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Umweltfreundlicher Holzvergaser in Diemelstadt weckt Interesse

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Von: Elmar Schulten

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Hubertus Wiemers betreibt zwischen Rhoden und Wrexen eine Anlage zur Holzverstromung. Dabei entstehen Strom, Wärme und Aktivkohle, die als terra preta wie ein Langzeitdünger wirkt und Kohlenstoff speichert.
Hubertus Wiemers betreibt zwischen Rhoden und Wrexen eine Anlage zur Holzverstromung. Dabei entstehen Strom, Wärme und Aktivkohle, die als terra preta wie ein Langzeitdünger wirkt und Kohlenstoff speichert. © Elmar Schulten

Das Pflanzenkohle-Kraftwerk, das Hubertus Wiemers an der Autobahnauffahrt zwischen Rhoden und Wrexen betreibt, hat in den vergangenen Tagen wieder eine Reihe technikinteressierter Besucher angelockt.

Diemelstadt – So informierten sich die Bürgermeister und Bauamtsleiter aus den westfälischen Städten Borchen und Salzkotten sowie eine Delegation des Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe aus Münster über die Funktionsweise und Vorteile der Energiegewinnung aus Restholz.

Guter Dünger

Der ideenreiche Ingenieur und Unternehmer Hubertus Wiemers hat in einer leerstehenden Produktionshalle neben dem SVG-Rasthaus eine Anlage zur Holzvergasung aufgebaut, die nicht nur rund um die Uhr rund 210 Kilowatt Strom produziert, sondern auch eine große Menge Abwärme.

Als Abfallprodukt wird aus dem Holzgas pulvrige Aktivkohle ausgefiltert, die sich als Dünger verwenden lässt und dann so nachhaltig wie die legendäre „terra preta“ der Inka-Landwirtschaft wirkt. „Unterm Strich ist die Bilanz dieser Art der Energiegewinnung nicht nur CO2-neutral, sondern sogar CO2-negativ, schwärmt Hubertus Wiemers.

Strom aus Holzgas

Der Kraftwerksbetreiber hat in seiner Anlage vier solcher Holzvergaser in Reihe installiert, von denen jeder am Tag rund sechs Kubikmeter Holzhackschnitzel auf dem Wege der Pyrolyse in Holzgas verwandelt. Das Gas wird in einem Blockheizkraftwerk auf Basis eines umgebauten 12 Zylinder-Biogasmotores mit 27 Liter Hubraum und angeschlossenem Generator in Strom verwandelt.

Die Abwärme kann zur Beheizung von Gebäuden oder städtischen Bädern verwendet werden. Ein Teil der Wärme wird zur Trocknung der Holzhackschnitzel eingesetzt. Das Holz stammt zum Beispiel von Autobahnmeistereien, die regelmäßig das „Autobahnbegleitgrün“ beschneiden müssen. Städte können auch den Baumschnitt aus ihren Parks einsetzen.

Alternative zu Erdöl und -gas

Im Gespräch verrät Wiemers, dass er sich nach zwei Jahren erfolgreichen Betriebs in Diemelstadt ein wenig so fühlt wie die Pflegekräfte in den Krankenhäusern während der Hochphase der Corona-Pandemie: „Alle applaudieren und beteuern, wie wichtig der Einsatz ist, aber es wird keine Entscheidungen getroffen, keine Lehre gezogen.“

Wiemers wünschte sich, dass die von ihm angewandte und optimierte Technik in mehr Städten und für mehr öffentliche Technik eingesetzt würde. Das würde den CO2-Ausstoß im Lande reduzieren und unabhängig von Energieträgern wie Öl und Gas machen. Gerne bietet er nach Absprache Führungen an. (Elmar Schulten)

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