„Ansatz“ am Leben erhalten

Hobby Blasmusik in Corona-Zeiten: Warten auf das Gefühl der Befreiung

Seit 60 Jahren begeistert sich Ernst-Adolf Möller für die Blasmusik als Hobby.
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Seit 60 Jahren begeistert sich Ernst-Adolf Möller für die Blasmusik als Hobby.

„Man muss weiter üben, damit man seinen Ansatz am Leben erhält“, sagt Ernst-Adolf Möller. Seit mehr als sechs Jahrzehnten hält der Manderner damit seine Passion für die Blasmusik am Leben.

Mandern – Die Corona-Pandemie stellt die Liebe zu seinem Hobby auf die härteste Probe, aber aufgeben und sein Horn ins Korn werfen? Das kommt für ihn, der gerade 75 geworden ist, nicht in Frage.„Die letzte gemeinsame Probe hatten wir vorigen Sommer unter Corona-Abstand in der Halle des Getränkehandels Steinmetz“, erzählt er. „Wir“, das sind die Friedrichsteiner Schlossbergmusikanten, bei denen Möller mit Gleichgesinnten aller Generationen unter Leitung von Frank Parlow spielt. „Ein modernes Repertoire“, wie sich Möller freut.

Und jetzt? Solche gemeinsamen Übungsstunden sind seit einer gefühlten Ewigkeit verboten, von Auftritten ganz zu schweigen.„Wir treffen uns montags zum Video-Chat und bleiben so zumindest in Kontakt. Zum Glück ist bislang noch niemand abgesprungen“, berichtet Möller.

Üben allein im Keller des eigenen Hauses

Aus seiner Sicht gar nicht selbstverständlich, denn weiter üben, um den Ansatz zu bewahren – das geht aktuell nur allein. Möller tut das zwei bis drei Mal die Woche im Keller des eigenen Heims. „Wenn niemand Anderes im Haus ist“, fügt er mit einem kleinen Lachen hinzu. Denn auf dem Baritonhorn spiele er eben Nebenmelodien. Der Reiz, dem solo zuzuhören, halte sich für Außenstehende in Grenzen.

Damit ihm persönlich das Proben ohne die übrigen Schlossberg-Aktiven nicht zu langweilig wird, greift Ernst-Adolf Möller auf Halb-Playback zurück. „Ich suche mir auf Youtube Filme von Orchestern heraus, die Stücke spielen, die sich auch in unserem Notenbestand befinden“, erklärt er. Seinen eigenen Part steuert er live bei. „Auf dem Lande haben wir zum Glück diese Möglichkeit. Zur Miete in einer größeren Stadt stelle ich mir das sehr viel problematischer vor“, ergänzt der Hornist.

Mit 14 die Blasmusik als Hobby entdeckt

Mit 14 knüpfte er die ersten zarten Bande zur Musik im Männergesangverein seines Heimatdorfes, doch nicht sehr lange. Dann gründete sich in Mandern der Musikverein, der bis heute als „Edertaler Musikanten“ so bekannt wie erfolgreich ist. Möller begeisterte sich.

Er erlebte mit dem Ensemble tolle Zeiten. Gern erinnert er sich an die 70er, in denen die Musikanten in der Reinhardshäuser „Kajüte“ sonntags zum Frühschoppen Kurgäste in Stimmung und zum Tanzen brachten. „Morgens um halb zehn stand der Sekt auf den Tischen“, erzählt Möller von dieser Vergangenheit. Sie erscheint doppelt unwirklich nach dem Untergang von „Morgens Fango, abends Tango“ und in Zeiten von Corona. Jedes Wochenende war Möller mit seinem Instrument voll eingespannt: bei privaten Ständchen, Platzkonzerten, Saalauftritten.

Die Zuversicht bleibt

Über die Jahrzehnte hinweg gab es natürlich schon Krisen wie Pausen, zum Beispiel, als die Zahl der Aktiven in Mandern Ende der 1960er stark schrumpfte. „Ich war damals drei Jahre bei der Bundeswehr und kam nur an den Wochenenden nach Hause“, erinnert er sich. Gemeinsam bewältigte das Ensemble dieses Tief aber leichter, als heute die Folgen von Corona zu verarbeiten sind. 2013 schied Möller aus, „weil ich an Wochenenden mehr mit meiner Frau und der Familie unternehmen wollte.“ Einfach Festumzüge genießen und nicht mitmarschieren. „Das machte Spaß“, denn anders als in der Pandemie blieb Musik als Live-Erlebnis dem Zuschauer Ernst-Adolf Möller ja erhalten.

2016 juckte es ihn dann wie eh und je in den Fingern, als Frank Parlow fragte, ob er bei den neuen „Friedrichsteiner Schlossbergmusikanten“ mit musiziere. Möller vermisst in der Zwangspause die gemeinsamen Proben und Auftritte: „Es erfüllt und befreit, anderen mit Musik Freude zu bereiten.“ Gut für Gesundheit und Wohlbefinden. Die Zuversicht, dieses Gefühl in nicht allzuferner Zukunft wieder im Orchester zu teilen, lässt sich Ernst-Adolf Möller nicht nehmen. Corona hin, Corona her. (Matthias Schuldt)

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