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Hilferuf an die Politik: Bäcker in Waldeck-Frankenberg leiden unter gestiegenen Kosten

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Von: Michael Cebula

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Michael Bienhaus, Bäckermeister aus Battenberg, ist Obermeister der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg.
Michael Bienhaus, Bäckermeister aus Battenberg, ist Obermeister der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg. © Michael Cebula

Das Bäckerhandwerk kämpft mit den explodierenden Energiepreisen und mit deutlichen Preissteigerungen bei Zutaten. Die Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg hat deshalb einen Hilferuf an die Politik geschrieben.

Waldeck-Frankenberg - Die 28 Bäckereien in Waldeck-Frankenberg kämpfen derzeit mit ihren Kosten. „Bei Eiern mussten wir innerhalb von drei Wochen zwei Preiserhöhungen hinnehmen“, sagt Michael Bienhaus (Battenberg), Obermeister der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg. Er befürchtet, dass Kunden durch Preiserhöhungen der Backwaren „eher zum Discounter gehen als zur lokalen Backstube“ und Bäckereien im Kreis durch die Kosten schließen müssen.

„Die Preise für Rohstoffe, Strom, Erdgas und Heizöl steigen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben“, berichtet der Bäckermeister aus Battenberg. Er beziffert, dass Öl 1,6-fach, Strom vierfach und Gas bis zu achtfach teurer geworden seien. Im vergangenen Jahr habe der Bäcker noch 90 Cent pro Liter für Heizöl bezahlt, inzwischen stehe der Preis bei mehr als 1,50 Euro. „Auch bei Hefe- und Molkereiprodukten haben wir eine Preissteigerung von 100 Prozent hinnehmen müssen.“

Hinzu kommt der erneute Anstieg der Spritpreise, die die Lieferanten bei ihren Preisen an die Bäckereien weitergeben. Und Energie benötigen die Bäckereien rund um die Uhr. Sei es für Backofen, Spülmaschine, Gär- und Kühlschränke. Der Backofen muss bis auf 200 Grad vorgeheizt, das habe Bienhaus im vergangenen Jahr noch zehn Euro gekostet, heute 45 Euro.

Bäcker überlegt, wegen Kosten Bäckerei zu schließen

Obermeister Michael Bienhaus ist sich bewusst: „Um die Kunden nicht zu verlieren, können wir die Kosten nicht eins zu eins an sie weitergeben, wir müssen die Last leider teilweise selber tragen.“ Eine Last, die nicht jeder Bäcker schultern möchte oder kann. Bienhaus berichtet von einem Bäckermeister, der nach der Corona-Pandemie und den nun enorm gestiegenen Kosten erwägt, seine Backstube zu schließen und vorzeitig in Rente zu gehen.

Ebenfalls besorgt ist Jürgen Viehmeier, Geschäftsführer des Schwälmer Brotladens aus Gilserberg, der auch Filialen in Waldeck-Frankenberg hat. Er rechnet mit drastischen Mehrkosten bei der Produktion und Belieferung der Filialen – hinzu kämen teurere Nebenkosten für die Geschäfte. „Das Bäckerhandwerk wird nicht ohne Preiserhöhungen auskommen“, sagt Viehmeier: „Wir hoffen sehr, dass die Kunden uns trotzdem treu bleiben und nicht in die Discounter abwandern.“

Auch Bäckermeister Daniel Clement aus Mengeringhausen wird „Angst und Bange“ bei der Aufzählung seiner Kosten. Er zahle monatlich 4000 Euro mehr für Rohstoffe, habe 8000 Euro jährlich Mehraufwand für Gas und ab Oktober steigen die Lohnkosten auch noch um 2000 Euro für seine Bäckerei.

„Ich arbeite täglich fast ins Minus.“

Bäckermeister Daniel Clement aus Mengeringhausen

„Ich arbeite täglich fast ins Minus“, sagt Daniel Clement. „Da musst du dich langfristig mit dem Gedanken befassen, zu schließen. Diesen Gedanken hatte ich wie viele meiner Kollegen tatsächlich auch. Aber wenn du einmal schließt, kannst du danach nicht mehr öffnen, weil dann bist du insolvent.“

Die Mehrkosten haben Konsequenzen für die Bäckerei von Daniel Clement: „Wir werden leider in die Knie gezwungen, den Preis für unsere Lieferkunden bereits um 40 Prozent zu erhöhen. Die Backwaren im Laden wird das zukünftig leider auch betreffen.“ Zudem merke der Bäckermeister, dass sich das Kundenverhalten in den vergangenen Wochen verändert habe, die Kunden zurückhaltender agieren und „beispielsweise eher weniger Kuchen kaufen“ würden.

„Brot muss bezahlbar sein, deshalb wird die moderate Preiserhöhung nicht ausreichen“, sagt Obermeister Michael Bienhaus. Die Bäckereien würden verkürzt öffnen, Randprodukte könnten künftig nicht mehr produziert werden. Bienhaus Unterstützung vom Staat, denn „vom Energiekostendämpfungspaket sind wir ausgeschlossen“, obwohl handwerkliche Bäckereien sowohl „energieintensiv als auch systemrelevant anerkannt sind“, sagt der Obermeister.

Brandbrief an heimische Landtags- und Bundestagsabgeordnete

Mit einem Brandbrief an die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten dringt die Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg auf konkrete Unterstützung: „Deutschland besteht nicht nur aus Industrieunternehmen im internationalen Wettbewerb. Bitte helfen Sie dabei, das Bäckerhandwerk zu erhalten.“

„Unsere Fachpolitiker drängen intensiv darauf, dass das jüngste Rettungspaket noch einmal in Ihrem Sinne überarbeitet wird. Im Interesse der Bäckereien und Verbraucher wäre es dringend zu wünschen“, antwortete ihm etwa der Bundestagsabgeordnete Armin Schwarz (CDU).

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat vor wenigen Tagen bereits auf eine Ausweitung des Rettungsschirms für kleine und mittlere Unternehmen gedrängt, deren Existenz durch die Energiekrise gefährdet ist. Dazu zählen auch Bäckereien. Die zusätzlichen Kosten werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Die Maßnahme diene auch dem Ziel, die Rezession „einzubremsen“, sagte Habeck und machte wegen der Finanzierung Druck auf Bundesfinanzminister Christian Lindner.

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