Praxen in Waldeck-Frankenberg bieten ab sofort Termine an

Hausärzte im Landkreis impfen Patienten gegen das Coronavirus

Froh und erleichtert zeigte sich Margit Kesper, die sich als eine der ersten in Willingen bei ihrem Hausarzt Dr. Dirk Bender gegen das Coronavirus impfen ließ.
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Froh und erleichtert zeigte sich Margit Kesper, die sich als eine der ersten in Willingen bei ihrem Hausarzt Dr. Dirk Bender gegen das Coronavirus impfen ließ.

Seit Dienstag, 6. April, werden auch Patientinnen und Patienten in Hausarztpraxen gegen das Coronavirus geimpft. Für die erste Woche haben deutschlandweit 35 000 Praxen 1,4 Millionen Impfdosen bestellt.

Auch viele Hausärzte in Waldeck-Frankenberg sind dabei, wie eine Nachfrage unserer Zeitung bei Dr. Dirk Bender ergab. Der Willinger Hausarzt ist auch Vorsitzender des Hausärzteverbandes Waldeck.

Dr. Dirk Bender berichtet, dass der Bedarfsplan derzeit 103 Hausarztsitze im Landkreis vorsehe – darunter gebe es allerdings auch einige Gemeinschaftspraxen. Er weist außerdem darauf hin, dass es nicht ganz einfach sei, eine exakte Zahl der impfenden Mediziner für Waldeck-Frankenberg zu nennen – schließlich seien nur etwa die Hälfte der hausärztlichen Kollegen im Hausärzteverband.

„Überträgt man allerdings die 35 000 Praxen bei 51 000 niedergelassenen Hausärzten, die sich deutschlandweit gemeldet haben, schätze ich, dass im Landkreis Waldeck-Frankenberg 70 Prozent aller Hausärzte mitmachen“, sagt der Allgemeinmediziner aus Willingen. Nach persönlichen Kontakten mit Medizinern aus dem Hausärzteverband würde er die Mitmachquote dort sogar mit 95 Prozent angeben.

Dass jetzt auch Hausärzte gegen Corona impfen dürfen, hält Dr. Dirk Bender für entscheidend hinsichtlich einer schnelleren Umsetzung der Impfkampagne. „Impfen ist für uns tägliche Routine. Natürlich müssen wir die große Nachfrage kanalisieren und dabei immer noch sinnvoll priorisieren, was manchmal schwierig zu vermitteln ist. Aber die allermeisten Patienten sind verständnisvoll und geduldig“, sagt der Allgemeinmediziner.

Dr. Dirk Bender weist außerdem darauf hin, dass Personen, die schon einen Termin im Impfzentrum haben, sich natürlich dort auch weiterhin impfen lassen können. „Was aber ganz wichtig ist: Wenn die Patienten schon einen Termin im Impfzentrum haben, vorher aber schon bei ihrem Hausarzt geimpft werden könnten und den Termin dort auch wahrnehmen, müssen sie unbedingt im Impfzentrum absagen. So können dort die Kapazitäten effizient für andere Impfwillige genutzt werden.“

Das sei mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg so abgestimmt.

Auf die aktuelle Priorisierungsliste schauen

Um unnötigen Beratungsaufwand zu vermeiden, bittet Dr. Dirk Bender die Patientinnen und Patienten in Waldeck-Frankenberg um Folgendes: Jeder an einer Impfung Interessierte möge anhand der Priorisierungsliste zunächst danach schauen, ob er zu den Priorisierungsstufen gehöre. Die Reihenfolge der Impfungen ist in der Impfverordnung des Bundes festgelegt, die auf der Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut aufbaut. Die Impfverordnung ist unter anderem hier zu finden: corona-impfung.hessen.de

„Manche Patienten fühlen sich, als ob Weihnachten wäre“

In der Hausarztpraxis von Thomas Wünsch in Frankenberg stand das Telefon am Dienstagmorgen nicht still: „Alle fragten nach einem Impftermin. Wir haben schon eine ellenlange Warteliste“, berichtete seine Frau Jeanette Wünsch-Becker.

„Da wir aber erst am Mittwoch Impfstoff bekommen, werden wir am Donnerstag anfangen zu impfen“, kündigte sie an. Der Praxis seien zunächst 30 Impfdosen zugesagt worden.

Das Praxisteam habe eine eigene Priorisierungsliste angefertigt. „Bei uns kommen zuerst Patienten mit Lungenerkrankungen oder Krebsleiden dran“, betonte Jeanette Wünsch-Becker. „Danach die über 80-Jährigen.“ Sie werde am Donnerstag den ganzen Tag über in der Praxis impfen. Ihr Mann werde die Patienten, die nicht mobil sind, zu Hause impfen.

Ähnlich ist die Situation bei Dr. Paul Theil in Geismar: „Die erste Impfstofflieferung wurde uns für Mittwoch Nachmittag angekündigt“, sagte der Facharzt für Sportmedizin. Auch bei ihm starten die Impfungen am Donnerstag. Er habe eine Priorisierungsliste mit Impfwilligen erstellt, die alle angerufen worden seien. „Manche Patienten fühlten sich, als ob Weihnachten wäre“, sagte seine Frau Annett Paulenz-Theil. Geplant sei nun, die rund 40 erwarteten Dosen am Donnerstag und Freitag zu verimpfen.

Auch in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Mark Uffelmann und Michael Dickeler in Frankenau wurde am Dienstag, 6. April, noch nicht geimpft. „Das ist angedacht, muss aber alles erst noch organisiert werden“, sagte eine Praxismitarbeiterin gegenüber unserer Zeitung.

Die Organisation ist in der Vöhler Praxis von Dr. Haldun Spreckelsen bereits abgeschlossen. Ab Donnerstag soll dort ebenfalls geimpft werden. „Den Nachmittag halten wir uns dafür frei, so können wir besser auf Fragen der Patienten eingehen“, erklärt der Allgemeinmediziner.

Die Impfungen werden nach einer Prioritätenliste verteilt. Dr. Spreckelsen sieht dabei einen Vorteil bei Hausärzten: „Die Kenntnis über die Patienten ermöglicht es, medizinische Notwendigkeiten einzuschätzen.“ Impfzentren seien anonym und starr, Arztpraxen könnten dagegen flexibler reagieren. „Ich bin überzeugt von dieser Vorgehensweise“, teilt er mit. Das Vertrauen der Patienten sei bei den Hausärzten größer. (dau/sk/sub)

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