1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Hatzfeld (Eder)

Hatzfeld: Anwohner zahlen 20 Euro für kürzere Umleitung

Erstellt:

Von: Jörg Paulus

Kommentare

Zwischen Hatzfeld und Lindenhof ist derzeit die Straße gesperrt. Um sich die lange Umleitung zu ersparen, dürfen Anwohner gegen die Zahlung von 20 Euro Forstwege befahren.
Zwischen Hatzfeld und Lindenhof ist derzeit die Straße gesperrt. Um sich die lange Umleitung zu ersparen, dürfen Anwohner gegen die Zahlung von 20 Euro Forstwege befahren. © Jörg Paulus

Die Vollsperrung zwischen Hatzfeld und Lindenhof sorgt derzeit für einen kuriosen Nebenaspekt: Anlieger dürfen eine kürze Umleitung fahren, dafür müssen sie aber 20 Euro bezahlen.

Hatzfeld/Lindenhof – Zwischen Hatzfeld und Lindenhof wird derzeit die Fahrbahn der Kreisstraße erneuert, die etwa drei Kilometer lange Strecke ist deshalb seit dem 4. Mai bis voraussichtlich 15. Juli voll gesperrt. Das ist eigentlich kein großes Thema, weil Lindenhof nur ein kleines Dorf ist und die Kreisstraße ohnehin als Sackgasse im Ort endet. Interessant ist in dem Zusammenhang das, worauf uns ein Anwohner aufmerksam gemacht hat:

Um nicht die etwa 30 Kilometer lange Umleitung über Eifa, Ludwigshütte, Weifenbach und einen Wirtschaftsweg fahren zu müssen, können Anwohner aus Lindenhof und Hof Rhoda einen Forstweg befahren – dafür müssen sie aber einmalig 20 Euro pro Fahrzeug zahlen.

Wir haben dazu zunächst bei der Stadt Hatzfeld nachgefragt: „Ausschließlich für die Anlieger aus Lindenhof und Hof Rhoda besteht eine Umfahrungsmöglichkeit über kommunale Wege. Diese Umfahrungsmöglichkeit ist mit ’Anlieger frei’ ausgeschildert“, teilte Axel Marburg vom Bauamt der Stadt mit. Die Nutzung von Forstwegen könne aufgrund der Bestimmungen des Waldgesetzes nur mit Sondergenehmigung erfolgen. Dafür sei Hessen-Forst zuständig. Joachim Dienst, Büroleiter im Forstamt Frankenberg, teilte der HNA auf Anfrage mit:

Das sagt das Forstamt zu der Ausnahmegenehmigung

„Da es auch aus unserer Sicht für die Anwohner aus Lindenhof und Hof Rhoda einen unverhältnismäßig hohen Aufwand bedeutet, mitunter täglich die lange Umleitungsstrecke fahren zu müssen, haben wir einer Nutzung des forstfiskalischen Wegeabschnittes für den Zeitraum der Straßensperrung umgehend zugestimmt.

Auf diese Weise kann durch die Vermeidung unnötiger Wegstrecken ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Insbesondere in Zeiten sehr hoher Kraftstoffpreise können die Anwohner durch die vorübergehende Nutzung des Forstweges zudem nennenswert Kosten und Fahrzeit einsparen. In Abstimmung mit der Stadt Hatzfeld haben wir kurzfristig eine Instandsetzung des zum Teil stark ausgefahrenen Weges veranlasst, um eine Befahrung mit Pkw zu ermöglichen und Schäden an den Fahrzeugen vorzubeugen.“

Aber warum müssen die Anwohner dafür 20 Euro bezahlen? Dazu erklärt der Büroleiter des Forstamtes: „Bei dem zu entrichtenden Betrag handelt es sich explizit nicht um ein Gestattungsentgelt oder eine Gebühr für die Benutzung des Weges. Mit dieser Pauschale wird lediglich der Verwaltungsaufwand für die Erstellung der Wegebenutzungserlaubnisse abgegolten. Auf die Ausstellung einer Wegebenutzungserlaubnis zu verzichten, ist einerseits aus haftungsrechtlichen Gründen nicht möglich.

Andererseits bedarf das Befahren von Waldwegen mit motorgetriebenen Fahrzeugen, für die ein Versicherungs- oder ein amtliches Kennzeichen erforderlich ist, laut Hessischem Waldgesetz der expliziten Zustimmung des Waldbesitzers. Zudem kann durch diese Maßnahme sichergestellt werden, dass nur Anwohner mit entsprechender Berechtigung den Forstweg nutzen und nicht ein allgemeines Befahrungsrecht für den Durchgangsverkehr abgeleitet wird. Da die Waldwege auch von Erholungssuchenden für Spaziergänge oder zum Radfahren genutzt werden, soll die Nutzung durch Kraftfahrzeuge (land- und forstwirtschaftlicher Verkehr, Rettungskräfte etc.) möglichst gering ausfallen.“

Bisher seien 54 Wegebenutzungserlaubnisse für Bewohner ausgestellt worden, teilte das Forstamt mit.

Auch interessant

Kommentare