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Haus am Nordwall in Korbach erringt mit Rikscha-Projekt bei Wettbewerb zweiten Platz in Hessen

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Von: Wilhelm Figge

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Viel Anerkennung fand das Rikscha-Projekt, bei dem Senioren wie Helga Seliga und Hildegard Dude (vorne von links) raus kommen und sich mit ihren Piloten austauschen, zur Freude von (von links) Ribana Klabunde, Claudia Schneider, der Piloten Uwe Baumann, Frank Schmidtmann, Dirk Rugalla-Wilke und Frankie Pierre sowie Pflegedienstleiterin Agnes Schmidt und Sabine Weinreich.
Viel Anerkennung fand das Rikscha-Projekt, bei dem Senioren wie Helga Seliga und Hildegard Dude (vorne von links) raus kommen und sich mit ihren Piloten austauschen, zur Freude von (von links) Ribana Klabunde, Claudia Schneider, der Piloten Uwe Baumann, Frank Schmidtmann, Dirk Rugalla-Wilke und Frankie Pierre sowie Pflegedienstleiterin Agnes Schmidt und Sabine Weinreich. © Wilhelm Figge

Rikscha-Fahrten erlauben Senioren in Korbach Streiftouren und ihren Piloten Einblicke in die Stadtgeschichte. In einem Wettbewerb fand dies Anerkennung.

Korbach – Dutzende Rikscha-Fahrten durch Korbach haben Senioren durch das im „Haus am Nordwall“ umgesetzte Projekt „Radeln ohne Alter“ schon erlebt. Im Wettbewerb „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ ist das städtische Zentrum für Pflege und Betreuung dafür ausgezeichnet worden: Es belegte unter 26 Bewerbungen aus Hessen den zweiten Platz im Wettbewerb der Krankenkasse DAK.

In der Regel nehmen die ehrenamtlichen Fahrer Senioren auf eine halbstündige Stadtrundfahrt mit, erläutert Uwe Baumann, einer der Piloten: „Sie wollen mal das Neubaugebiet sehen oder die Ecke, an der sie früher gewohnt haben.“ Ihn selbst würden die dabei geführten Gespräche die Stadt besser kennenlernen lassen: Er lerne, wo mal welches Geschäft war, oder wer an einem bestimmten Ort wohnte. „Fahrgäste und Piloten bereichern sich gegenseitig“, sagt Claudia Schneider, die das Projekt im Haus anstieß.

Rikscha-Fahrer in Korbach machen berührende Erfahrungen

Sie erinnert sich noch an eine ältere Dame, die schon sehr krank war und zusammen mit ihrer Tochter zu ihrem alten Wohnhaus gefahren wurde. „Sie sind ausgestiegen und haben beide geweint vor Glück. Das ist für uns alle sehr rührend.“ Ähnlich berichtet Pilot Dirk Rugalla-Wilke: Ein Herr wollte erst bloß das alte Feuerwehrhaus sehen, das er mit gebaut hatte – er bot an, auch die neue zu besichtigen, es folgte eine Fahrt über den Weg zwischen Lengefeld und Lelbach. „Da habe ich echt gemerkt, dass nicht nur das Fahren für die Menschen wichtig ist, sondern auch die Kommunikation“, so Rugalla-Wilke.

Auch für Menschen mit Behinderung ist das Programm gedacht, erklärt Einrichtungsleiterin Ribana Klabunde: „Es ist wirklich eine Bereicherung, wenn man mal durchs Feld fährt, die Landluft riecht, die Kornblumen und as Getreide sieht.“ Diese Barriere sei für viele sonst kaum zu überwinden. Sie dankte Claudia Schneider, die den Preis stellvertretend entgegennahm, dass sie das Konzept entdeckte und es mit viel Durchhaltevermögen umgesetzt hatte.

Die gab das Lob umgehend weiter: „Die Fahrer halten das am Leben.“ Auch dem Projektteam mit Anika Emde, Ralf Buchloh und Marc Mühlenhoff von der Stadt sowie dem bei Rikscha-Wahl und Schulung behilflichen Robert Kettschau gebühre Dank; und schließlich dächten auch die Mitarbeiter im Haus mit und überlegten, wem eine Fahrt gut tue.

Fahrer für mehr Rikscha-Fahrten in Korbach gesucht

Im Haus am Nordwall, der Tagespflege und dem Wohnen für Senioren werden die Rikscha-Fahrten wahrgenommen. Um das Haus für das Quartier zu öffnen, würden die Beteiligten das Projekt gerne ausweiten, erklärt Ribana Klabunde – aber dafür brauche es mehr Fahrer. Ein gutes halbes Dutzend sei fest dabei, die Piloten werden im Fahren der Rikscha geschult und sind über Ehrenamt und Verein versichert. „Je mehr Rikschas fahren, desto mehr bereichert dass das Stadtbild“, hält Ribana Klabunde fest. Wer sich dafür interessiere, sich als Pilot fit zu halten und dabei Leute und Stadt besser kennenzulernen, kann sich bei Claudia Schneider melden: Telefon 05631/5065324, E-Mail rikscha@haus-am-nordwall.de.

DAK schreibt Wettbeweb „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ aus

„Unser Wettbewerb soll zeigen, wie wichtig Zusammenhalt und ein gutes Miteinander für unsere Gesundheit sind“, erklärt Sabine Weinreich, Leiterin des DAK-Servicezentrums Korbach. Bundesweit nahmen mehr als 200 Projekte teil, aus den Landessiegern wird noch ein Bundessieger bestimmt. Das Korbacher Projekt fördere Gemeinschaft und Inklusion. Geschlagen wurde es nur von „Die Nordstadt tanzt“ aus Kassel: Dabei können benachteiligte Kinder sich erst Kreativität und Bewegung widmen, bevor gesundes Essen zubereitet wird. (wf)

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