Hofabgabeklausel macht Bauern Probleme mit der Rente

Milchbauer in Geismar: Kurt Freitag engagiert sich seit Jahren für die Belange von Landwirten. Jetzt hat er die Diskussion über die Hofabgabeklausel im Landkreis angestoßen. Archivfoto:  Hörcher

Waldeck-Frankenberg. Die Hofabgabeklausel sorgt derzeit bundesweit für Diskussionen.

Sie besagt im Prinzip, dass ein Landwirt, wenn er 65 wird und die Rente aus der landwirtschaftlichen Alterskasse bekommen möchte, seinen Hof abgeben muss - in der Regel an Kinder oder Enkel.

Mit dieser Regelung soll erreicht werden, dass die landwirtschaftlichen Betriebe auf die nächste Generation überschrieben werden. Wenn die aber nicht dafür bereitsteht, kann es Probleme geben.

So wie im Fall von Milchbauer Kurt Freitag aus Geismar. „Wir haben uns beim Rechtsanwalt und Steuerberater erkundigt und waren bei der landwirtschaftlichen Sozialkasse in Kassel. Das ist alles sehr kompliziert, wir hatten einen höllischen Zirkus deswegen“, sagt Kurt Freitag.

Die beiden Söhne haben andere Berufe, einer hat den Hof nun aber gepachtet, damit die Eltern - beide sind über 60 - auch im Rentenalter dort weiterarbeiten können. „Manche haben aber niemanden, um den Hof verpachten und weiterarbeiten zu können“, sagt Kurt Freitag.

50 Hektar und 46 Kühe haben die Freitags. Wer einen Hof abgibt, darf nur zwei Hektar behalten. Auch das findet Kurt Freitag ungerecht: „Ein Opa mit fünf Hektar und sechs Rindern muss abgeben, ein Hähnchenmastbetrieb mit einem Hektar darf weitermachen und bekommt die Rente. Das ist doch verrückt.“ Und auch jeder Nebenerwerbslandwirt könne weitermachen, weil er ja eine andere Rente bekommt. Ehefrau Inge Freitag findet deshalb: „Die Hofabgabeklausel ist praktisch eine Enteignung, entweder des Betriebes oder der Rente.“

Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, sieht in der derzeitigen Hofabgabeklausel allerdings „kein echtes Problem“: „Wir haben im Jahr 50 bis 60 Hofübergaben und hatten noch keinen Fall, in dem einer keine Rente gekriegt hätte.“

Von Jörg Paulus

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