Idee ist mit Kirchen-Projekt für Demografie-Preis nominiert

Keine Kneipe mehr im Dorf: Eifaer treffen sich an der Baumelbank

jpa123 Aktion Baumelbank in Eifa, Teil des Projets "Unser Dorf: Wir bleiben hier", Dorf-Mooc der evangelischen Landeskirchen in Hessen; hier: Michaela Vollmann, Initiatorin der Baumelbank
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Sie hatte die Idee: Manuela Vollmann auf der Baumelbank.

Eifa. Die Idee ist ganz einfach: Weil es in Eifa ohne Kneipe und Einkaufsladen kaum noch Treffpunkte gibt, kommen die Eifaer jetzt an der Baumelbank zusammen. Die steht ein Mal im Monat in einem anderen Hof oder Garten.

Was hat eine Sitzbank in Eifa mit einem Online-Kurs der evangelischen Landeskirchen von Kurhessen-Waldeck und Hessen/Nassau zu tun? Um diesen Zusammenhang ging es beim Besuch von Staatsminister Axel Wintermeyer in Eifa. Und es ging um Themen, die die Menschen auf dem Land beschäftigen: Leerstand, Breitband, Einkaufsmöglichkeiten, Mobilität und junge Familien.

Dorf-Mooc

Der Online-Kurs der beiden Landeskirchen trägt den Namen Dorf-Mooc (gesprochen: Muuk), was für Massive-Open-Online-Kurs steht – also einen Kurs, an dem viele Menschen kostenlos online teilnehmen können. Der Kurs unter dem Motto „Unser Dorf: Wir bleiben hier!“ ist „für alle, die in ihrem Ort etwas bewegen möchten“. Mit Experten und Videofilmen, in Foren und Chats können sich Menschen informieren und austauschen, Probleme besprechen und Ideen entwickeln. Es geht etwa darum, wo Treffpunkte im Ort sind, wie die Menschen im Alter wohnen wollen, was wichtig ist, damit junge Leute dableiben oder wiederkommen.

Demografie-Preis

Das Mooc-Projekt wurde mit 60.000 Euro vom Land gefördert und ist jetzt für den hessischen Demografie-Preis nominiert. Eine Jury hatte es als eine von sechs Initiativen aus 91 Bewerbungen ausgewählt. Am 6. September werden in Wiesbaden die Plätze 1 bis 3 gekürt und mit 10.000, 7000 und 3000 Euro prämiert.

Staatsminister Axel Wintermeyer informierte sich in Eifa über den Dorf-Mooc und die Baumelbank, weil er auf seiner Sommerreise seit einigen Jahren die Nominierten des Demografie-Preises besucht.

Baumelbank

Auch Manuela Vollmann aus Eifa hat an dem Online-Kurs teilgenommen. Dort kam ihr die Idee: Man könnte ja mal eine Bank durchs Dorf schicken, denn auf der Straße treffe man kaum noch jemanden. „Wir brauchen ein modernes Milchhäuschen. Da wusste man, was im Dorf los war“, so ihr Ansinnen.

„Die Resonanz war von Anfang an da“, erzählt sie von den ersten Baumelbank-Treffen vor einem Jahr. „Erst waren wir sieben, acht Leute, beim letzten Mal fast 40.“ Die Baumelbank reiche deshalb längst nicht mehr aus; sie sei auch nur ein Symbol für die Treffen, die in der Regel immer am letzten Samstag eines Monats bei einer Eifaer Familie als Gastgeber stattfinden. „Dann bringt jeder was mit.“

Gespräch auf der Baumelbank: (von links) Initiatorin Michaela Vollmann, Heike Wilsdorf (Fachbereichsleiterin Erwachsenenbildung Landeskirche Hessen/Nassau), Staatsminister Axel Wintermeyer und Pröpstin Annegret Puttkammer.

Eigentlich seien die Baumelbank-Treffen nur für die Sommermonate geplant gewesen, „es gibt jetzt aber schon die Idee für ein Treffen bei Glühwein“, sagt Vollmann. Jugendliche aus dem Dorf haben einen Handwagen gebaut, um die Bank durch den 300-Einwohner-Ort zu ziehen. Und auch eine eigene Facebook-Gruppe mit 60 Teilnehmern haben die Eifaer für ihre Baumelbank gegründet.

Das sagen die Gäste

„Früher gab es die Dorfkirche, die Dorfkneipe und die Dorflinde – heute müssen wir einiges dazuerfinden“, sagte Pröpstin Annegret Puttkammer in Eifa. „Mit dem Dorf-Mooc wollen wir das Leben in den Dörfern so gestalten, dass die Leute sich begegnen und zusammenrücken.“ 

Staatsminister Wintermeyer sieht den Online-Kurs als Modellprojekt. „Wir nehmen das, was wir hier erfahren, auch mit nach Wiesbaden“, versicherte er. Es sei wichtig, sich auszutauschen, um den demografischen Wandel abzufedern. „Treffen, schwätzen, schaffen“, fasste Annegret Zander, eine der Mooc-Verantwortlichen, das zusammen. 

Für Landrat Dr. Reinhard Kubat ist die Baumelbank erst ein Anfang. „Daraus kann Großes erwachsen“, sagte er. Und als Bundesvorsitzender der Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf“ wisse er: „Das Erfolgsgeheimnis sind die Menschen, die vorangehen.“

Mehr zu dem Dorf-Mooc

Der Dorf-Mooc ist ein Online-Kurs des Referats Erwachsenenbildung der evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck sowie des Zentrums Bildung der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Unter dem Motto „Unser Dorf: Wir bleiben hier!“ werden sechs Themenfelder durch Kurzfilme, Aufgaben zum Weiterdenken und vertiefende Materialien aufbereitet. Sie stellen Initiativen vor, reflektieren Lebensthemen und geben Anstöße und Unterstützung zur Umsetzung. Themenfelder sind zum Beispiel Wohnen, Flüchtlinge im Dorf, Netzwerke wie Facebook und die Frage, wie sich Initiativen im Dorf organisieren: als Genossenschaft, Verein oder GmbH. 

Aktuell sind 334 Personen eingeschrieben. Die erste Aktivphase, in der die Diskussionsforen freigeschaltet und moderiert wurden, fand im Winter 2016 statt. Das Material steht aber weiter zur Verfügung.

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