Abwerbungen halten sich trotz guter Konjunktur in Grenzen

Handwerk und Industrie in Waldeck-Frankenberg konkurrieren um Fachkräfte

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Gegen Abwanderung in andere Regionen: Ulrich Mütze (links) und Gerhard Brühl von der Kreishandwerkerschaft.

Waldeck-Frankenberg. Die Nachfrage nach Fachkräften ist groß - Abwerbungen halten sich in Grenzen, doch Handwerk und Industrie konkurrieren.

Angesichts brummender Konjunktur gibt es fast überall Fachkräftebedarf: „In der Bauinnung werben wir voneinander niemanden ab“, sagt Obermeister Ulrich Mütze – was aber nicht bedeute, dass niemand an die Industrie verloren ginge, so der Frankenberger Bauunternehmer, der als Kreishandwerksmeister alle Gewerke vertritt.

Das Thema Abwerbung betreffe das komplette Handwerk, sagt Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Indes sei das auch nicht ungewöhnlich: Das Handwerk bilde für gewöhnlich über Bedarf aus, jeder zehnte Mitarbeiter sei Lehrling – doppelt so viele wie im Schnitt. Viele führe ihr Weg letztlich in die Industrie, auf Hausmeisterposten oder zur Gründung eines Betriebs.

An der Industrie seien die hohen Einkünfte durch Schichtarbeit interessant, erklärt Brühl. Ein Lichtblick: Nicht alle wollen auf Dauer Schichtarbeit in ihrem Leben unterbringen. Wenn etwa das Eigenheim errichtet ist, zählten wieder andere Werte.

Wenn ein Handwerker bei Aufträgen in einem Industriebetrieb positiv auffalle, werde er schon mal angesprochen – System habe das aber sicher nicht, so Brühl. Derweil werde die Kreishandwerkerschaft hellhörig, wenn große Industriebetriebe öffentlich ankündigten, sich in anderen Wirtschaftszweigen nach Mitarbeitern umsehen zu wollen. Oder wenn sich Firmen mit dem Gefühl an sie wenden, dass ein Unternehmen gezielt abwerbe. Dann führe sie Gespräche, um dem entgegenzuwirken.

„Der ein oder andere sieht es vielleicht extremer: Bei kleinen Betrieben kann es dramatischer werden“, erklärt Mütze. Brühl ergänzt: „Wenn man drei, vier Leute hat, und der Prokurist geht weg: Da dauert es Monate, Wissen und Erfahrung wieder reinzuholen.“ Existenzen bedrohe das nicht unbedingt, sei aber ein „Nackenschlag“.

Umgang und Gehalt spielen eine Rolle dabei, Mitarbeiter zu halten, erklärt Gerhard Brühl. Doch auch Auszubildenden früh aufzuzeigen, wie es nach der Lehre weiter geht, helfe. Laut einer Umfrage der Sozialkasse Bau am wichtigsten: Wertschätzung und das Gefühl, sinnvolle Arbeit zu verrichten und ernst genommen zu werden. „Das gelingt den Handwerksbetrieben immer besser“, sagt Brühl – wer das noch nicht schaffe, müsse nachlegen. Auch die eingesetzte Technik spiele eine Rolle, so Bauunternehmer Ulrich Mütze – das fange schon beim Sitz im Bagger an. 

Wenn ein Mitarbeiter gehen wolle, gehe es darum, die Stärken des Betriebs aufzuzeigen. Bei Gehalt und Zeiten lege die Firmenstruktur oft Grenzen fest. „Dass jemand geht, ist halt so im Leben“, schließt Mütze. Doch man sollte sagen: „Du kannst zurückkommen.“

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