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Hohe Waldbrandgefahr: Feuerwehren in Waldeck-Frankenberg proben den Ernstfall

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Von: Jörg Paulus

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Auf einem Feld bei Korbach hat der Kreisfeuerwehrverband Einsatzkräfte von Feuerwehren aus Waldeck-Frankenberg für den Umgang mit Vegetations-, Wald-, und Flächenbränden geschult.
Auf einem Feld bei Korbach hat der Kreisfeuerwehrverband Einsatzkräfte von Feuerwehren aus Waldeck-Frankenberg für den Umgang mit Vegetations-, Wald-, und Flächenbränden geschult. © Kreisfeuerwehrverband

Wegen der anhaltenden Trockenheit herrscht in Hessen eine erhöhte Gefahr für Wald- und Feldbrände. Die Feuerwehren in Waldeck-Frankenberg sind deshalb in erhöhter Alarmbereitschaft.

Waldeck-Frankenberg – 160 Waldbrände gab es in diesem Jahr schon in Hessen – darunter der Großbrand am 19. Juli im Burgwald. Zudem mussten die Feuerwehren im Landkreis schon zu einigen Bränden auf Feldern ausrücken, weil Maschinen bei der Ernte Feuer gefangen hatten. Angesichts der anhaltenden Trockenheit rechnet das Land Hessen weiterhin mit einer „hohen, lokal sogar sehr hohen Waldbrandgefahr“. Daher gilt weiter Alarmstufe A, die das Land am 18. Juli ausgerufen hatte (siehe Hintergrund). Auch in Waldeck-Frankenberg sind die Feuerwehren in Alarmbereitschaft.

„Wir haben Sorge vor einem Waldbrand, ganz klar, Es gibt unvernünftige Leute genug“, sagt Francisco Ayora Escandell, Gemeindebrandinspektor der Gemeinde Burgwald. Er meint damit, dass die meisten Waldbrände unbeabsichtigt oder beabsichtigt von Menschen ausgelöst werden.

Wie die Feuerwehren der Waldbrandgefahr begegnen, dazu haben die Gemeindebrandinspektoren im Frankenberger Land gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet, berichtet Ayora Escandell: Wenn Alarmstufe „F2 Wald“ ausgegeben wird, dann rücken alle Wehren des Südkreises, die große Wassertank-Fahrzeuge besitzen, mit diesen direkt aus.

Seminar für Feuerwehren für Wald- und Flächenbrände

Bei einem Seminar des Kreisfeuerwehrverbandes wurden Feuerwehrleute aus dem Landkreis kürzlich für den Umgang mit Wald- und Flächenbränden geschult. Dafür wurden je zwei Plätze je Gemeinde vergeben, um das Wissen anschließend in die 172 Ortsteil-Feuerwehren in Waldeck-Frankenberg weiterzugeben.

Geleitet wurde das Seminar von der gemeinnützigen Organisation @fire, die oft auch bei Bränden im Ausland – in Amerika, Kroatien, Spanien und Griechenland – im Einsatz sei und von dort viele Techniken und Taktiken für solche Brände kenne. „Ziel dieses Seminars war es, zu zeigen, mit welchen Möglichkeiten jede Wehr unterstützend eingreifen kann, selbst mit minimalistischen Mitteln“, teilte der Kreisfeuerwehrverband mit. „Voraussetzung für den Erfolg bei Vegetationsbränden ist, dass jeder die gleiche Sprache spricht und dies auch ausgebildet wird. Denn bei größeren Bränden sind viele Wehren vor Ort und deshalb sollten alle auf dem gleichen Stand sein.“

Im Burgwald bekämpften bis zu 400 Feuerwehrleute seit Dienstagabend einen rund 25 Hektar großen Waldbrand zwischen Schönstadt und Oberrosphe.
Im Burgwald bekämpften am 19. Juli bis zu 400 Feuerwehrleute einen Waldbrand zwischen Schönstadt und Oberrosphe. © Nadine Weigel

Vegetationsbrände sei der Sammelbegriff für verschiedene Arten von Bränden in der freien Natur. Die Gefahr für solche Brände könne durch extreme Trockenperioden wie sie in den vergangenen Jahren häufig vorgekommen sind, enorm steigen. „Oftmals werden die Feuer durch die Unachtsamkeit des Menschen verursacht, der trotz Verbote und Hinweise brandauslösendes Verhalten ausübt. Die Brandintensität wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, wobei wie bei allen Bränden üblich, vor allem die Menge eines vorherrschenden Brandgutes und der vorhandene Sauerstoff entscheidend für den Brandverlauf sind“, erläutern die Experten.

