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Vor 60 Jahren: Wie der Traum vom Kneipp-Ort in Löhlbach platzte

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Von: Martina Biedenbach

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Großes Projekt für Löhlbach: In diesem Bereich südlich von Löhlbach sollte der Kurpark mit Kneippkur-Anlage errichtet werden, später wurde dort das Freibad errichtet. Das Bild stammt aus dem Jahr 1965. Repros: Heinz Brück
Großes Projekt für Löhlbach: In diesem Bereich südlich von Löhlbach sollte der Kurpark mit Kneippkur-Anlage errichtet werden, später wurde dort das Freibad errichtet. Das Bild stammt aus dem Jahr 1965. © Repro: Heinz Brück

Vor 60 Jahren, am 18. August 1962, scheiterte der Plan des Arztes Dr. Nehls, in Löhlbach eine Anlage für Kneippkuren zu errichten. Heinz Brück erinnert an das Projekt im damaligen Ferienort.

Löhlbach – Dr. Reinhold Nehls (1915 bis 2002), Arzt für Naturheilverfahren, kam 1948 nach Löhlbach. Er war der erste Mediziner, der sich in dem Kellerwaldort niederließ. Bereits seit 1955 beschäftigte er sich mit dem Plan, in Löhlbach eine Anlage für Kneippkuren zu errichten. Es sollte ein Behandlungszentrum für bis zu 350 Patienten werden.

Die Vorbereitung

Zur Vorbereitung besuchte er insgesamt 84 Kuranstalten und Kneipp-Kur-Kliniken in Deutschland und Österreich, außerdem nahm er an vielen Fort- und Ausbildungslehrgänge zu diesem Kurverfahren, das Heileffekte mittels kalten Wassers zum Ziel hat. Gleichzeitig trieb er die konkreten baulichen Voraussetzungen voran.

Das Grundstück

Dr. Nehls hatte von der Gemeinde Löhlbach ein Grundstück von 7500 Quadratmetern zwischen Kirchberg und Dicker Hecke, dem heutigen Schwimmbadgelände, in Südlage in Aussicht gestellt bekommen. Es stammte aus einem Tauschhandel mit dem Landeswohlfahrtsverband, der 1961 getätigt worden war: Die Gemeinde erhielt ein zehn Hektar großes Waldstück am Kirchberg, der LWV als Tauschobjekt ein acht Hektar großes Waldstück zur Abrundung seines Besitzes. Der LWV zahlte zusätzlich 25 000 Mark, da in dem Waldstück am Kirchberg 1959 große Windbruchschäden entstanden waren.

Der Ferienort

Die Gemeinde wollte das Gelände am Kirchberg zu einem Naturpark ausgestalten, in dem die Feriengäste, deren Zahl jährlich wuchs, spazieren gehen, Ruhe und Erholung finden könnten. Bürgermeister Karl Debus wollte Löhlbach als Ferienregion noch beliebter machen. Die Übernachtungszahlen lagen 1961 bei zirka 16 000, wobei die Pensionen nur in den Sommermonaten belegt waren.

Der örtliche Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte in dem Bereich am Kirchberg Wege angelegt, Bänke aufgestellt und Bäume gepflanzt, ebenso im Bereich Dicke Hecke. Dort entstanden 2000 Meter Wanderwege, die zum größten Teil im Schatten lagen. Dadurch erhielt die Dicke Hecke den Spitznamen Kurpark, der sich bis heute erhalten hat.

Nehls Vorgehen

Das Nehls von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Grundstück, welches eine nasse Wiese war, brachte der Arzt auf eigene Kosten durch Einbau von Drainagen, Tieferlegen des Vorflutgrabens und Anfahren von Erde in einen baureifen Zustand. Gleichzeitig wurde eine Zwei-Zoll-Wasserleitung von 135 Metern Länge vom Überlauf des Hochbehälters auf dem Kirchberg verlegt.

Durch das Erstellen von Bauzeichnungen und Statiken wurde die Planung für das Kneipp-Behandlungszentrum für 150 bis 350 Patienten zum Abschluss gebracht. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein versprach, Nehls mit 1000 kostenlosen Arbeitsstunden beim Bau der Einrichtung zu unterstützen.

Viele Löhlbacher griffen Nehls Pläne auf und richteten Fremdenzimmer ein. Die meisten Pensionen besaßen inzwischen neben Schlafzimmern auch einen Aufenthalts- und Essraum für die Gäste. Allerdings ist der damalige Standard nicht mit den ungleich höheren heutigen Ansprüchen an Fremdenverkehrsbetriebe zu vergleichen.

Prüfung durch das Land

Mit dem Bau der Kneipp-Einrichtung sollte begonnen werden, sobald die hessische Landesregierung die Zusage einer Darlehensbewilligung gegeben hätte. Dafür musste Löhlbach vom Land als Kneipp-Kurort anerkannt werden. Einen entsprechenden Antrag hatte die Gemeinde auf Initiative des Verkehrsvereins bereits frühzeitig gestellt. Im März 1962 sahen sich der hessische Ministerpräsident Dr. Georg-August Zinn und Vertreter der Fremdenverkehrsbehörde des Landes mit Oberregierungsrat Dr. Kreutzmann an der Spitze die Lage vor Ort an. Zinn begrüßte den Plan. Nach eingehender Information durch den Löhlbacher Arzt stellte auch Dr. Kreutzmann fest, das Geld des Landes sei für die Pläne gut angelegt. Zahlreiche vorhandene Wanderwege, Ruhebänke und Pensionen ließen keinen Zweifel an der Rentabilität einer Kneippkur-Anlage in Löhlbach aufkommen.

