Diskussion Teichrückbau geht weiter

Im unteren Wohrateich bei Haina ist wieder etwas Wasser drin

Im unteren der beiden Hainaer Wohrateiche hat der Landeswohlfahrtverband wieder Wasser aufstauen müssen – wegen der Bedeutung als Nahrungsquelle für Insekten.
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Im unteren der beiden Hainaer Wohrateiche hat der Landeswohlfahrtverband wieder Wasser aufstauen müssen – wegen der Bedeutung als Nahrungsquelle für Insekten.

Das Regierungspräsidium Kassel hält auch nach neuen Untersuchungen die Standsicherheit der Dämme beider Hainaer Wohrateiche auf Dauer nicht für gegeben. Nur für einen Teileinstau reiche sie vorübergehend aus.

Haina/Kloster – Der untere der beiden Hainaer Wohrateiche ist wieder auf 1,40 Meter Wassertiefe aufgefüllt worden. Sehr zur Freude von Vertretern der Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Wohrateiche“. Denn der von der BI und Naturschutzverbänden für die Fledermäuse geforderte Mindesteinstau sei rechtzeitig zum Beginn der Amphibienwanderung geschehen, sagt BI-Mitglied Gertraude Wenz.

Ihre Vermutung, dass die Teich-Dämme stabiler seien als behaupt, widerspricht das Regierungspräsidium Kassel (RP) aber.

Bis November soll der untere Wohrateich nun wieder Wasser führen, damit die dort vorkommenden Fledermäuse genug Nahrung finden, bestätigt auch der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV), der Eigentümer der Teiche, auf Anfrage.

Wie berichtet, will der LWV aus Hochwasserschutzgründen die Teiche zurückbauen und die Wohra zu einem naturnahen Fließgewässer umgestalten. Schon im Herbst 2019 war das Wasser beider Teiche abgelassen worden. Im vergangenen Frühjahr musste der untere Teich aber bereits teilweise wieder befüllt werden – wegen der Bedeutung als Nahrungsquelle für Fledermäuse. Nun erfolgt im zweiten Jahr ein Teilaufstau für den Artenschutz.

Vom Hessischen Petitionsausschuss, den Wenz als Unterstützung zum Erhalt der Teiche angerufen hatte (wir berichteten), habe sie erfahren, „dass geotechnische Untersuchungen zeigten, dass eine zusätzliche Gefährdung durch einen Teilwiedereinstau ausgeschlossen werden kann“. Gerne wüsste die BI-Vertreterin mehr über die vom RP beauftragten Untersuchungen. „Leider werden seitens der Behörden ansonsten keine Informationen über die Ergebnisse mitgeteilt. Ich gehe davon aus, dass beide Dämme stabiler sind als bisher behördlicherseits angenommen“, vermutet sie.

Dem widerspricht das RP auf Anfrage unserer Zeitung: Das beauftragte Fachbüro habe nach bodenmechanischen Untersuchungen im Februar „die Einschätzung des Hessischen Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie bestätigt, dass nur sehr geringe Standsicherheitsreserven vorhanden sind und dass diese Reserven den heutigen DIN-Anforderungen an die Standsicherheit von Dammbauwerken keinesfalls genügen“, sagte RP-Pressereferent Hendrik Kalvelage.

Bei der geotechnischen Untersuchung habe ein Hauptaugenmerk auf der Frage gelegen, inwieweit bei einem Teilaufstau – so wie im vergangenen Jahr – die Dichtigkeit der Dämme trotz verrottender Baumwurzeln und Schrumpfrissen noch gegeben sei. „Zwar wurde im Ergebnis festgestellt, dass aktuell noch von keiner zusätzlich erhöhten Wasserwegsamkeit durch die verrottenden Baumwurzeln ausgegangen werden kann. Jedoch konnte darüber hinaus bei keinem der Dämme eine Kerndichtung durch die Bohrungen bestätigt werden“, sagt das RP.

Der Sprecher ergänzt: „Wie bereits mehrfach dargelegt, ist es aber mitnichten die Dammstatik allein, die die Maßnahmen zur endgültigen Außergefahrsetzung (gemeint ist die Überschwemmungsgefahr) erforderlich macht, es sind darüber hinaus der Unterhaltungszustand und der bauliche Zustand der wesentlichen Anlagenteile und Betriebseinrichtungen, die für eine ordnungsgemäß und sicher betriebene Stauanlage unabdingbar sind.“ Eine Ertüchtigung der Dämme, die die BI fordert, lehnt der LWV aus Kostengründen ab.

Könnten beide Teiche vielleicht durch Teileinstau erhalten bleiben? Nein, sagt das RP. „Ein Teilablass des Wassers würde ohne zusätzliche Maßnahmen beziehungsweise die grundlegende Ertüchtigung der Stauanlagen keine Sicherheit bieten.“

Von Martina Biedenbach

Das sagt der Landeswohlfahrtsverband

Der LWV halte an seinem Plan der naturnahen Umgestaltung der Wohra fest, sagte Sprecherin Elke Bockhorst auf Anfrage. Eine Arbeitsgruppe sei dabei, ein Konzept zu erstellen, wie die Forderungen des Fledermausexperten Dr. Markus Dietz zum Artenschutz umgesetzt werden. Wie berichtet, hält Dietz die Umgestaltung der Teiche in naturnahes Fließgewässer für möglich, wenn mehrere Ersatzwasserflächen geschaffen werden. Fachplaner, Umweltingenieure des LWV und der Fledermausexperte Dietz arbeiten laut Bockhorst derzeit noch an dem Konzept. Wenn die Planungen abgeschlossen seien, würden sie dem RP zur Genehmigung vorgelegt. Wie berichtet, kündigte das RP an, dass über den Rückbau der Teiche in einem Planfeststellungsverfahren entschieden werden soll, an dem die Öffentlichkeit beteiligt werde.  

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