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Wie ein Wunder: Zufällig vorbeikommende Notfallsanitäterin rettet Mann in Haina das Leben

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Von: Martina Biedenbach

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Dankbar für die lebensrettende Hilfe in Haina. Das Ehepaar Helmuth und Barbara Metz aus Hattersheim sitzt nebeneinander in einem Garten.
Dankbar für die lebensrettende Hilfe in Haina. Das Ehepaar Helmuth und Barbara Metz aus Hattersheim. Hier bei einem Aufenthalt in einem Garten bei Köln. © Oliver Günther

Ein 66-Jähriger aus Hattersheim hatte in Haina einen plötzlichen Herzstillstand. Dass er noch lebt, verdankt er schneller Hilfe vor Ort.

Haina/Hattersheim – Den 11. Juli 2022 werden Helmuth und Barbara Metz nicht vergessen. Das Ehepaar war gegen 9 Uhr mit dem Auto in Hattersheim in Südhessen gestartet. „Wir wollten uns in Waldeck am Edersee ein Ferienhäuschen ansehen, in dem wir im Herbst Urlaub machen wollten“, schildert die 64-jährige Barbara Metz unserer Zeitung.

Gegen 11 Uhr fuhr das Rentnerpaar auf dem Weg dorthin auf der Poststraße durch Haina. „Wir sind bald da“, sagte ihr 66-jähriger Ehemann, der am Steuer saß. Plötzlich, aus heiterem Himmel, sackte er am Lenkrad zusammen. „Was ist mit Dir?“, fragte die Ehefrau. Als er nicht antwortete, griff sie ins Steuer, lenkte das Autos weg von der Gegenfahrbahn und nahm seinen Fuß vom Gaspedal. Das Auto kam am Ortsausgang Richtung Löhlbach zum Stehen. Sie merkte, dass ihr Mann bewusstlos war, stieg aus und rief in ihrem Schreck lautstark um Hilfe.

Das Ehepaar Anna-Lena und Pierre Zappe aus Giflitz kam gerade von einem Arztbesuch und eilte herbei. „Ich habe die Autotür geöffnet. Wir haben festgestellt, dass der Mann nicht mehr atmet“, schildert Anna-Lena Zappe. Der Zufall – und das war das große Glück für Helmuth Metz – wollte es, dass Marlies Przyklenk aus Sehlen gerade mit dem Auto auf dem Weg nach Fritzlar war. Sie ist von Beruf Notfallsanitäterin beim DRK Bad Wildungen. Als die 31-Jährige die Menschen auf der Straße sah, eilt sie hinzu. Helmuth Metz wurde aus dem Auto gezogen und auf die Straße gelegt. Die Notfallsanitäterin begann mit der Reanimation mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Sie wurde dabei von einem Mann unterstützt, der eine Erste-Hilfe-Reanimationsgesichtsmaske dabei hatte. Diese schützt Helfer vor Ansteckungen. Es gelang ihnen, dass der Patient zeitweise wieder atmete, schildert sie. Wer dieser Helfer war, weiß sie nicht. Vielleicht ein Förster, vermutet sie.

Porträtfoto von Marlies Przyklenk, Notfallsanitäterin aus Gemünden-Sehlen.
Marlies Przyklenk: Die Notfallsanitäterin aus Gemünden-Sehlen kam zufällig privat vorbei und rettet Helmuth Metz das Leben. © Marlies Przyklenk (Selfie)

Herzstillstand in Haina: Team der Psychiatrischen Klinik eilt mit Defibrillator herbei

Barbara Metz rief den Rettungsdienst an, Marlies Przyklenk ließ sich das Handy ans Ohr halten und informierte ihre Kollegen gezielt über die Situation. Inzwischen eilte ein Team mit Pflegekräften und Ärzten der Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit dem Notfallkoffer herbei und setzte den Defibrillator ein. Gemeinsam versorgten sie den 66-Jährigen, bis der Rettungswagen kam. Dort wurde er weiter behandelt. „Für mich dauerte es eine Ewigkeit, bis der erlösende Satz kam: ,Er atmet wieder’“, schildert Barbara Metz. Der Patient wurde ins Uniklinikum Marburg gebracht.

„Eine Ärztin und ein Psychologe kümmerten sich in Haina auch um mich“, berichtet die Hattersheimerin voller Dankbarkeit. Sie konnte nicht mit dem Ehemann in die Klinik nach Marburg fahren. Es wurde ihr auch abgeraten, ihm dorthin zu folgen.

