Waldeck-Frankenberg - Saison 2021 nahezu ausgebucht

Hochzeitsbranche in der Krise - Viele Paare verschieben Feier wegen Corona

Schloss Waldeck mit seinem einzigartigen Panorama auf den Edersee ist ein gefragter Ort zum Heiraten. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang März ist die Zahl der Hochzeiten drastisch gesunken.
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Schloss Waldeck mit seinem einzigartigen Panorama auf den Edersee ist ein gefragter Ort zum Heiraten. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang März ist die Zahl der Hochzeiten drastisch gesunken.

Die Corona-Krise verhagelt in diesem Jahr die Hochzeitssaison. Wegen der Einschränkungen haben viele Paare ihre Feiern abgesagt oder verschoben.

Waldeck-Frankenberg/Kassel - Das führt nicht nur zu Unsicherheiten und Tränen bei den Brautleuten. In der Branche stehen viele Unternehmen, die sich auf den sprichwörtlichen schönsten Tag im Leben spezialisiert haben, mit dem Rücken zur Wand. Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es spürbar weniger Trauungen in den Standesämtern (siehe Infobox). Deutlich sichtbar wird das in der Großstadt Kassel: Dort wurden dieses Jahr in den drei Monaten ab Mitte März 184 Ehen geschlossen – 35 Prozent weniger als im Vorjahr (283).

Laut Bund deutscher Hochzeitsplaner gibt ein Brautpaar in Deutschland im Schnitt 10 000 Euro für die Hochzeit aus, was für die gesamte Branche einen Umsatz von etwa vier Milliarden Euro im Jahr macht – wenn nicht coronabedingte Ausnahmezustände herrschen. Steckt die Branche in der Krise, betrifft das viele Personen und Betriebe: Gastronomen, Fotografen, Konditoren, DJs und Hochzeitsplaner berichten, dass seit März fast sämtliche Aufträge storniert oder verschoben wurden. Im kommenden Jahr, wenn viele Feste nachgeholt werden und andere Paare regulär eine Hochzeit planen, könnte es mit Terminen eng werden.

„Die Einschränkungen durch die Corona-Bedingungen haben für Brautpaare vor allem zu Unsicherheiten in der Planung geführt und die Vorfreude auf das Fest getrübt“, sagt Sophie Hocke. Sie ist freie Rednerin aus Bad Arolsen und führt freie Trauungen durch. Trotz allem führen die aktuellen Lockerungen der Einschränkungen zu vielen neuen Anfragen. Sie wünsche sich, dass geltende Regeln für Hochzeiten transparent und zeitlich planbar seien, sagt Hocke.

Sandra Christiansen von der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg mit dem Hotel Sonne, der Walkemühle und dem Alt-Battenberg betont: „Umsätze von diesem Jahr sind nicht mit den letzten Jahren vergleichbar, da wir in dem Prozess des langsamen Hochfahrens sind.“

Heiraten auf Sparflamme

Beim schönsten Tag des Lebens macht niemand gerne Abstriche. Verständlich, da die meisten deutschen Paare ihre Hochzeit im Durchschnitt ein bis anderthalb Jahre im Voraus planen. Dieses Jahr ist vieles anders als üblich und die Corona-Krise macht auch vor dem Fest der Feste nicht halt.

Das hat zur Konsequenz, dass tausende Paare in Deutschland die geplante Trauung verschieben, absagen, oder ein deutlich verringertes Fest im kleinen Rahmen veranstalten.

Die Folge: Viele Berufsfelder sind unmittelbar von der Krise betroffen und eine erhebliche Anzahl von Betrieben bangt um das eigene wirtschaftliche Überleben – zum Beispiel Gastronome, Hochzeitsplaner, Fotografen, DJs und Moderatoren, Musiker, Fahrer, Konditoren und Bäcker, Fahrdienste und Fahrzeugverleiher.

Auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind die Verluste, die eine Großzahl derartiger Unternehmen durch den Wegfall vieler Hochzeiten erleiden muss, erheblich. Einige der Betroffenen haben sich auf unsere Nachfrage zu den besonderen Umständen und ihre Folgen geäußert.

