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Rapsöl: Hamstern ist nicht nötig

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Von: Susanna Battefeld

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Im fast schon verblühten Rapsfeld nahe Dainrode stehen hier (von links) Stephanie Wetekam, Olaf Fackiner, Dirk Monstadt und Matthias Eckel von den Kreisbauernverbänden Waldeck und Frankenberg sowie Hobbylandwirt Stefan Ohlsen aus Dainrode.
Im fast schon verblühten Rapsfeld nahe Dainrode stehen hier (von links) Stephanie Wetekam, Olaf Fackiner, Dirk Monstadt und Matthias Eckel von den Kreisbauernverbänden Waldeck und Frankenberg sowie Hobbylandwirt Stefan Ohlsen aus Dainrode. © SUSANNA BATTEFELD

Rapsöl ist in den Geschäften seit vielen Wochen ausverkauft oder nur zu überhöhten Preisen erhältlich. Grund sind Lieferschwierigkeiten und Hamsterkäufe infolge des Ukraine-Krieges. Die heimischen Kreisbauernverbände geben jedoch Entwarnung: Die Rapsölversorgung im Landkreis ist gesichert.

Dainrode – „Im Landkreis Waldeck-Frankenberg wird auf rund 5500 Hektar Ackerfläche Raps angebaut“, sagt Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg. Dies entspreche rund 15 Prozent der Ackerfläche. „Je Hektar werden zirka 1600 Liter Öl geerntet. Die bei uns erzeugte Ölmenge entspricht damit etwa neun Millionen Liter.“ In Relation zur Bevölkerungszahl komme man so auf rund 56 Liter Öl pro Einwohner im Jahr, rechnet der Geschäftsführer vor.

„Betrachtet man die Raps-Produktion in ganz Deutschland, sind es rund 20 Liter pro Einwohner. Von einer Ölknappheit kann also nicht die Rede sein“, stellt Eckel klar und betont: „Hamstern ist unnötig.“ Problematisch sei momentan, dass bisher ein Großteil der Rapsernte für technische Zwecke wie beispielsweise Schmier- und Treibstoffe verwendet werde.

Die immense Preissteigerung beim Rapsöl – ein Liter koste derzeit zum Teil bis zu 6,50 Euro – sei jedoch mit der Verteuerung des Rohstoffs nicht zu rechtfertigen und komme auch beim Landwirt nicht an, sagt Kreisbauernverbands-Vorsitzender Olaf Fackiner.

Leere Regale: Rapsöl ist derzeit Mangelware, wie auf diesem Symbolbild aus einem Markt in Schwalmstadt.
Leere Regale: Rapsöl ist derzeit Mangelware, wie auf diesem Symbolbild aus einem Markt in Schwalmstadt. © MATTHIAS HAAß

Die Preise für die neue Ernte werden stark steigen und der Raps werde etwa 800 Euro pro Tonne kosten. „Der aktuell gepresste Raps ist schon im August 2021 geerntet worden. Da lag der Erlös der Bauern bei zirka 500 Euro pro Tonne“, teilt er mit. Da man aus einer Tonne Raps 400 Liter Öl gewinnen könne, erhalte der Landwirt für einen Liter aus der alten Ernte nur etwa 1,25 Euro pro Liter. Der Rest gehe „irgendwohin“, kritisiert Fackiner. Mit der Stimmung in der Bevölkerung werde Profit gemacht.

„Die derzeitige Gewinnspanne kriegen die Bauern also nicht“, bestätigt auch Stephanie Wetekam vom Kreisbauernverband Waldeck. Der Rapsanbau werde den Landwirten zudem immer mehr erschwert durch Pflanzenschutzbestimmungen. Raps habe hohe Ansprüche an die Bodenqualität und sei anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge. Da er auf die Bestäubung durch Insekten – insbesondere Bienen – angewiesen ist, arbeiten die Landwirte häufig mit den Imkern zusammen und diese stellten ihre Bienenvölker gezielt an Rapsfelder. „Gespritzt wird nur noch in den Abendstunden oder nachts, wenn kein Bienenflug ist“, sagte sie. „Raps ist eine Mimose. Es gibt deshalb auch so gut wie keinen Bioraps“, ergänzt Matthias Eckel.

Hintergrundwissen zum Raps: Beugt Erosion und Austrocknung vor

Die Aussaat von Raps erfolgt im August, die Ernte im August des Folgejahres. Er bedeckt also den Boden fast zwölf Monate lang. Dies beuge Erosion und Austrocknung vor, sagt Olaf Fackiner. Pro Hektar werden zirka drei Kilogramm Rapssaat ausgebracht. Raps hat hohe Ansprüche an die Bodenqualität, bei Bodenverdichtungen, zu hohem Unkrautdruck und Wassermangel leidet er. Das gewonnene Rapsöl geht zum überwiegenden Teil in die Industrie zur Herstellung von Treib- und Schmierstoffen. Der Rest wird für die Erzeugung von Nahrungsmitteln (Margarine und Speiseöl) verwendet. Der Rapskuchen geht als Viehfutter in die Landwirtschaft.

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