Angeklagter aus dem Frankenberger Land

"Was macht dieser Mann mit meiner Tochter?" - 46-Jähriger soll  Mädchen sexuell missbraucht haben 

+
Der Prozess findet am Landgericht in Marburg statt.

Wegen mindestens 157 sexueller Handlungen an zwei Mädchen unter 14 Jahren ist ein 46-jähriger Mann aus dem Frankenberger Land angeklagt. 

Update vom 03.01.2020 um 17.41 Uhr: Bei der Fortsetzung des Prozesses am Landgericht Marburg wegen der sexuellen Misshandlung Minderjähriger ging es am Freitag hauptsächlich um die Erfahrungen der zweiten Zeugin mit dem Angeklagten. 

Sie ist wie das erste Mädchen im Jahr 2005 geboren; ihre Beziehung mit dem Angeklagten aus dem Frankenberger Land dauerte von April 2019 bis Juni 2019, als sie noch nicht ganz 14 Jahre alt war. Als Zeugin wurde ihre Mutter aufgerufen, die zunächst die sich entwickelnde Freundschaft mit dem Angeklagten schilderte. 

Missbrauch in Hessen: „Es war mehr als eine Freundschaft, aber ich hatte kein Verhältnis mit ihm.“

Über einen längeren Zeitraum hätten sowohl sie als auch ihre insgesamt fünf Kinder die Beziehung als sehr positiv wahrgenommen. „Es war mehr als eine Freundschaft, aber ich hatte kein Verhältnis mit ihm.“ 

Dann allerdings entdeckte sie einen Whatsapp-Chat zwischen dem Mädchen und dem Angeklagten mit intimem Inhalt. „Mein erster Gedanke war: Was macht dieser Mann mit meiner Tochter? Da läuft was verkehrt.“ 

Nach ihrem Dafürhalten habe er „schamlos ausgenutzt, dass meine Tochter in ihn verliebt war“. 

Inzwischen habe diese die Geschichte abgehakt, sie schäme sich allerdings dafür. „Es geht ihr wieder gut“, sagte die Mutter. Beim folgenden so genannten Adhäsionsantrag, bei dem die zivilrechtlichen Ansprüche der ersten Zeugin, die am Vortag ausgesagt hatte, formuliert wurden, wurden noch einmal alle Fakten zusammengefasst.

Missbrauch in Hessen: Mann soll Elfjährige mindestens einmal pro Woche missbraucht haben

 So habe der Beschuldigte seit Anfang 2016 das zu Beginn elfjährige Mädchen mindestens einmal wöchentlich missbraucht. Ans Licht kam die Sache erst im Februar 2019. Im April erfuhr der leibliche Vater davon und erstattete Strafanzeige. Seit Juli 2019 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. 

Die Folgen für das Mädchen seien massiv, so die Aussage der Vertretung der Nebenkläger. So sei das Mädchen nicht schulfähig, habe angefangen, sich zu ritzen, und habe sich zeitweilig mit Suizidgedanken getragen. Eine weitere Zeugin bestätigte die Aussagen. Berührungen durch den Angeklagten seien „Alltag“ für das Mädchen gewesen, während das andere Mädchen ihr Verhältnis zum Angeklagten „tatsächlich als Beziehung verstanden“ habe. Die Schilderung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten ergaben, dass dieser zwar einen Realschulabschluss gemacht, die sich anschließende Ausbildung zum Krankenpfleger aber abgebrochen hat. Mit seiner früheren langjährigen Partnerin hat er vier zum Teil erwachsene Kinder. Wegen mehrfachen Betrugs ist er bereits zu Geld- und Freiheitsstrafen, teils mit und teils ohne Bewährung, verurteilt worden. Die Verhandlung wurde auf den kommenden Donnerstag vertagt.

Erstmeldung vom 02.01.2020: Waldeck-Frankenberg - Schwerer  Kindesmissbrauch in Nordhessen: Ein 46 Jahre alter Mann muss sich deshalb nun vor Gericht verantworten. Der Prozess mit dem Vorsitzenden Richter Dr. Jan Christof Otto hat am Donnerstag am Landgericht Marburg begonnen. Vorgesehen sind wegen des Umfangs der Anschuldigungen mehrere Tage. Zum Auftakt wurde zeitweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. 

Kindesmissbrauch in Hessen: Vor Gericht werden schockierende Details öffentlich

Unter anderem werden dem Angeklagten fünf „beischlafähnliche Handlungen“, sichtbares Onanieren vor der minderjährigen Zeugin und Anfassen der Zeugin samt Penetration mittels eines Fingers vorgeworfen. „Es kam ihm dabei darauf an, von der Zeugin wahrgenommen zu werden“, sagte Staatsanwältin Janina Pristl. Die Zeugin sei außerdem zu Masturbationshandlungen gezwungen worden. 

Bei der ersten Zeugin handelt es sich um die Tochter der früheren Lebensgefährtin des Angeklagten, so dass in der Anklage der Missbrauch von Schutzbefohlenen erschwerend hinzukommt. 

Kindesmissbrauch in Hessen: Angeklagter hatte Mädchen bedroht 

Dazu hätten Drohungen im Raum gestanden, falls sich das Mädchen seiner Mutter anvertraut hätte. Die Vertreterin der Nebenkläger sprach hier von psychischer Gewalt des Mannes: Das Mädchen würde als Lügnerin dastehen, man würde ihm sowieso nicht glauben, und es käme über kurz oder lang ins Kinderheim. 

Zeugin Nummer eins, Jahrgang 2005, war zu Beginn der Übergriffe elf Jahre alt und betrachtete den damaligen Lebensgefährten der Mutter als Vater. Ihr leiblicher Vater lebte bereits zu dieser Zeit mit einer neuen Partnerin in einer anderen Stadt in Waldeck-Frankenberg, die Tochter besuchte ihn alle 14 Tage. 

Beim nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung ging es um Video-Aufzeichnungen und die polizeiliche Vernehmung der zweiten Zeugin. 

Im Anschluss wurde ein Kripobeamter befragt, der den Angeklagten in der Psychiatrie in Haina vernommen hatte, wohin sich der Angeklagte auf eigenen Wunsch hatte einweisen lassen. „Ich hatte den Eindruck, dass er seine Geschichte loswerden und mit sich selbst ins Reine kommen wollte“, sagte der Beamte als Zeuge aus. Zugleich habe er sich in einer Art Opferrolle gesehen. 

Prozess: Mann soll Mädchen in Nordhessen missbraucht haben

Der Zeuge berichtete außerdem von Nacktfotos, die sich der Angeklagte und die minderjährige Zeugin per Whatsapp geschickt hätten. Hier sei die Initiative von dem Mädchen ausgegangen, das auch seine Posen – Nacktaufnahmen bis zur Abbildung der Vagina – selbst gewählt habe. 

Der Vater der Zeugin berichtete, dass die Entwicklung seiner Tochter nach der Bekanntwerdung des Missbrauchs von massiven Stimmungsschwankungen geprägt sei. Sie wohnt inzwischen bei ihm, verbrachte allerdings einen fünfwöchigen Aufenthalt in der Kinder- und Jugend-Psychiatrie Kassel. Ein weiterer Therapieaufenthalt sei geplant.

Am zweiten Verhandlungstag am Freitag wird sich das Gericht mit der Aussage der zweiten Zeugin beschäftigen.

Sexueller Kindesmissbrauch kann sich über eine lange Zeit hinziehen, ohne dass er bemerkt und angezeigt wird. Bei welchen Anzeichen sollten Verwandte und Bekannte alarmiert sein?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.