ein Neubau für eine forensische Klinik noch ein Neubau für eine moderne Erwachsenen-Psychiatrie sind Vorhaben von der Stange“, sagt Vitos-Geschäftsführer Matthias Müller und dankt allen Unterstützern, insbesondere aber dem Team von Vitos Haina, das sich bei der Planung intensiv eingebracht habe. Die Optimierung der Behandlung psychisch kranker Menschen sei der Hintergrund der Maßnahmen. Sowohl in der forensischen Psychiatrie als auch in der Erwachsenenpsychiatrie böten die Neubauten Strukturen, um noch personenzentrierter und individueller agieren zu können. (Martina Biedenbach)

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