Ohne Fördergeld, aber mit Engagement: Hatzfelder setzen Projektideen um

Am Place-de-Cloyes vor dem Rathaus: Auch der Platz der Partnerstadt wurde im Projekt „Zukunftssicherung Hatzfeld“ umgestaltet. Bürgermeister Dirk Junker hatte das Bürgerprojekt vor einem Jahr ins Leben gerufen. Foto:  Paulus

Hatzfeld. Die Stadt Hatzfeld steht unter dem Schutzschirm und ist in keinem Förderprogramm. Trotzdem haben die Bürger in den vergangenen Monaten viele Projekte umgesetzt - mit Eigenleistung und Spenden.

"Wir wollen mit Projekten unseren Wirtschafts-Standort sichern und die Attraktivität unserer Stadt erhöhen", sagt Bürgermeister Dirk Junker, auf dessen Idee das Bürgerprojekt „Zukunftssicherung Hatzfeld“ zurückgeht. Im August 2013 hatte er sie erstmals vorgestellt, vor einem Jahr - am 7. November - fand die Auftaktveranstaltung statt, an der etwa 70 Menschen teilnahmen. Heute besteht das Bürgerprojekt aus fünf Projektgruppen sowie einer übergeordneten Koordinierungsgruppe mit dem Bürgermeister an der Spitze.

„In den Gruppen engagieren sich auch Leute, die sich vorher eher ruhig verhalten haben“, sagt Junker. „Es könnten mehr sein, aber man muss zufrieden sein. Wir sind auf einem sehr guten Weg, dafür kann man den Leuten nicht genug danken.“

Ein grundsätzliches Problem: Hatzfeld darf als Schutzschirm-Kommune für die Umsetzung der Projekt-Ideen, die anders als zum Beispiel die Wasserversorgung ja freiwillige Leistungen sind, kaum Geld ausgeben. Und: Die Stadt profitiert von keinem Förderprogramm wie der Dorferneuerung, bekommt zur Umsetzung seiner Ideen also erstmal kein Geld von Land, Bund oder EU. „Das schränkt uns natürlich ein“, sagt Junker.

Das hat andererseits aber auch einen Vorteil: „Wir müssen keine langwierigen Analysen machen.“ In der Nachbarstadt Battenberg beispielsweise wurde in der Dorfentwicklung fast ein Jahr lang ein Konzept entwickelt, ehe im nächsten Jahr die ersten Projekte umgesetzt werden.

Hatzfeld versucht stattdessen, für Einzelprojekte Fördergeld zu bekommen, Anträge sind gestellt. So hofft Junker, dass beispielsweise der geplante Bürgertreff „Kaffee Eintopf“ (HNA berichtete) über die Region Burgwald-Ederbergland mit EU-Geld aus dem Leader-Programm finanziert wird. „Damit stehen und fallen die großen Projekte“, sagt der Bürgermeister. Ein großes Projekt wäre auch das alte Backhaus am ehemaligen Sägewerk Reitz, das am Bürgerhaus neu aufgebaut werden soll.

„Im Kleinen haben wir aber schon unheimlich viel erreicht“, sagt Junker und nennt als Beispiele den Bürgerbriefkasten für Anregungen, die Bücher-Telefonzelle, die Ausstellung „Gück mol do“ von Hatzfelder Künstlern im Bürgerhaus, Wohnmobilstellplätze in Hatzfeld und Holzhausen und das Kultur-Café, das ein Mal im Monat stattfinden soll.

Ohne ehrenamtliches Engagement und Spenden wäre all dies nicht möglich gewesen, sagt der Bürgermeister. „Wegen des Schutzschirms müssen wir die Projekte auf anderem Wege finanzieren.“ Die Weihnachtsbeleuchtung für das Projekt „Hatzfeld soll leuchten“ wird beispielsweise ein Verein bezahlen.

Selbst den Eigenanteil, den die Stadt bei einer Förderung zu zahlen hätte, müsste über Spenden oder als Eigenleistung erbracht werden. „Ein sehr sensibles Thema“, sagt Junker. „Wichtig ist, dass sich was bewegt und das tut es. Wir haben mehr Leben in der Stadt.“

Und es gibt schon Ideen für 2015: Der Radweg soll mit alten Fahrrädern geschmückt werden und die Stadt mit vielen Blumen. Ein Schwerpunkt wird auch das Jubiläum „675 Jahre Stadtrechte“ sein. Und auch ein Fernziel hat der Bürgermeister: ein Künstlerdorf in Lindenhof.

Von Jörg Paulus 

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