Was wurde aus dem geplanten Rückbau der Teiche?

Wohrateiche Haina: Experte fordert Ersatztümpel für Fledermäuse

Untersuchung für Gutachten:  Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung und Mitarbeiterin Anja Fritsche spannten im Frühjahr am unteren Hainaer Wohrateiche Netze zum Fang von Fledermäusen auf.  
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Untersuchung für Gutachten: Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung und Mitarbeiterin Anja Fritsche spannten im Frühjahr am unteren Hainaer Wohrateiche Netze zum Fang von Fledermäusen auf. Archiv

Der geplante Rückbau der Hainaer Wohrateiche stelle eine erhebliche Beeinträchtigung für Fledermäuse dar. Er könne aber realisierte werden, wenn Ersatzmaßnahmen getroffen werden, sagt der Experte Dr. Martin Dietz. Welche das seien könnten, lesen Sie hier.

Haina/ Kloster. „Was wurde aus ...?“ heißt die HNA- Serie zum Jahresrückblick, in der wir erzählen, was aus besonderen Themen und Menschen des Jahres geworden ist. Heute geht es um den geplanten Rückbau der Hainaer Wohrateiche.

Eine Diskussion, die sich nach 2019 auch durch das ganze Jahr 2020 gezogen hat, ist der Streit um das Vorhaben des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, die Hainaer Wohrateiche aus Hochwasserschutzgründen zurückzubauen und die Wohra zu einem naturnahen Fließgewässer umzugestalten.

Zum aktuellen Stand des Projektes erläuterte LWV-Sprecherin Elke Bockhorst auf HNA-Anfrage, dass ein Planungsteam gegründet wurde, dem der Fledermaus-Experte Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung aus Mittelhessen sowie Fachplaner und LWV-Vertreter angehören. Ziel sei es zu prüfen, wie und in welcher Form das Projekt umgesetzt werden könne, ohne der Fledermaus-Population zu schaden.

Dass Ersatzmaßnahmen erfolgen müssen, das hält der Biologe Dietz für unbedingt nötig. Er hatte im Frühjahr und Sommer weitere Untersuchungen vor Ort vorgenommen – für ein zweites ergänzendes Gutachten. Dafür war der untere Teich zum Teil wieder mit Wasser befüllt worden. Mit seinem Team hatte er, wie berichtet, Fangnetze aufgespannt. In nur einer Stunde hatten sich 20 Tiere im Netz verfangen, darunter Wasserfledermaus, Kleine Bartfledermaus und Zwergfledermaus, aber auch die in Hessen seltene Brandtfledermaus und der Kleinabendsegler.

Das Ergebnis seines Gutachtens, das schon im Oktober vorlag, hat der LWV erst vor Kurzem bekannt gegeben. Der Experte sagt: „Der Rückbau der Teiche stellt eine erhebliche Beeinträchtigung für die Fledermäuse dar.“ Aber er erachte den Rückbau und vor allem die damit verbundene Renaturierung des Fließgewässers dennoch für vertretbar, „wenn dadurch auch neue Lebensräume für die Fledermäuse geschaffen werden“.

Dies hält der Experte für möglich und schlägt vor, Ersatzwasserflächen zu schaffen. „Dazu könnte zum einen das bereits vorhandene Ersatzlaichhabitat südlich des unteren Wohrateichs genutzt werden. Diese beiden Tümpel könnten mit Wasser eines nahen Baches versorgt werden, ebenso wie noch anzulegende weitere kleine Wasserflächen, die sich wie eine Perlekette aneinanderreihen sollten“, schildert er.

Erforderlich sind seinem Gutachten nach „weiterhin eine oder zwei große Wasserflächen entlang der Wohra, möglicherweise unterhalb der Ortslage von Haina. Große Flachwasser-Teiche wären nicht nur für Fledermäuse eine wirksame Maßnahme.“

Ob und wie das Ganze umzusetzen ist, das kläre nun das vom LWV einberufene Planungsteam. Beteiligt sind Fachplaner, insbesondere Hydrogeologen. Die fertigen Planungsunterlagen sollen in den ersten Wochen des neuen Jahres beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden, sagt der Experte. „Wir warten auf die Planungsunterlagen und dann wird das entsprechende Zulassungsverfahren eingeleitet“, sagt dazu RP-Sprecherin Katrin Walmanns.

Bürgerinitiative Rettet die Wohrateiche: LWV steht schlecht da

Die Bürgerinitiative „Rettet die Wohrateiche“ (BI) ist am Jahresende „zunächst einmal zufrieden, dass wir die Schlitzung der Dämme verhindert haben“, sagte Gertraude Wenz auf HNA-Anfrage. Die BI sei zudem zufrieden, dass die Naturschutzverbände mit ihrer Unterstützung dafür eintraten, dass ein zweites Fledermausgutachten des Experten Dietz erstellt wurde.

Die BI meine, dass es den Fledermäusen am besten gehe, wenn sie ihre Jagdgründe ungeschmälert behalten dürften. „An den Wohrateichen gibt es 13 (!) Fledermausarten, von denen einige zwingend auf die Wasserflächen angewiesen sind. Will der LWV die Teiche weiterhin beseitigen, wird es nun deutlich teurer. Denn er muss mit sehr großem Aufwand geeignete Ersatzwasserflächen anlegen“, sagt Gertraude Wenz

Nach den „Erfolgen bei der Rettung der Fledermauspopulationen“ werde die BI sich jetzt mit fachkundiger Unterstützung auf weitere geschützte Tier- und Pflanzenarten konzentrieren. „Damit dürften die Hürden für den Eigentümer LWV, die Teiche zu beseitigen, immer höher werden. Es wird noch deutlicher werden, dass der Erhalt der Teiche nicht nur naturschutzrechtlich die bessere Lösung ist, sondern auch finanziell“, sagt sie.

Es sei abzusehen, dass der LWV im Planfeststellungsverfahren schlecht dastehen werde. Sie deutet auch eine gerichtliche Auseinandersetzung an. Wenz: „Ein jahrelanger Stillstand durch anhängige Gerichtsverfahren schadet allen Beteiligten, vor allem aber Flora, Fauna, dem Verhältnis der Bürger zum größten Arbeitgeber, Land- und Waldbesitzer Hainas und im Grunde auch dem Rechts- und Gerechtigkeitsverständnis.

Von Martina Biedenbach

Das sagt der Petitionsausschus

„Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen und der Petitionsausschuss hat noch keine Entscheidung getroffen.“ So fasst die Landtagsabgeordnete Heidemarie Scheuch-Paschekwitz (Die Linken) auf HNA-Anfrage den Stand zusammen. Sie war im September als Berichterstattung für den Ausschuss, den die Bürgerinitiative Rettet die Wohrachteiche angerufen hatte, vor Ort.

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