Fotografie

Eva-Maria Schmidt ist Fotografin in Herzhausen. Laut eigenen Angaben machen Hochzeiten etwa 75 Prozent ihrer Aufträge aus. „Fast alle Festivitäten der Hochzeitssaison 2020 sind ausgefallen.“ Beschränkungen der Personenanzahl, Maskenpflicht in vielen Örtlichkeiten und Einschränkungen in der Wahl des Trauortes würden die meisten Hochzeitspaare abschrecken. Die Konsequenz: „Die große Mehrheit der Brautleute hat ihre Hochzeit verschoben - entweder auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr oder gleich auf das nächste.“

Das Problem dabei sei die Art der Planung und der Buchungsauslastung, da Hochzeiten aufgrund des Aufwandes in der Regel mit beträchtlicher Vorlaufzeit geplant und gebucht werden – so sei Schmidt für das Jahr 2021 schon nahezu ausgebucht.

Eine verschobene Hochzeit ist für mich gleichbedeutend mit einer ausgefallenen.

Eva-Maria Schmidt, Fotografin aus Herzhausen

„Eine Verschiebung der Termine ist für mich kaum möglich, da fast jedes mögliche und beliebte Datum bereits im Vorfeld gebucht wurde. Das heißt, dass eine verschobene Hochzeit für mich mit einer ausgefallenen gleichbedeutend ist.“

Für Schmidt seien die Umsatzeinbrüche extrem, trotzdem bleibe sie positiv und lasse sich nicht unterkriegen. Die Hoffnung auf eine Normalisierung der Umstände bis spätestens 2021 wiege vor.

Gastronomie

Sandra Christiansen ist Teil der Verkaufsleitung der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg. Zu der Gesellschaft gehören unter anderem das Hotel Sonne und das Landgut Walkemühle in Frankenberg und das Alt-Battenberg in Battenberg. Allesamt beliebte Orte für Hochzeiten. Laut Christiansen konnten viele Veranstaltungen, darunter einige Hochzeiten, in den vergangenen Monaten nicht stattfinden, jedoch sei mit allen Brautpaaren ein neuer passender Termin gefunden worden.

Mit kreativen Ideen sei es auch zurzeit möglich, unvergessliche Feste zu feiern: „Was gestern die grandiose, unvergessliche Party war, ist nach Monaten sozialer Distanz einfach die Begegnung mit Menschen. Das ist eine große Freude und hat doch einige Paare dazu bewogen, ihre Hochzeit wie geplant umzusetzen.“

Das eigene entwickelte Hygienekonzept hätte einige Paare überzeugt, im kleinen Kreise standesamtlich zu feiern und die große Feier im nächsten Jahr folgen zu lassen. Noch müsse man dieses Jahr mit Einschränkungen rechnen, doch hoffe sie, spätestens im nächsten Jahr wieder im gewohnten Rahmen Feiern ausrichten zu können.

Moderation

Sophie Hocke ist freie Rednerin für Hochzeiten, Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern in Bad Arolsen. Die meisten der bei ihr gebuchten Zeremonien sind üblicherweise freie Hochzeiten – ein wachsender Trend unter den möglichen Trauzeremonien. „Vor Corona sah es so aus, als wenn dieser Sommer voll mit freien Trauungen sein würde.“ Unsicherheiten in der Planung führen nun zu Planänderungen, gefragt seien nun kleinere Feiern und Gartenpartys.

Das ändere wenig an der Tatsache, dass 80 Prozent der ursprünglich geplanten Trauungen auf nächstes Jahr verschoben worden seien. (Raphael Digiacomo, Katja Rudolph)

Standesämter melden weniger Trauungen Juni

Das Standesamt Frankenberg meldete für Juni 2020 17 Trauungen, im Jahr zuvor waren es 23. Neben dem Brautpaar waren sechs weitere Personen zugelassen, einige Trauungen wurden abgesagt oder verschoben. Auch in Korbach wurden im Juni 17 Trauungen geschlossen, sechs weniger als im Juni des Vorjahres. Im Bezirk Bad Wildungen/Edertal gab es im Juni 2020 ebenfalls 17 Trauungen, vor einem Jahr waren es 21. Es standen nicht alle üblichen Veranstaltungsorte zur Wahl. rdg

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