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Hitler glorifiziert: Trio wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung angeklagt

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Auto im See versenkt: Zwei Männer und eine Frau im Alter von 20 und 21 Jahren mussten sich dafür vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten.
Weil sie einen Kalender, in dem Hitler verherrlicht wird, herausgegeben haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft ein Trio wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung angeklagt. (Symbolbild) © Archiv

Weil sie einen Kalender, in dem Hitler verherrlicht wird, herausgegeben haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft Kassel einen 75-jährigen aus dem Kreis Kassel, eine 72-Jährige aus Bad Wildungen und einen 72-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung angeklagt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Die Verhandlung begann am Dienstag vor dem Amtsgericht Fritzlar. Der 75-Jährige steht nach Auskunft der Staatsanwaltschaft im Verdacht, für die inhaltliche Ausgestaltung des Jahresplaners wesentliche Verantwortung zu tragen. Die beiden anderen Angeklagten werden verdächtigt, für die Herausgabe des Kalenders gemeinsam mit dem 75-Jährigen verantwortlich zu sein.

In dem Jahresplaner wird nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Adolf Hitler glorifiziert und rehabilitiert, indem neben einem Porträtbild ausgeführt werde, Hitler habe sich „im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl Europas, vollständig aufgerieben“.

Unter der Überschrift „Die Ausrottung der Deutschen“ wird laut Staatsanwaltschaft der sogenannte „Hooton-Plan“ erläutert: Zum Zwecke der „biologischen Umzüchtung und Umvolkung als notwendige Maßnahme zur (…) Unterwerfung“ der Deutschen „empfahl Hooton, die Geburtenzahl der Deutschen zu reduzieren sowie die Ansiedlung von Fremdrassigen in Deutschland zu fördern“. Hierbei handelt es sich nach Auffassung der Anklagebehörde „um eine zu Fremdenhass aufstachelnde Terminologie und verschwörungstheoretische Ideologie“.

Außerdem werde die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft gebilligt und gerechtfertigt, indem ausgeführt werde: „Die Deutschen haben während des Zweiten Weltkrieges keinen Vernichtungskrieg gegen andere geführt: Sie haben um ihr Überleben, um ihr Sein gekämpft. Schon gar nicht haben sie diesen Krieg begonnen.“ Auf einer Seite heiße es: „Und wie in den beiden Weltkriegen zuvor, ist wieder einmal Deutschland das Hauptangriffsziel.“

Zunächst äußerte sich nur der Angeklagte aus Nordrhein-Westfalen: Der Sachverhalt sei in der Anklage richtig dargestellt. Er selbst aber habe den Jahresplaner „nur korrigiert und lektoriert, ich greife nicht in die Texte ein“. Die Idee zum Kalender hatte der Beschuldigte aus dem Kreis Kassel, wie er selbst einräumte. „Meine Mandantin hatte zu keiner Zeit einen Verlag“, betonte der Verteidiger der Wildungerin, die keine Aussage machte.

Das Amtsgericht Fritzlar wird am Mittwoch (24.08.2022) darüber entscheiden, ob es im vorliegenden Fall zu einer sogenannten Verständigung kommen kann. Diese Verständigung war gestern von der Verteidigung angesprochen worden. Die Verhandlung wurde auch deshalb unterbrochen, damit alle Beteiligten genug Zeit haben, den Jahresplaner für das Jahr 2016 zu lesen. Ein Verteidiger brachte eine Geldstrafe zwischen 90 und 150 Tagessätzen ins Gespräch. (Manfred Schaake)

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