„Deshalb war die Frage, wie komme ich nach Hause? Selbst fahren konnte ich in dieser Situation nicht.“ Die Ersthelferin Anna-Lena Zappe rief ihren Vater Peter Feldbusch an. Er arbeitet bei der Firma Landau in Löhlbach, zu der auch ein Abschleppunternehmen gehört. Feldbusch brachte das Auto und Barbara Metz mit dem Abschleppwagen nach Hattersheim.

Herzstillstand in Haina: Patient hatte auch Nierenversagen und Lungenembolie

Sie erfuhr dann telefonisch, dass ihr Ehemann nicht nur einen Herzinfarkt erlitten hatte, sondern auch Nierenversagen und eine Lungenembolie, so dass er beatmet werden musste. Außerdem hatte er Corona. „Wir waren beide infiziert, hatten uns aber getestet und waren laut Schnelltest schon zwei Tage nicht mehr infektiös“, schildert seine Frau.

Nach vier Wochen in Marburg wurde Helmuth Metz ins Bürgerhospital in Frankfurt/Main verlegt, das ein Zentrum für Beatmungsentwöhnung hat. Nach vier Wochen in diesem Hospital kam er für zehn Wochen in Reha. Seit 23. November ist er wieder zuhause – mehr als vier Monate nach dem Tag, an dem das Ehepaar zu einem Tagesausflug an den Edersee gestartet war. „Es geht ihm wieder gut. Neurologische Probleme werden noch mit Krankengymnastik behandelt“, schildert seine Frau.

Herzstillstand in Haina: Unsere Zeitung hilft, die Retter zu finden

„Ohne die schnelle Hilfe in Haina wäre mein Mann nicht mehr am Leben. In der Uniklinik Marburg und allen anschließenden Kliniken wurde uns später bescheinigt, dass mein Mann eigentlich in dieser Situation keine Chance gehabt hatte. Umso wichtiger ist es uns, uns endlich bedanken zu können. Bitte helfen Sie uns, diesen Menschen des Jahres, des Lebens für meinen Mann danken zu können“, schrieb die Frau per E-Mail unserer Zeitung und bat uns, die Helfer ausfindig zu machen.

Das ist uns gelungen. Nina Kuhl, Pflegedienstleiterin der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, bestätigte unserer Zeitung: „Ja, es war ein Team unserer Klinik vor Ort. Aber sie möchten nicht mit Namen genannt werden. Sie sagen: ‘Es ist unser Beruf zu helfen. Das war selbstverständlich’.“

Über den Abschleppdienst Landau kamen wir auf die Namen der Ersthelfer Zappe. Und mit Hilfe der DRK-Rettungsdienste Frankenberg und Bad Wildungen meldete sich dann auch Notfallsanitäterin Marlies Przyklenk bei unserer Zeitung. Die 31-Jährige war sehr gerührt, als sie erfuhr, dass Helmuth Metz überlebt hat und es ihm wieder gut geht. Ihr Appell an alle Menschen: „Frischen Sie den Erste-Hilfe-Kurs auf. Wichtig ist, zu handeln. Mit einer Herzdruckmassage macht man nichts falsch.“

Das Ehepaar Metz hat inzwischen mit allen Beteiligten telefoniert. Sie planen ein Wiedersehen unter anderen Umständen im kommenden Jahr.

Herzstillstand in Haina: Gleich mehrere Schutzengel vor Ort

Helmuth Metz hatte nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schutzengel. Nach seinem Herzstillstand in Haina waren nicht nur die im genannten Retter mit der Notfallsanitäterin Marlies Przyklenk an erster Stelle und einem Team von Vitos schnell vor Ort.

Das Kuriose: Es kam zufällig auch ein Krankenwagen vorbei, der auf dem Rückweg von einer Fahrt nach Marburg war – und später sogar noch ein weiterer Krankenwagen, erinnert sich die Notfallsanitäterin. Zudem eilte auch eine First-Responder-Kraft herbei, die aber nicht mehr habe eingreifen müssen.

„Glück im Unglück – manchmal ist das so“, bestätigt uns ein Rettungsdienstleiter. Er erinnerte sich an einen Mann, der in Frankenberg ebenfalls beim Autofahren einen Herzstillstand hatte. Sein Auto rollte in das hinter ihm fahrende Fahrzeug – einen Rettungswagen. (Martina Biedenbach)

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