Korbacher Allgemeinmediziner spricht sich für Impfungen in den Praxen vor Ort aus

Dr. Peter Koswig: „Hausärzte sind die Impf-Profis“

Corona-Impfung: Der Korbacher Allgemeinmediziner Dr. Peter Koswig drängt darauf, dass auch Hausärzte verstärkt ins Impfgeschehen eingreifen. 
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Corona-Impfung: Der Korbacher Allgemeinmediziner Dr. Peter Koswig drängt darauf, dass auch Hausärzte verstärkt ins Impfgeschehen eingreifen. 

Korbach – Das Chaos bei der Terminvergabe für Corona-Impfungen (wir berichteten) beschäftigt auch den Korbacher Allgemeinmediziner Dr. Peter Koswig. Er meldete sich bei der WLZ und fordert, dass Impfungen gegen eine Covid-19-Infektion verstärkt über die Hausärzte stattfinden sollten. Wie er sich das vorstellt, hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind alle Impfstoffe so gut geeignet, dass sie auch von Hausärzten verabreicht werden könnten?

Wenn Dr. Peter Koswig darauf drängt, dass in der Pandemie auch Hausärzte verstärkt Impfungen durchführen, spricht er vornehmlich vom Impfstoff des Unternehmens „Moderna“. Auch dieses Vakzin wird neben des Biontech/Pfizer-Produkts bereits in Deutschland ausgeliefert. „Der Moderna-Impfstoff ist 30 Tage nach dem Auftauen im Kühlschrank haltbar. Er braucht nicht verdünnt werden und man kann zehn Einzeldosen aus einem Fläschchen ziehen. Von daher ist das völlig unproblematisch für uns Hausärzte“, betont Dr. Peter Koswig.

Warum sollten Hausärzte jetzt intensiv ins Impfgeschehen einsteigen?

„In erster Linie, weil sehr viele – insbesondere ältere Menschen – es so möchten. Von meinen über 80-jährigen Patienten wollen sich die allermeisten impfen lassen“, berichtet Dr. Koswig. Eine Fahrt ins Impfzentrum nach Kassel lehnten sie ab, da der Aufwand hoch sei oder die Mobilität es kaum zulasse. „Ein weiteres Problem ist die sehr schwierige Terminvergabe, an der viele scheitern“, so Dr. Koswig. Für die meisten sei die Impfung beim Hausarzt die bei weitem bevorzugte Wahl.

Was zeichnet die Hausärzte aus?

„Die Hausärzte sind die Impf-Profis. Keiner impft mehr in Deutschland, das gehört zu unserer Kernkompetenz“, betont der Korbacher Allgemeinmediziner und fügt hinzu: „Alleine im Herbst impfen wir Hausärzte in Deutschland viele Millionen Menschen innerhalb weniger Wochen. Bei problemloser Erreichbarkeit erledigen professionell und schnell die versierten medizinischen Fachangestellten die Terminvergabe. Wir kennen unsere Patienten, mit ihren chronischen Erkrankungen, Vorerkrankungen oder Allergien.“

Sind Hausärzte aus logistischer, personeller und ressourcentechnischer Sicht überhaupt in der Lage, die zusätzlichen Corona-Impfungen zu übernehmen?

„Die aktuell und in nächster Zeit zur Verfügung stehenden Impfstoffmengen sind problemlos über die vielen, dezentral in Wohnortnähe der Menschen gelegenen Hausarztpraxen zu verimpfen“, ist sich der Korbacher Allgemeinmediziner sicher.

Dr. Peter Koswig, Allgemeinmediziner in Korbach

Wann könnte man in den Praxen mit den Impfungen beginnen?

„Wir könnten sofort starten. Der etwas aufwendiger zu handhabende Biontech-Impfstoff kann ja weiter über die zentralen Impfzentren verabreicht werden“, schlägt Dr. Koswig vor und macht eine Rechnung auf: „Wenn 50 000 Hausärzte täglich 20 Patienten impfen würden, wären das eine Million pro Tag.“ Davon sei man in Deutschland jedoch weit entfernt, da vom Gesundheitsminister und der EU viel zu spät die Impfstoffe bei den Firmen bestellt worden seien. „Jetzt brauchen wir große Mengen, denn jeder Tag zählt. Der meiste Impfstoff wird aber wohl erst ab Sommer kommen“, befürchtet Dr. Peter Koswig.

Wie sollten die Impfungen über die Hausärzte laufen?

„Natürlich würden sich auch die Hausärzte an die vorgeschriebene Reihenfolge halten. Also würden wir aktuell die über 80-Jährigen sowie Beschäftigte aus Kliniken und ambulanten Pflegediensten impfen“, sagt Dr. Koswig. Termine seien auch in den Praxen nötig, um Enttäuschungen und umsonst unternommene Wege zu vermeiden. „Bei unseren Hausbesuchen bei weniger mobilen Menschen könnten Impfungen unproblematisch mit erledigt werden. So machen wir das bei der Grippe-Impfung auch. Da muss also nicht aufwendig ein Impfteam anrücken“, sagt der Arzt.

Wie kommen Hausarztpraxen an den Impfstoff?

„Entweder wie üblich über die Apotheken oder durch direkte Anlieferung vom staatlichen Depot“, sagt Dr. Koswig.

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