Seminar-Erfahrung an Ortsteil-Feuerwehren weitergeben

„Das war eine sehr gute Vorbereitung für die anstehende drohende Gefahr der Vegetations-, Wald-, und Flächenbrände und wie man damit umgehen kann“, lautet das Fazit des Kreisfeuerwehrverbandes. „Dies gilt es jetzt weiterzugeben in die umliegenden Wehren. Es muss nicht zwingend jedes für Vegetationsbrände vorgesehenes Einsatzfahrzeug über alle Handwerkzeuge, Ausstattungen oder technischen Raffinessen verfügen. Vielmehr macht eine sinnvolle und bedachte Verteilung sowie eine geordnete Verwendung von Mannschaft und Einsatzmitteln Sinn.“

„Das Seminar war sehr wertvoll für uns“, sagt Korbachs Stadtbrandinspektor Carsten Vahland. 10 bis 15 Einsätze wegen Vegetationsbränden habe es allein im Bereich der Korbacher Feuerwehren in den vergangenen Wochen gegeben. Landwirte haben die Wehren mit Wasserfässern unterstützt, das habe hervorragend geklappt, so Vahland.

Konzept der Feuerwehren im Frankenberger Land

Wie die Feuerwehren der Waldbrandgefahr begegnen, dazu haben die Gemeindebrandinspektoren im Frankenberger Land gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet, berichtet Ayora Escandell auf Anfrage unserer Zeitung: Wenn die Alarmstufe „F2 Wald“ ausgegeben wird, dann rücken alle Wehren des Südkreises, die große Wassertank-Fahrzeuge besitzen, mit diesen direkt aus. Auch der Frankenberger Fuhrunternehmer Waßmuth, der zwei Güllewagen besitzt, die jeweils 28.000 Kubikmeter Wasser fassen können, werde informiert; ebenso weitere Landwirte.

Mit diesen Erstmaßnahmen solle dafür gesorgt werden, dass das Feuer schnell gelöscht wird, bevor es sich auf einer großen Fläche ausbreiten kann. Wenn das Wasser aus diesen großen Tankfahrzeugen aufgebraucht ist, müsse ein Pendelverkehr eingerichtet werden, gegebenenfalls auch Löschhubschrauber eingesetzt werden. „Mit diesem gemeinsamen Konzept glauben wir, gut vorbereitet zu sein“, sagt der Burgwalder Gemeindebrandinspektor.

Er ist froh, dass die Wehren in seinem Gebiet auf mehrere mit Regenwasser gefüllte Zisternen zurückgreifen können. Im Ortsteil Burgwald gebe es allein zwei Zisternen mit jeweils 250.000 Liter, in Ernsthausen zwei mit jeweils 100.000 Litern. Außerdem seien auch die Wolkersdorfer Teiche am Ortsrand von Bottendorf noch gut mit Wasser gefüllt.

Bäche sind leer, Personal ist im Urlaub

Allen Wehrführern sei das Risiko bewusst und Einsatzkräfte seien sensibilisiert, sagt Willingens Gemeindebrandinspektor Jürgen Querl. Im Wald oder fernab der öffentlichen Wasserversorgung müsse das Löschwasser zur Brandstelle transportiert werden. Viele Bäche seien zu leer, die Kommunen seien darauf angewiesen, sich mit Tanklöschfahrzeugen zu unterstützen. Wegen der Urlaubszeit sei aber die Personaldecke dünner als üblich – auch dies werde durch die Zusammenarbeit aufgefangen.

Ayora Escandell appelliert angesichts der aktuellen Trockenheit an die Bevölkerung, im Wald und Feld nicht zu rauchen und kein offenes Feuer zu machen. Die Benutzung öffentlicher Grillstationen in der Gemeinde Burgwald sei aufgrund der Waldbrandgefahr derzeit verboten. Am besten sei es, wenn die Wehren gar nicht erst ausrücken müssen: „Wir können nur appellieren, angesichts der Trockenheit in der Natur vorsichtig zu sein“, sagt Jürgen Querl.

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