Das Aus

Alles sah gut aus – bis zur Löhlbacher Gemeindevertretersitzung am 18. August 1962. In der Sitzung wurden Nehls hohe Auflagen für einen Erbpachtvertrag gestellt, der für die Überlassung des Geländes an ihn abgeschlossen werden sollte. Die Gemeinde wollte wegen zurückgehender Ergiebigkeit der Wasserquellen nur dann Wasser für die Kneipp-Anlage zur Verfügung stellen, wenn die Quellen eine Leistung von 150 Kubikmeter pro Tag brachten. Zudem sollte Nehls pro Patient und Tag eine Kurabgabe von 50 Pfennig leisten.

Der Arzt legte eine Aufstellung vor, wonach er bei einer solchen Abgabe in 15 Jahren 783 750 Mark zu zahlen hätte. Er ging er in seiner Rechnung davon aus, dass zunächst 150 Kurgäste aufgenommen werden und ab dem 5. Jahr dann 350 Gäste. Nehls verkündete: „Meine Herren, dies ist mir beim besten Willen nicht möglich! Hiermit ziehe ich meinen Bauantrag zurück. In Löhlbach wird keine Kneippkur-Anstalt gebaut!“

Vor den Augen der Gemeindevertreter zerriss Nehls den Vertragsentwurf und verließ den Sitzungssaal. Betretenes Schweigen herrschte hiernach im Sitzungssaal. Vermittlungsversuche von Landrat Heinrich Kohl führten zu keiner Einigung. Trotz der bereits getätigten hohen Investitionen blieb Nehls bei seiner Entscheidung.

Statt Kuranlage entstand das Waldschwimmbad

Nachdem der Bau einer Kneippkur-Anlage gescheitert war, begann die Gemeinde Löhlbach nach Beruhigung der Gemüter und bei weiter steigenden Übernachtungszahlen, die Idee eines Freibades voranzutreiben und umzusetzen. 1970 war es dann so weit, dass das Löhlbacher Waldschwimmbad, mit 24 Grad Wassertemperatur beheizt, als ein modernes Schwimmbad seinen Betrieb aufnahm.

Peter Schmiedel war der erste Schwimmmeister, welcher die Aufsicht über den Schwimmbetrieb und die Betreuung der Anlage übernahm. Herr Scholz, wohnhaft im Grünen Weg, wurde Kassierer. Den Kiosk übernahmen Helmut und Erika Lüdde aus Löhlbach. Später wurde dann Hermann Frank Kassierer, welcher dieses Amt mit viel Engagement betrieb. Seine Frau Käthe übernahm den Kiosk. Die Franks zogen sich nach über 20-jähriger Tätigkeit im Schwimmbad in den Ruhestand zurück. Ihre Nachfolger für den Kiosk wurden Elfriede Küster und Burglinde Braun, beide aus Löhlbach.

Einweihung: Viele Besucher kamen 1970 zur Eröffnung des Löhlbacher Waldschwimmbades. Repros: Heinz Brück
Einweihung: Viele Besucher kamen 1970 zur Eröffnung des Löhlbacher Waldschwimmbades. © Repro: Heinz Brück

Jürgen Heuer aus Frankenau wurde als Kassierer Nachfolger von Hermann Frank. Seit 2021 steht ein Kassenautomat im Eingangsbereich.

1994 löste Johann Ruhl Peter Schmiedel als Schwimmmeister ab und blieb es bis zum Ruhestand 2011. Beide haben großen Anteil am guten Ruf und am guten Allgemeinzustand des Waldschwimmbades. Nach Ruhls Ausscheiden war die Badeaufsicht durch die Energie-Gesellschaft Frankenberg sichergestellt. Mit Burkhard Siegfried wurde dann ein neuer Schwimmmeister gefunden. Nachdem dieser aus gesundheitlichen Gründen aufhörte, übernahm Günter Schmiedel den Posten.

In der Vergangenheit erlebte das Schwimmbad viele Höhepunkte: Flutlichtschwimmen, Discopartys und eine Sendung der Hessenschau vom Freibad aus.

Familientag am 20. August

Ein Familientag mit Kinderspielen und Livemusik findet am Samstag, 20. August ab 13 Uhr bis in die Nacht hinein im Löhlbacher Freibad statt.

Von Martina Biedenbach

Bei der Einweihung des Löhlbacher Freibades war auch der Arzt Dr. Nehls (rechts) dabei, der auf dem Gelände eigentlich eine Kneippkur-Anlage bauen wollte. Das Bild zeigt ihn mit (von links): Gustav Klawe, Marianne Nehls und Margit Klawe.
Bei der Einweihung des Löhlbacher Freibades war auch der Arzt Dr. Nehls (rechts) dabei, der auf dem Gelände eigentlich eine Kneippkur-Anlage bauen wollte. Das Bild zeigt ihn mit (von links): Gustav Klawe, Marianne Nehls und Margit Klawe. © Repro: Heinz Brück

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