Corona-Einschränkungen

Hatzfelds Pfarrer feiert Gottesdienst auf dem Hof

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Mit Talar und Lautsprecherbox: Pfarrer Peter Dersch bei einem Gottesdienst „uff de Gass“ in Hatzfeld. 

Hatzfeld – Wenn die Leute nicht in den Gottesdienst gehen können, muss der Gottesdienst halt zu den Leuten kommen, findet der Hatzfelder Pfarrer Peter Dersch. Er bietet seinen Kirchengemeinden Hatzfeld/Eder und Holzhausen einen „Gottesdienst auf Abruf“ an. „Uff de Gass“, wie er auf Platt sagt.

Das Prinzip ist einfach: Man kann mit Pfarrer Dersch einen Termin vereinbaren und sich so „die Kirche“ vor seine Haustür, in den Garten oder auf den Bürgersteig holen. „Aber nicht in die Häuser!“, stellt der Seelsorger die Bedingungen zu Zeiten der Kontaktsperre klar. Natürlich dürfen auch die Nachbarn die Fenster öffnen, wenn Dersch den Kofferraum öffnet, seinen Talar überzieht und das Beffchen anlegt. Nun noch die Lautsprecherbox, das Mikrofon und den Notenständer aufgestellt, dann kann es losgehen. Das Glockengeläut einschließlich des Vater-Unser-Glöckchens kommt wie die Klavierbegleitung einen zweiten, kleineren Lautsprecher, den Dersch auf seinem Auto platziert hat.

„Das ist ein ganz normaler Gottesdienst, nur ohne Kirche drumrum“, sagt der Theologe. Heute steht er vor einem Bauernhof bei Hatzfeld, in dem drei Generationen unter einem Dach leben. Auch die Nachbarn haben von dem Gottesdienst mitbekommen und sich in den Garten gesetzt, um aus der Entfernung mitzufeiern. Abstandhalten ist kein Problem auf dem großen Gelände. Passend zum Predigttext über den Guten Hirten meldet sich im Stall eine Kuh zu Wort; die Familie verdient ihr Geld mit der Viehzucht. Eine gute halbe Stunde dauert der Gottesdienst; nur auf das Mitsingen der Lieder hat die kleine Runde verzichtet, die sich dann rasch wieder zerstreut.

Es war schon der vierte Gottesdienst „uff de Gass“, berichtet Peter Dersch, der zu solchen Gelegenheiten immer noch neue Ecken und Winkel in seinen Gemeinden entdeckt – denn er ist erst seit Ende 2018 Pfarrer in Hatzfeld und Holzhausen.

„Die Sehnsucht nach Gottes Wort und den Zusagen aus der Bibel ist erheblich größer, als man das vor Corona erwartet hätte“, schildert Dersch seine Erfahrungen und erzählt von intensivem Austausch über den Gartenzaun, wenn er durch die Dörfer spazieren geht. Doch auch die Seelsorge per Telefon und per WhatsApp hat deutlich zugenommen, sagt er: „Der Glaube ist wegen Corona nicht am Ende, sondern nimmt im Gegenteil einen Aufschwung.“

Als sehr hilfreich sieht er die „Impulspost“ der Landeskirche an, die in der Karwoche an alle evangelischen Haushalte verschickt wurde und sich unter dem Titel „Gottkontakt“ mit dem Thema Beten auseinandersetzt.

Der „Abruf“-Gottesdienst ist nicht das einzige Angebot der Gemeinden, das sich vor allem an Menschen richtet, die vielleicht keine Internet-Gottesdienste am Handy, Tablet oder Computer verfolgen können. Da gibt es beispielsweise die „Klagemauer“: „In allen drei Kirchen stehen kleine   Klagemauern aus Backsteinen“, erklärt Angelika Schmitt vom Kirchenvorstand: „Interessierte können ihre Gebete per E-Mail an klagemauer-hatzfeld@web.de beziehungsweise klagemauer-holzhausen@web.de schicken. Es geht auch postalisch oder mittels eines Abholservices beim Pfarramt. Die Gebete werden sonntags zum Glockenläuten in die Mauer eingebracht. Kinder können dafür auch Bilder malen.“

Außerdem wird wöchentlich an alle Haushalte die Infoseite „Auf ein Wort” verteilt. Auf dem Blatt finden sich eine Kurzandacht für Hausgottesdienste und Hinweise für die gottesdienstlose Zeit. Zum Beispiel auch den „Gottesdienst uff de Gass“, für den man unter Tel. 0 64 67/ 320 mit Pfarrer Peter Dersch einen Termin verabreden kann.  klk/nh

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