HNA-Serie: Klönen, backen, erholen - Willershausen ist Oase der Ruhe

Treue Kundschaft: Der Bäckerwagen, an dem sich die Willershäuserin Maria Schmitt (Foto) gerne mit Backwaren eindeckt, kommt einmal pro Woche ins Dorf. Foto: Daum

Willershausen. Die HNA war wieder unterwegs: In unserer Serie „Die kleinsten Orte" stellt unser Redakteur Philipp Daum Willershausen vor, einen Rosenthaler Stadtteil mit 82 Einwohnern.

Es dauert nicht lange, da treffe ich in Willershausen die drei Geschwister und Rentnerinnen Gertrud Eichler, Erna Trust und Maria Schmitt. Zwei von ihnen nehmen mich sofort bei der Hand und machen mit mir einen Rundgang durch das Dorf, in dem heute 82 Einwohner leben. An der großen Linde bleiben wir stehen. „Das ist unser Dorfmittelpunkt. Hier trifft man sich zum Klönen“, sagt Erna Trust.

Es geht weiter zur Alten Schule, die heute privat als Ferienhaus genutzt wird. Trust und Gertrud Eichler erinnern sich an ihre Schulzeit in dem großen Fachwerkhaus. „Schulbeginn war um 8 Uhr morgens. Um halb zehn sind wir dann kurz nach Hause, um unser Frühstücksbrot zu essen. Das war kein Problem, alles liegt hier in Willershausen nah beieinander“, sagt Erna Trust. Es habe nur einen Klassenraum und einen Lehrer gegeben. Heute werden die Kinder aus Willershausen mit dem Bus nach Rosenthal oder zu den weiterführenden Schulen nach Gemünden und Frankenberg gebracht.

Die nächste Station ist das urige Backhaus am Dorfgemeinschaftshaus. Ursprünglich stand das Häuschen am Wendeplatz etwas unterhalb des Dorfes, wo mittlerweile das Buswartehaus steht. Anfang der 1990er-Jahre hatten die Willershäuser das Backhaus aber direkt neben das DGH gesetzt. „Bei Feiern liegt jetzt es alles zusammen. Backhaus, DGH, Spielplatz für die Kinder und der Gripllplatz bilden ein geschlossenes Areal“, sagt Gertrud Eichler. Das Backhausfest hat in Willershausen Tradition und ist der Höhepunkt im Jahr. „Jeden dritten Sonntag im September heizt Karl Hecker den Ofen an. Es werden zahlreiche Brote für die Rosenthaler und Willershäuser gebacken.

Als der Rundgang durch den Ort fortgesetzt wird, bimmelt plötzlich der Bäckerwagen. Dieser kommt einmal in der Woche und versorgt die Willershäuser mit Backwaren.

„Wer naturverbunden ist und gerne Tiere hält, der liebt das Leben in Willershausen“, sagt Hermann Ruckert, den ich anschließend treffe. Er berichtet, dass er dreieinhalb Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen sei und daher die Freiheit und die Weite, die er in Willershausen gefunden habe, umso mehr zu schätzen wisse. „Hier will ich nie wieder weg“, sagt der 89-Jährige und streichelt seine Hündin Polli.

Von Philipp Daum

In Willershausen haben auch Flüchtlinge einen sicheren Ort der Zuflucht gefunden. Mehr dazu lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.